Ich ... nehme Dich ....
Partnerschaftszeremonien und Rituale außerhalb der Kirche
Okay, die Entscheidung ist gefallen, der Termin für die Trauung steht.
Einladungen für die mehr oder weniger große Feier sind raus, das Buffett
organisiert, Trauringe sind bestellt, Trauzeugen stehen parat. Eigentlich könnte
es jetzt losgehen, aber irgendwie fehlt etwas an der ganzen Sache....?
Viele von uns sind aus der Kirche ausgetreten und fänden es sehr unpassend,
nun anlässlich der Heirat oder Eintragung einer Lebenspartnerschaft um
kirchlichen Segen zu bitten. Trotzdem wünschen sie sich eine Zeremonie oder auch
nur ein Versprechen füreinander und den passenden Rahmen dazu.
Eine Partnerschaftszeremonie während einer schwulen oder lesbischen Hochzeit
ist jedoch etwas, dass auch ohne kirchlichen Rahmen erfolgen kann. Spiritualität
hat Ihren Platz nicht nur innerhalb der Kirche. Und selbst diejenigen unter uns,
die mit Spiritualität überhaupt nichts anfangen können, wünschen sich vielleicht
doch einen Moment des Innehaltens und ein Beziehungsversprechen.
Diese Zeremonie mag auch wichtig sein für Eure Familien und Freunde. Eine
Eintragung auf dem Standesamt ist und bleibt eine behördliche Angelegenheit. Sie
hat für viele Menschen nicht die Emotionalität, die beispielsweise bei einer
kirchliche Trauung mitschwingt. Ein Gelöbnis oder Versprechen verdeutlicht allen
Anwesenden die Ernsthaftigkeit und Tiefe Eurer Partnerschaft, eure Fürsorge
füreinander und die Bewusstheit Eurer Entscheidung.
Dies wurde mir unlängst klar, als ich von zwei Freundinnen gebeten wurde, sie
während ihrer Hochzeitsfeier noch einmal feierlich zu trauen. Freunde und
Verwandte waren geladen. Ein feierlicher Rahmen unterstrich die Bedeutung, die
Ringe lagen auch bereit.
Während die beiden sich Ihr Versprechen gaben und die Ringe tauschten, hätte
man eine Stecknadel fallen hören können, wäre da nicht hier und da ein kurzes
Schnäuzen gewesen. So manche Träne floss aus Freude oder Rührung. An diesem
Abend kamen viele Freunde und Familienmitglieder auf mich zu und sagten, die
Zeremonie hätte Ihnen sehr gut getan.
Steckt hinter dem Wunsch nach einer Segnung oder Partnerschaftszeremonie
wirklich nur der Wunsch nach Romantik? Oder hat eine derartige Zeremonie, ein
Versprechen auf Gegenseitigkeit nicht auch eine identitätsstiftende Bedeutung
für die Partnerschaft, insbesondere dann, wenn ein Paar sich intensiv damit
auseinandersetzt, wie die PartnerInnen die Beziehung bewerten und was beide
Seiten für Vorstellungen, Wünsche, Phantasien, aber auch Ängste haben?
Dies einmal konzentriert miteinander zu besprechen und in die Form eines
Versprechens oder Gelöbnisses zu gießen, ist vielleicht nicht immer ganz
einfach, aber eine der besten Möglichkeiten an einer Beziehung zu arbeiten.
Versucht auszuloten, ob Ihr einen gemeinsamen Glauben habt. Aus der Kirche
ausgetreten zu sein, heißt nicht automatisch, den Glauben abgelegt zu haben.
Wenn ihr an keinen Gott glaubt, macht Euch auf die Suche nach Texten über
Freundschaft, Liebe und Partnerschaft. Bei vielen Dichtern und Denker findet Ihr
Zitate, die Euch Anregungen geben können.
