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Muster für Wechselmodell

In das nachfolgende Muster habe ich die Punkte aufgenommen, die man regeln kann. Ob man diese Punkte übernimmt oder ob man in diesem oder jenem Punkt eine andere Regelung bevorzugt, muss man aushandeln, siehe dazu die Ausführungen im Abschnitt "4. Vereinbarungen" in unserem Ratgeber für Adoptionen.

Die Vereinbarung braucht nicht notariell beurkundet zu werden. Es reicht aus, dass alle Beteiligten sie unterschreiben. Am besten erstellt man zwei Exemplare für beide "Parteien" und unterschreibt beide.

Vereinbarung

zwischen

1. (NAME UND ADRESSE der Mutter - AA)

2. (NAME UND ADRESSE der Co-Mutter - BB)

3. (NAME UND ADRESSE des Samenspenders - CC)

4. (NAME UND ADRESSE des Partners - DD)

Vorbemerkung:

Frau AA und Frau BB sind Lebenspartnerinnen. Sie wünschen sich ein Kind. Das Kind soll von Frau AA geboren und mit dem Samen von Herrn CC durch Insemination gezeugt werden.

Herr CC und Herr DD sind ebenfalls Lebenspartner.

Wir wollen das sogenannten Wechsel- oder Pendellmodell praktizieren, das heißt, das Kind soll teils bei seinen Müttern und teils bei seinen Vätern aufwachsen. Deshalb soll das Kind nicht von Frau BB adoptiert werden (Stiefkindadoption), sondern Herr CC wird seine Vaterschaft mit Zustimmung von Frau AA schon während der Schwangerschaft von Frau AA anerkennen.

Das Sorgerecht soll von uns allen gemeinsam ausgeübt werden.

Deshalb vereinbaren wir:

1.    Herr CC versichert, dass ihm keine Erkrankungen und Erbkrankheiten bekannt sind, die das Mutter- oder das Kindeswohl gefährden könnten. Er wird vor der Insemination einen HIV-Test, einen Hepatitis-Test und einen Syphilistest durchführen lassen.

2.    Frau AA und Frau BB verzichten auf alle Schadensersatzansprüche als Folge der Schwangerschaft, von Schwangerschaftskomplikationen oder der Geburt des Kindes.

3.    Herr CC wird seine Vaterschaft an dem Kind schon während der Schwangerschaft von Frau AA gegenüber dem Jugendamt anerkennen. Frau AA wird der Vaterschaftsanerkennung zustimmen.

Frau AA und Frau BB sind sich bewusst, dass aufgrund der Vaterschaftsanerkennung eine Stiefkindadoption des Kindes durch Frau BB nicht möglich ist.

4.    Frau AA und Herr CC werden nach der Geburt des Kindes gemäß § 1626a Abs. 1 Nr. 1 BGB gegenüber dem Jugendamt die Erklärung abgeben, dass sie die Sorge gemeinsam übernehmen wollen.

5.    Frau BB und Herr DD sind nach § 9 Abs. 2 LPartG bei Gefahr im Verzug dazu berechtigt, alle Rechtshandlungen vorzunehmen, die zum Wohl des Kindes notwendig sind (Notsorgerecht).

Frau AA und Herr CC werden Frau BB und Herrn DD außerdem Vollmachten ausstellen, dass sie dazu befugt sind, im Einvernehmen mit den sorgeberechtigten Eltern in Angelegenheiten des täglichen Lebens des Kindes mitzuentscheiden (kleines Sorgerecht entsprechend § 9 Abs. 1 LPartG).

6.    Alle Beteiligten sind sich einig, dass sie über Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung für das Kind gemeinsam entscheiden werden.

Hierzu gehören insbesondere eine Verlegung des Wohnsitzes auf eine Entfernung von mehr als 50 km, ein Schulwechsel des Kindes, operative medizinische Eingriffe bei dem Kind, Aufenthalte des Kindes im nichteuropäischen Ausland sowie eine Änderung der Umgangsregelung. Die hierzu getroffenen Vereinbarungen sind bis zu einer einvernehmlichen oder gerichtlichen Abänderung für beide Elternpaare rechtsverbindlich.

7.    Das Kind soll seinen Lebensmittelpunkt bei seinen Müttern haben. Das Kindergeld steht deshalb den beiden Müttern zu. Sie können selbst bestimmen, wem von ihnen das Kindergeld bzw. der Kinderfreibetrag zustehen und auf welcher Lohnsteuerkarte das Kind eingetragen werden soll.

8.    Herr CC ist als rechtlicher Vater des Kindes verpflichtet, dem Kind Unterhalt zu gewähren. Der Unterhalt soll nach der Düsseldorfer Tabelle berechnet werden.

Herr DD verpflichtet sich, zusammen mit Herrn CC gesamtschuldnerisch für den Unterhalt des Kindes aufzukommen.

9.    Die Beteiligten gehen davon aus, dass Frau AA Herrn CC nicht auf Betreuungsunterhalt in Anspruch nehmen wird. Sollte dies doch geschehen, verpflichten sich Frau BB und Herr DD, Herrn CC jeweils in Höhe eines Drittels von dem Betreuungsunterhalt freizustellen.

Diese Verpflichtungen gelten auch für Unterhaltsansprüche, die ein Dritter (Sozialbehörde usw.) aus übergegangenem Recht geltend macht.

10.    Herr CC und Herr DD sind bereit, bei größeren Anschaffungen (Möbel, Kinderwagen...) einen Anteil zu übernehmen. Die Einzelheiten sollen von Fall zu Fall vereinbart werden,

11.    Das Kind soll im ersten Lebensjahr bei seinen Müttern leben (Stillzeit bzw. Elternzeit von Frau AA oder Frau BB). Falls Herr CC oder Herr DD anschließend eine Elternzeit von zwei Monaten nehmen wollen, soll das Kind während dieser Zeit bei seinen Vätern leben.

Anschließend soll das Kind an einem Tag in der Woche von seinen Vätern betreut werden und an den restlichen Wochentagen von seinen Müttern.

An jedem zweiten Wochenende soll das Kind von Freitagmorgen bis Sonntagabend von den Vätern betreut werden.

Die Mütter werden den Vätern an den Tagen, an denen das Kind bei ihnen lebt, zusätzliche Besuchstermine zugestehen.

Die Feiertags- und Ferientermine sollen jeweils zu Jahresbeginn für das gesamte Jahr festgelegt werden. Ziel ist eine etwa hälftige Aufteilung dieser Termine.

12.    Wir verpflichten uns, alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zu den anderen Eltern beeinträchtigen oder die Erziehung erschweren kann.

13.    Wenn es gleichwohl zu Spannungen oder Streitigkeiten kommt, verpflichten wir uns, an einer Mediation teilzunehmen.

Ort, Datum

Unterschriften aller vier Beteiligter