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Dokumentation

Pressemeldung von Manfred Bruns

25. December 2008

Warum hetzt der Papst immer wieder gegen Homosexuelle?

Es geht um Machterhalt


Viele fragen sich angesichts der jüngsten Äußerungen von Papst Benedikt XVI: „Warum ist die Sexualmoral für den Vatikan  so wichtig? Gibt es nicht drängendere Fragen, denen sich der Papst zuwenden sollte?"

Für den Papst geht es um den Fortbestand der jahrhundertelang tradierten und verteidigten katholischen Sexualmoral. Für diese Lehre ist nicht der Gegensatz zwischen homo- und heterosexuell grundlegend, sondern ob ein Sexualakt natürlich oder unnatürlich ist, das heißt im Klartext, ob ein Akt auf Zeugung gerichtet ist oder nicht. Deshalb trifft das Verdammungsurteil nicht nur die Homosexualität, sondern auch die Masturbation und die sogenannte künstliche Empfängnisverhütung. Infolgedessen würde das ganze Lehrgebäude zusammenbrechen, wenn der Papst auch nur in einem dieser Punkte einlenken würde.

Der Papst ist sich darüber im Klaren, dass es für seine Sexualmoral in der Bibel keinen Beleg gibt. Er beruft sich deshalb darauf, dass Christus seine Kirche als die Säule und das Fundament der Wahrheit gegründet hat und dass diese unter dem Beistand des Heiligen Geistes nicht nur das geoffenbarte positive Gesetz, sondern auch die Prinzipien der sittlichen Ordnung, die aus dem Wesen des Menschen selbst hervorgehen ("Natur des Menschen"), ohne Irrtum authentisch interpretiert. Die Verbindlichkeit der katholischen Sexualmoral wird damit letztlich auf den hl. Geist zurückgeführt, der die katholische Kirche angeblich zuverlässig vor jeglichen Irrtümern bewahrt. Das macht die katholische Hierarchie gleichzeitig unfähig, die über Jahrhunderte hinweg verteidigte Sexualmoral zu korrigieren. Denn damit würde sie Zweifel an ihrer Unfehlbarkeit herausfordern.

Dieses Argument hat schon bei der Enzyklika „Humanae vitae“ von Papst Paul VI. aus dem Jahr 1968, der sogenannten Pillenenzyklika, den Ausschlag gegeben. Damals setzte sich Minderheit mit dem Argument durch, es sei undenkbar, dass der hl. Geist 1930 mehr bei der anglikanischen als bei der römischen Kirche gewesen sei. Die anglikanische Kirche hatte nämlich 1930 ihre bisherige Verdammung der Empfängnisverhütung aufgegeben.

In einem Votum, dass vier Theologen der Mindermeinung dem Papst vorlegten, heißt es: »Wenn erklärt werden würde, Empfängnisverhütung sei nicht in sich schlecht, dann müsste aufrichtiger weise zugegeben werden, dass der Heilige Geist 1930, 1951 und 1958 den protestantischen Kirchen beigestanden hat und dass er Pius XI., Pius XII. und einen großen Teil der Katholischen Hierarchie ein halbes Jahrhundert lang nicht vor einem schweren Irrtum geschützt hat, einem höchst verderblichen für die Seelen; denn es würde damit unterstellt, dass sie höchst unklug Tausende und Tausende menschlicher Akte, die jetzt gebilligt würden, mit der Pein ewiger Strafe verdammt hätten« (zitiert nach Herder-Korrespondenz 21, 1967, 436).

Tatsächlich hat die Enzyklika „Humanae vitae“ nicht die römische Autorität gestärkt, sondern war der Beginn des moralischen Schismas, an dem die katholische Kirche heute leidet. Damit meine ich, dass sich selbst die gläubigen Katholiken in der Mehrzahl nicht mehr an das halten, was Rom dekretiert. Der hl. Geist weht eben, wo er will, nicht nur im Vatikan.

Der Papst beruft sich auch in seiner jüngsten Rede wieder auf die Scholastiker und deren Verständnis von der Natur des Menschen. Die Scholastiker haben das Naturverständnis der antiken Philosophen übernommen, das auf einer - verständlicherweise - lückenhaften Naturbeobachtung beruhte. Der Papst weiß, dass die "Natur des Menschen" anders beschaffen ist und dass Homosexualität und Transsexualität zur Natur des Menschen gehören. Aber wenn er das einräumen und die katholische Sexualmoral ändern würde, würde er seine Machtbasis, den Unfehlbarkeitsanspruch, gefährden und „sein Laden“ würde wahrscheinlich auseinanderfliegen.

Deshalb setzt er sich lieber dafür ein, dass Homosexuelle weiter mit dem Tod bestraft werden und verleugnet die Wahrheit.

Der Papst redet immer wieder davon, dass er alle Menschen liebt, aber er liebt nicht die Menschen, sondern nur seine Organisation und ist intellektuell unredlich.

Erfreulich ist, dass immer mehr seiner "Schäfchen" das nicht mehr mitmachen und sich von dieser verlogenen Institution trennen.

Manfred Bruns
eMail: Manfred.Bruns@lsvd.de