Ob Ihr Eure Versprechen mit der klassischen Formel „Ich, ...., nehme Dich,
...." einleitet oder nicht, bleibt Euch überlassen. Es gibt kein Monopol auf
derartige Formulierungen. Nehmt sie, wie Ihr sie findet und mögt.
Vielleicht sieht dieses Gelöbnis am Ende total anders aus, als wir alle es
aus der Kirche kennen. Vielleicht ist es angebrachter Ehrlichkeit und
Aufrichtigkeit zu geloben, als Treue. Es geht aber nicht darum, was andere von
Euch erwarten, es geht darum, mit diesem Gelöbnis einen Konsens zu finden, mit
dem Ihr Euch als Paar und als Individuen in der Beziehung identifizieren könnt.
Wahrscheinlich ist es besser, zu versprechen, sich immer Mühe zu geben, als
zu versprechen, perfekt zu sein. Sucht Euren eigenen Weg, benutzt Eure eigenen
Worte, formuliert Eure eigenen Ziele, Eure eigenen Wünsche.
Am Ende werdet Ihr Euch deutlicher denn je in Eurer Beziehung sehen und diese
Deutlichkeit durch Eure Zeremonie auch nach außen tragen.
Wo in dem geplanten Tagesablauf findet Ihr den angemessenen Platz für die
Zeremonie oder ein Versprechen?
Der Ringtausch kann Bestandteil der sonst eher nüchternen standesamtlichen
Zeremonie sein. Dies ist in vielen Städten möglich. Bereits bei der Anmeldung
könnt Ihr Wünsche äußern, etwa für eine Ansprache oder für die Bitte, etwas mehr
Zeit für den Ringtausch vorzusehen, weil Ihr Euch dazu ein paar persönliche
Worte sagen möchtet. Auch in Landratsämtern sollten derartige symbolische
Handlungen möglich sein. Notare in Bayern haben hierbei völlig freie Hand, dort
könnt Ihr den für Euch passenden Notar wählen.
Sollten alle Stricke reißen und die Behörden sich sperren, könnt Ihr Gelöbnis
und Ringtausch auch bei einer anschließenden Feier vornehmen. Vielleicht ist
Euch das Trauungszimmer des Standesamt dazu ohnehin zu klein.
Eine Zeremonie am Abend könnte zum Beispiel in der folgenden Form ablaufen:
- Eröffnungsansprache
Ein von Euch ausgesuchter Text, etwa ein Gedicht oder Zitat wird vorgelesen.
Dies kann auch ein guter Freund oder eine Trauzeugin tun.
- Begrüßung
Die Gäste werden begrüßt und die Bedeutung der Zeremonie für Euch wird
erläutert, vielleicht wird auch noch einmal der Verlauf Eurer Beziehung kurz
erzählt. Auch dies könnte eine gute Freundin oder ein Trauzeuge übernehmen.
- Austausch der Gelöbnisse
Der Kern der ganzen Zeremonie. Ob Ihr sie gleichzeitig, abwechselnd oder
nacheinander vortragt, entscheidet Ihr selber.
- Ringtausch
Ob Ihr nun unbedingt Ringe tauscht, oder einen Glücksbringer an einer Kette,
ist vollkommen egal. Wichtig ist nur der symbolische Wert dieser Gegenstände
für Euch.
- Kuss
Wer hätte das gedacht.....?
- Segen oder Glückwünsche
Jetzt ist es an der Zeit gute Wünsche mit auf den Weg zu bekommen. Entweder
durch einen Segensspruch, vorgetragen von einem der Trauzeugen, oder aber auch
dadurch, dass sich alle Gäste um das Paar herum aufstellen und sich für einen
Moment darauf konzentrieren, was sie dem Hochzeitspaar für gute Wünsche mit auf
den Weg geben möchten.
Danach habt Ihr auf jeden Fall einen Grund, Euch feiern zu lassen!!
An dieser Stelle: ALLES GUTE FÜR EUCH!!
Axel Blumenthal, Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule und Lesbische Paare (SLP)
e.V.
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