|   Kontakt  |   Impressum  | 
zur Startseite  
 

Medien |

Dokumente |

    Links |


    DER VERBAND ENTSTEHT

    Die demokratische Revolution macht es möglich: Am 18. Februar 1990 gründet sich in Leipzig der „Schwulenverband in der DDR" (SVD). Die Urzelle des LSVD zählt 81 Gründungsmitglieder. Seine Wurzeln hat der Verband in der schwulen Bürgerrechtsbewegung, die sich in der DDR ab 1982 im Kontext der evangelischen Kirche und als Teil der DDR-Opposition gebildet hatte. Der Hauptorganisator dieser Bewegung, der Theologe und Journalist Eduard Stapel, ist auch die treibende Kraft bei der SVD-Gründung. Zusammen mit Karsten Friedel, Detlef Hüttig und Hanno Junck wird er in den ersten Sprecherrat gewählt und übernimmt die Geschäftsführung. Als Ziel setzt sich der SVD die „Gleichberechtigung und die Gleichstellung von Schwulen in allen Bereichen der Gesellschaft der DDR sowie ihre gleiche Teilhabe am öffentlichen Leben in dem Maße, wie sie Heterosexuelle haben“.

    Die Gründungsversammlung gibt sich eine Satzung und dem Verband ein vorläufiges Programm mit einem 18-Punkte-Forderungskatalog: Er reicht von der Zulassung von Zeitschriften für Schwule in DDR bis hin zur Aufnahme eines Diskriminierungsverbotes in die Verfassung.

    Das Ergebnis der ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 macht klar, dass die Reise in Richtung baldige Wiedervereinigung geht. Der SVD reagiert schnell. Bereits auf dem 1. Verbandstag am 23. Juni 1990 in Magdeburg erfolgt die Umbenennung in „Schwulenverband in Deutschland". Gleichzeitig formuliert der Verband damit selbstbewusst den Anspruch, zukünftig bundesweit aktiv zu werden. Zuvor waren bereits Aktive der westdeutschen Schwulenbewegung in den jungen Verband eingetreten, die der Bürgerrechtsansatz des SVD angesprochen hatte. Der 2. Verbandstag verabschiedet am 15./16. Dezember 1990 in Leipzig ein Grundsatzprogramm mit den Leitlinien „Emanzipation, Partizipation und Integration.

    KEINE WIEDEREINFÜHRUNG DES § 175 AUF DEM GEBIET DER DDR

    Am 18.7.1990 richtet der SVD einen Appell an die Volkskammer, sich gegen die Ausdehnung des §175 auf das Gebiet der DDR stark zu machen. Die DDR hatte ihr Sonderstrafrecht gegen Homosexuelle 1988 aufgehoben, im Westen bestand der § 175 noch fort. Im Einigungsvertrag wird der § 175 StGB (wie § 218) von der Übertragung des bundesdeutschen Strafrechts auf die neuen Länder ausgenommen. Dieses gespaltene Recht legt den Grundstein für die spätere Streichung des § 175 im Jahr 1994. 

    ERSTE LANDESVERBÄNDE

    Im ersten Jahr entstehen bereits die ersten Landesverbände des SVD: in Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Sie organisieren die Arbeit des Verbandes auf regionaler Ebene. Der erste Landesverband in Westdeutschland wurde 1991 in Nordrhein-Westfalen gegründet. Heute ist der LSVD flächendeckend vertreten.  

    Was sonst noch geschah:

    +++ Der SVD tritt der International Lesbian and Gay Association (ILGA) bei, dem internationalen Dachverband der Lesben- und Schwulenbewegung. +++ 20. September 1990: Die frei gewählte DDR-Volkskammer spricht sich wenige Tage vor der Wiedervereinigung für die rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften aus. +++ Der 2. SVD-Verbandstag (15./16.12.1990) wählt drei „Westbeauftragte“: Manfred Bruns (Karlsruhe), Frank Hoyer (Stuttgart), Michael Schneidewind (Köln). Sie sollen den Verbandsaufbau in Westdeutschland voranbringen. +++