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Frankfurter Rundschau vom 06. März 2002 Papa und Mama sind zwei MännerEine familienwissenschaftliche Erhebung über Kinder in gleichgeschlechtlichen LebensgemeinschaftenVon Bernd Eggen |
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I. Zwei Mamas, zwei Papas - gute Eltern? Kinder mit zwei Mamas oder zwei Papas, ja manchmal sogar und zwei Papas sind Familien, die sich wohl viele in unserer Gesellschaft noch immer kaum vorstellen können. Zu ihnen gehören selbst
diejenigen, die ansonsten gegenüber der Homosexualität und rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften offen sind, zu ihnen gehörten bislang sogar die meisten Homosexuellen.
Andererseits löst vermutlich keine andere private Lebensform solche heftigen Emotionen und ideologisch begründeten Diskussionen aus wie gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften mit Kindern. (. . .)
Immerhin stehen tief sitzende Überzeugungen unserer Kultur zur Diskussion und damit zur Disposition; es sind kulturelle Gewissheiten über Geschlecht, Sexualität, Ehe und Elternschaft. Im Kern des
Streites stehen die persönlichen Entwicklungen des Kindes und die Eigenschaften der Eltern. Stacey und Biblarz haben unter Beachtung dieser ideologischen, methodischen und theoretischen Einschränkungen 21 Studien über Auswirkungen homosexueller Lebensweisen der Eltern auf Kinder
reanalysiert. Sie kommen im Wesentlichen zu folgenden Ergebnissen: |
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1.Hinsichtlich möglicher Verhaltens- und Entwicklungsstörungen auf Grund der sexuellen Orientierung der Eltern gibt es keine Unterschiede zwischen Kindern in gleichgeschlechtlichen und
verschiedengeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Beispielsweise sind Kinder und Jugendliche homosexueller Eltern genauso oft heterosexuell orientiert wie Kinder heterosexueller Eltern. Homosexuelle
Eltern zeigen in keiner Weise häufiger Verhaltensstörungen als heterosexuelle Eltern. |
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II. Seltene Familienform für Kinder, aber ähnliche sozialstrukturelle Vielfalt wie andere Familienformen Laut Mikrozensus, der europaweit größten repräsentativen Bevölkerungsstichprobe, bezeichneten sich in Deutschland 2000 rund 47 000 zusammenwohnende Paare als gleichgeschlechtliche
Lebensgemeinschaften. Dies sind etwas mehr als in den vorangegangenen Jahren, als die Zahl zwischen 38 000 (1996) und 44 000 (1998) schwankte, 1999 waren es 41 400. Demgegenüber stehen 19,5 Millionen
eheliche Lebensgemeinschaften und 2,1 Millionen nichteheliche Lebensgemeinschaften mit verschiedengeschlechtlichen Partnern. Damit sind 0,2 Prozent der Paargemeinschaften bzw. 2 von 1000
Paargemeinschaften homosexuell. Die Zahl der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften dürfte mit Blick auf ihre mögliche Verbreitung eine Untergrenze darstellen. Nach Schätzungen der amtlichen
Statistik müsste es in Deutschland etwa 146 000 gleichgeschlechtlich orientierte zusammenwohnende Partnerschaften geben, also fast dreimal so viele, wie sich in der Befragung offen bekannten. |
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III. Die meisten Eltern lebten in einer Ehe Woher kommen die Kinder? Aus den Daten des Mikrozensus lässt sich nicht lesen, wodurch die Elternschaft der Kinder begründet worden ist - durch Insemination, Adoption, Pflegschaft oder eine
heterosexuelle Beziehung des einen Elternteils. Ebenso bleibt im Unklaren das Ausmaß biologischer und sozialer Elternschaft. Alle verfügbaren Studien berichten, dass die meisten Kinder aus
vorangegangenen heterosexuellen und zumeist ehelichen Beziehungen stammen. Auch in Deutschland haben fast zwei Drittel der Kinder bei homosexuellen Paaren einen nichtledigen Elternteil. Die Mutter
oder der Vater des Kindes ist geschieden, verwitwet oder verheiratet, aber wohnt nicht mehr bei seinem einstigen Ehepartner. So lebt nur eine Minderheit der Kinder in Lebensgemeinschaften, in denen
beide Partner ledig sind. Kinder aus heterosexuellen nichtehelichen Lebensgemeinschaften leben hingegen häufiger mit ledigen Eltern zusammen; es ist jedes zweite Kind. Dies bedeutet auch, dass viele
der Kinder homosexueller Eltern Trennungen und Scheidungen ihrer Eltern miterlebt haben dürften. Und anders als bei Kindern heterosexueller Partner kommt neben diesen bereits oft problematischen
