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Schreiben an die Leitung der Einrichtung

Die nachfolgende Vorlage muss natürlich an den konkreten Fall angepasst werden. Wir sind gern bereit, den Entwurf gegenzulesen, bevor sie ihn absenden. 

Sehr geehrte Frau ………. / Sehr geehrter Herr ……….

ich wende mich heute mit einem Anliegen an sie, das mich sehr bewegt.

Ich habe im # … Monat, Jahr … # Frau # … # Hern ... # ... Vorname und Name … # kennenglernt. Daraus hat sich eine tiefe Freundschaft entwickelt. Wir sind deshalb im # … Monat, Jahr … # zusammengezogen. Das wissen einige /die meisten Kolleginnen und Kollegen. Keiner von ihnen hat sich dazu ablehnend geäußert oder den Kontakt zu mir abgebrochen.

Nun beabsichtigen wir, eine Lebenspartnerschaft einzugehen. 

Ich bitte Sie deshalb, bei der Bistumsleitung nachzufragen, ob ich mit einer Kündigung rechnen muss, wenn wir uns verpartnern.

Die neue "Grundordnung des kirchlichen Dienstes im Rahmen kirchlicher Arbeitsverhältnisse" in der Fassung vom 27.04.2015 unterscheidet zwischen Beschäftigten in hervorgehobener Position und den übrigen Beschäftigten. Ich falle in die zweite Kategorie.

Bei diesen Beschäftigten stellt die Eingehung einer Lebenspartnerschaft nicht mehr generell einen schwerwiegenden Loyalitätsverstoß dar, sondern nur noch, „wenn diese Handlung nach den konkreten Umständen objektiv geeignet ist, ein erhebliches Ärgernis in der Dienstgemeinschaft oder im beruflichen Wirkungskreis zu erregen und die Glaubwürdigkeit der Kirche zu beeinträchtigen“ (Art. 5 Abs. 2 Ziff. 2d i.V.m. Ziffer 2c Grundordnung). Beide Voraussetzungen müssen kumulativ gegeben sein („und“). 

Ich bin der Meinung, dass auf mich keine der beiden Voraussetzungen zutrifft.

Meine Kolleginnen und Kollegen nehmen es hin, dass einige Beschäftigte in Partnerschaften leben, die nicht den Moralvorschriften der Katholischen entsprechen. Sie haben auch an unserem Zusammenleben kein Ärgernis genommen. Daraus schließe ich, dass die von uns jetzt beabsichtigte zusätzliche Verpartnerung nach den konkreten Umständen nicht geeignet ist, ein Ärgernis in der Dienstgemeinschaft zu erregen. 

Sie ist auch nicht geeignet, die Glaubwürdigkeit der Katholischen Kirche zu beeinträchtigen. Nach der alten Grundordnung galt die Eingehung einer Lebenspartnerschaft immer als schwerer Loyalitätsverstoß, auch wenn die Beschäftigten, wie ich, nicht in hervorgehobener Position tätig waren. An dieser Wertung hat die Katholische Kirche in der neuen Grundordnung bei den nicht in hervorragender Position Beschäftigten nicht mehr festgehalten.

Diese Relativierung hat Papst Franziskus durch sein nachsynodales apostolisches Schreiben „Amoris laetitia“ vom 19.03.2016 noch verstärkt. Der Papst hat zwar in diesem Schreiben die rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe abgelehnt. Er hat aber den Ortskirchen und den Seelsorgern einen großen Spielraum für den Umgang mit „irregulären Situationen“ eingeräumt. Es gelte vor allem, zwischen einer Situation, die objektiv nicht den Anforderungen des Evangeliums entspricht, und der Schuldhaftigkeit der betreffenden Person genau zu unterscheiden. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: 

