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Männerehe – Frauenehe

Oder: Von der Schwierigkeit, die passenden Worte zu finden

In den letzten Wochen hatte ich ein paar mal das Vergnügen, mich mit Standesbeamten zu unterhalten, die angesichts der bevorstehenden Eintragungen von Lebenspartnerschaften um Worte rangen.

Das Ganze hat schon etwas neurotische Züge. Auch wenn ich die Intention des Gesetzgebers nachvollziehen kann, die eingetragene Lebenspartnerschaft als Rechtsinstitut von der Ehe abzusetzen, stellt sich die Frage, ob es denn so verkrampft sein muss. „Ausgleichsgemeinschaft" statt „Zugewinngemeinschaft" mag ja noch gehen, aber was soll der Zirkus, wenn es doch sowieso das gleiche ist.

Schon macht sich die „Gesellschaft für deutsche Sprache" Sorgen um die Wortlosigkeit.

Ich gestehe: „Homo-Ehe" empfinde ich auch als ein schmieriges Un-Wort. Die Vorschläge „Männerehe" oder „Frauenehe" sind mir in sofern sympathisch, als dass sie die Sache auf den Punkt bringen ohne uns auf das Sexuelle zu reduzieren.

Eines weis ich sicher: Mein Mann bleibt mein Mann, mein Kerl, mein Gatte oder meine „entschieden bessere Hälfte". Je nach Anlass und Stimmung. Als „meinen Lebenspartner" werde ich ihn niemandem vorstellen.

Von der „Eintragung einer Lebenspartnerschaft" zu reden, ist ja noch einfach. Zumindest den Standesbeamten geht ein „erkläre ich die Lebenspartnerschaft für begründet" mittlerweile flott über die Lippen. Außerhalb der Zeremonie wird aber eifrig von der Trauung gesprochen.

Wie aber halten wir’s denn nun mit den Adjektiv? „Verpartnert" klingt schlicht schrecklich. „Verheiratet" ist zumindest solange verkehrt, wie sich dahinter unterschiedliche Rechtsfolgen z.B. im Steuerrecht verbergen. „Ledig" bin ich aber auch bald nicht mehr....

Ich bin schon ziemlich neugierig, wie die neuen Steuerformulare aussehen werden.

Wir sind übrigens nicht ein einziges Mal von FreundInnen, Verwandten oder KollegInnen gefragt worden, wann wir unsere Lebenspartnerschaft eintragen lassen. Die Frage war immer: „Und wann heiratet Ihr?"

Während ich diesen Artikel schrieb, war ich parallel damit beschäftigt, Einladungen für unsere eigene Hochzeit zu schreiben. Und bei uns wird es genau dies: Eine „Hoch-Zeit", ein „glänzender Höhepunkt" (Duden) auf dem wir genießen werden, dass Freunde, Kollegen und unsere Familien uns „hoch-leben" lassen. Wir werden auch eine Hochzeitstorte haben. Sollten wir jetzt partout vom Bäcker eine „Lebenspartnerschaftseintragungstorte" verlangen.

Wir wollen damit weder demonstrativ sein, noch zum Nachdenken anregen. Wir haben einfach nur keine Lust darauf, uns mit aller Gewalt von anderen absetzen zu müssen. Wir wollen weder Anbiederung oder die Erfüllung heterosexuelle Klischees um jeden Preis, noch wollen wir die schwule Subversion deutlich machen und verkrampft jede Annäherung an Hetero-Hochzeiten meiden.

In diesem Moment unseres Lebens leisten wir uns gesunden Egoismus und nehmen uns unser Recht auf Spaß und Unverkrampftheit.

Jeder wird es merken, dass wir als zwei Männer durch die Tür des Standesamtes heraustreten. Wenn wir dann Lust haben, Brautsträuße zu werfen, werden wir das tun, obwohl wir beide keine Bräute sind.

Lassen wir’s dabei. Versuchen wir nicht, mit aller Kraft um Worte zu ringen und uns dabei in ein Abseits drängen zu lassen. Sprache ist etwas in der Gesellschaft Gewachsenes, das sich entwickelt hat und permanent weiterentwickelt. Lassen wir die Sprachlosen zurück mit ihren Wortfindungsstörungen und reden mit FreundInnen, KollegInnen und Familie wie uns und ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Axel Blumenthal, Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule und Lesbische Paare (SLP) e.V.

 


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