Erfahrungen noch das nicht selten mit Krisen und Konflikten beladene Coming-out des einen Elternteils hinzu, bei dem das Kind jetzt heranwächst. Ist beispielsweise die sexuelle Orientierung der Eltern
während der Scheidung bekannt, so besteht die Gefahr, dass homosexuellen Müttern und erst recht homosexuellen Vätern das Sorgerecht nicht zuerkannt wird. In Deutschland leben Kinder sowohl bei
homosexuellen Müttern als auch bei homosexuellen Vätern. Allerdings wachsen sechs von zehn Kindern in Lebensgemeinschaften mit zwei Frauen heran. |
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IV. Leben in der Kleinstadt mit jüngeren Eltern mit höherem Bildungsniveau Nach den verschiedenen Studien leben die Kinder eher in größeren Städten, sind die Eltern eher schon älter und besitzen vergleichsweise oft einen höheren Bildungsabschluss. Für diese Ergebnisse
können jedoch sowohl Stichproben- als auch kumulative Kontexteffekte ausschlaggebend sein, etwa, dass Personen mit höherer Bildung eher in großstädtischen Milieus wohnen, sich wahrscheinlicher zu
ihrer sexuellen Identität offen bekennen und in Lebensgemeinschaften leben, in denen die Verantwortung für die Erziehung von Kindern nicht nur übernommen wird, sondern auch im "Schutz" dieser Milieus
übernommen werden kann. |
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V. Kindererziehung, Haushalt, Beruf - unterschiedliche Aufgabenverteilung? Gleichgeschlechtliche Partner mit Kindern scheinen die Organisation von Beruf und Haushalt zeitlich und sachlich gleicher zu verteilen als verschiedengeschlechtliche Partner. Die Partner nehmen die
Aufgaben flexibler entlang persönlicher Präferenzen als starr nach geschlechtsspezifischen Mustern wahr. Dies gilt wohl auch weitgehend für die Erziehung der Kinder. Allerdings gibt es auch empirische
Hinweise auf mehr "traditionale" Muster der Art, dass in Lebensgemeinschaften mit minderjährigen Kindern der zumeist biologische Elternteil überwiegend die Erziehung des Kindes und Aufgaben im
Haushalt übernimmt und der andere Partner vor allem erwerbstätig ist. |
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VI. Eingetragene Partnerschaften mit Kindern
In Deutschland können sich seit dem 1. August 2001 gleichgeschlechtliche Paare ihre Partnerschaft durch gemeinsame Erklärung vor der "zuständigen Behörde" registrieren lassen. Aussagekräftige
Statistiken über die Anzahl eingetragener Partnerschaften ohne und mit Kindern liegen noch nicht vor. So kann etwa noch nicht die Frage beantwortet werden, inwieweit gleichgeschlechtliche Paare mit
Kindern das familienrechtliche Institut "Lebenspartnerschaft" nutzen, um ihre Lebensform gesellschaftlich anzuerkennen und ihre Kinder sozial angemessener abzusichern. Schaut man sich in europäischen
Staaten um, wo die Registrierung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften schon länger möglich ist, so liefern allein Norwegen und Dänemark erste Informationen über registrierte Partnerschaften mit
Kindern. Was lässt sich aus diesen groben Daten lesen? |
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VII. Zur Abwesenheit von Vorurteilen So dürftig die Datenlage über die Situation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften auch ist, zeigen dennoch die wenigen vorhandenen Daten, dass die Kinder in sozialstrukturell doch sehr unterschiedlichen Verhältnissen leben. In dieser Vielfalt gleichen Kinder homosexuell orientierter Eltern anderen Kindern. Was sie aber unterscheidet und nicht durch die amtliche Statistik beschrieben werden kann, sind die besonderen Bedingungen wie Diskriminierungen und Stigmatisierungen, die das Wohl der Kinder beeinträchtigen können. Auch auf die Gefahr hin, dass einem die Abwesenheit von Vorurteilen bereits als Sympathie für eine bestimmte Lebensform ausgelegt wird, wenn also nicht erkannt wird, dass wissenschaftlich wichtig nicht gleichbedeutend sein muss mit gesellschaftlich wertvoll, gut oder nicht gut, so sei trotzdem auf eine klassische Paradoxie hingewiesen, dass diejenigen, die das Wohl der Kinder besonders im Blick haben, dieses durch ihr Verhalten am ehesten gefährden. Hinweis: Die Studie von Stacey und Biblarz findet Ihr unter der URL: http://www.asanet.org/pubs/stacey.pdf |
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