„Daher ist es nicht mehr möglich zu behaupten, dass alle, die in irgendeiner sogenannten ‚irregulären‘ Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben. (…) Ein Mensch kann, obwohl er die Norm genau kennt, große Schwierigkeiten haben im Verstehen der Werte, um die es in der sittlichen Norm geht oder er kann sich in einer konkreten Lage befinden, die ihm nicht erlaubt, anders zu handeln und andere Entscheidungen zu treffen, ohne eine neue Schuld auf sich zu laden.“ (Nr. 301)

Das trifft auch auf mich zu. Ich stehe nach wie vor zu den Grundsätzen der katholischen Glaubens- und Sittenlehre und habe diese auch in meiner Arbeit immer vertreten. Aber da Gott mich # … als lesbische Frau …# … als schwulen Mann …# erschaffen hat, kam für mich eine Ehe mit # … einem Mann … # … einer Frau … # nicht in Betracht. Es war mir aber auch nicht möglich, lebenslang auf eine Partnerschaft zu verzichten und zölibatär zu leben, wie das der Katholische Katechismus fordert. Ich bin an diesen Anforderungen nicht gescheitert, weil ich die Grundsätze der katholischen Glaubens- und Sittenlehre ablehne, sondern weil ich auf Dauer zu schwach war, dem Wunsch nach Intimität und Partnerschaft mit # … einer Frau … # … einem Mann … # zu widerstehen. Ich bewerte unsere Partnerschaft inzwischen nicht mehr als Sünde, sondern bin im Gegenteil Gott für das Geschenk dieser Partnerschaft sehr dankbar.

Da wir lebenslang zusammen bleiben und für unser Alter vorsorgen wollen, planen wir eine Lebenspartnerschaft einzugehen. Dadurch wollen wir das Vermögen, das wir gemeinsam erwirtschaften werden, so sichern, dass es im Alter auch dem Überlebenden zugutekommt. Das ist nur durch Eingehung einer Lebenspartnerschaft möglich, weil hinterbliebene Lebenspartner dieselbe Hinterbliebenenrente und -pension erhalten wie hinterbliebene Ehegatten. Außerdem brauchen sie für das sonstige Vermögen in der Regel keine Erbschaftssteuer zu zahlen und werden bei der Einkommensteuer gegenüber Ledigen begünstigt. Unverbindlich zusammenlebende Ledige erhalten dagegen keine Hinterbliebenenversorgung, wenn die Partnerin oder der Partner stirbt, und müssen für das, was sie von ihren Partnern erben, eine so hohe Erbschaftssteuer zahlen, das sie sehr oft sogar die Familienwohnung nicht mehr halten können.

# … Hinzu kommt, dass ich ein Kind # … erwarte … # … geboren habe … # und unbedingt möchte, dass meine Frau nicht nur tatsächlich, sondern auch rechtlich als zweiter Elternteil anerkannt wird, damit mein Kind nicht elternlos zurückbleibt, wenn mir etwas zustoßen sollte. … #
# … Hinzu kommt, dass meine Frau ein Kind # … erwartet … # …geboren hat … # und unbedingt möchte, dass ich nicht nur tatsächlich, sondern auch rechtlich als zweiter Elternteil anerkannt werde, damit ihr Kind nicht elternlos zurückbleibt, wenn ihr etwas zustoßen sollte. … #
Das ist nur im Wege der sogenannten Stiefkindadoption möglich. Sie setzt voraus, dass die beiden Mütter verpartnert sind.

Da sich unsere rechtliche Absicherung # … und die Stiefkindadoption unseres Kindes … # auf anderem Weg nicht erreichen lässt, erscheint die Eingehung der Lebenspartnerschaft nicht mehr als vorsätzlicher Verstoß gegen die Moralvorschriften der Katholischen Kirche, sondern als ein vom bürgerlichen Recht erzwungener Schritt, der nach dem Urteil aller billig und gerecht denkender Menschen unvermeidbar und deshalb nicht geeignet ist, die Glaubwürdigkeit der Kirche zu beeinträchtigen, wenn sie ein solche gegenseitige Fürsorge duldet.

Mit freundlichen Grüßen