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1991 - Das Jahr der Etablierung

SVD-Flyer

DIE SCHWULE STIMME, DIE GEHÖRT WIRD

Wer sich in der Mediengesellschaft kein Gehör verschafft, hat es schwer, seine Anliegen voranzubringen. Von Anfang an bemüht sich der SVD daher um eine effektive Pressearbeit. Spätestens im zweiten Jahr seines Bestehens ist der Verband in der Presseberichterstattung gut etabliert. Viele Zeitungen und Magazine greifen die Presseerklärungen des SVD auf, berichten über die Forderungen des Verbandes oder zitieren die SVD-Kommentierung zu aktuellen Ereignissen. „Homosexuelle fordern Recht auf Eheschließung“, „Schwulenverband gegen § 175“, „Schwulenverband kämpft für Grundrechte“, lauten einige Schlagzeilen aus 1991.

Presseniederschlag finden z.B. auch die SVD-Kritik am unsensiblen Umgang mit den Daten Homosexueller bei der Stuttgarter Polizei und der Protest gegen die Haltung des damaligen Berliner Schulsenators, der sich gegen Aufklärungsveranstaltungen von Lesben und Schwulen im Unterricht gewandt hatte. Scharf kritisiert der SVD in der Presse auch die Deutsche Krebshilfe wegen Diskriminierung am Arbeitsplatz. Dort hatte man verlautbart, das „schrille Privatleben“ der Mitarbeiterin Cornelia Scheel, Lebensgefährtin von Hella von Sinnen, passe nicht zum „seriösen Image“ der Krebshilfe.

Weitere Themen der SVD-Pressearbeit des Jahres 1991 sind die AIDS-Politik, die verweigerte Entschädigung für homosexuelle NS-Opfer sowie der Einsatz für Verfolgte und Flüchtlinge. „Schwulenverband fordert: Asyl für alle Verfolgten“, heißt es dazu in der Presse.

Im Juli 1991 präsentiert der SVD auf einer Pressekonferenz in Bonn zusammen mit den „Schwulen Juristen“ einen Gesetzentwurf zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Darüber wird in den Medien sehr breit und sachlich berichtet. In zahlreichen Tageszeitungen erscheinen Artikel – von der Bild-Zeitung bis zur Frankfurter Rundschau. In der auflagenstarken Westdeutsche Allgemeinen Zeitung (WAZ) schafft es SVD-Sprecher Volker Beck am 17.7.1991 sogar in die Rubrik „Zitat des Tages“ mit dem Satz „Auch für Schwule müssen Hochzeitsglocken läuten dürfen.“

SKANDAL UM RITA

Die Debatte um die Ehe gewinnt an Fahrt. Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) spricht sich für eine teilweise Anerkennung aus: „Wenn ein gleichgeschlechtliches Paar ein Leben lang füreinander sorgt, dann muss der Staat dies zum Beispiel im Hinterbliebenenrecht, bei der Rente und auch bei der Steuer berücksichtigen. Hier müssen wir uns gesellschaftspolitisch öffnen.“ Edmund Stoiber (CSU), damals noch bayerischer Innenminister kontert: „Dann kann ich ja gleich über Teufelsanbetung diskutieren“. Auch der SVD reagiert: mit intensiver Pressearbeit, einem Argumentationsfaltblatt „Weg frei zum Standesamt“, das mehrere Auflagen erlebt, und einem eigenen Gesetzentwurf.

ERSTER OST-WEST-SPRECHERRAT DES SVD

Der bundesweite Anspruch des SVD kommt nun auch in der Verbandspitze personell zum Ausdruck. In den Bundesvorstand, damals Bundessprecherrat genannt, werden den bisherigen Mitgliedern Ulf Dahlmann, Karsten Friedel (beide Berlin), Wolfgang Löbe (Magdeburg), Detlef Hüttig und Eduard Stapel (beide Leipzig) neu hinzu gewählt: Volker Beck (Bonn), Manfred Bruns (Karlsruhe) Günter Dworek (Düsseldorf) und Dietmar Zimmer (Berlin-West).  

 

 

WAS SONST NOCH GESCHAH:

+++ Der SVD richtet eine umfassende Eingabe an die gemeinsame Verfassungskommission von Bundestag und Bundesrat mit dem Ziel, im Grundgesetz ein ausdrückliches Verbot der Diskriminierung wegen der sexuellen Identität zu verankern. +++ Am 6.6.1991 gründet sich in Köln als erster Landesverband im Westen der SVD-Nordrhein-Westfalen +++ Der SVD öffnet sich für sogenannte „korporative Mitglieder“, also Vereine, Verbände, Zentren und Unternehmen aus der Szene. Heute zählen wir über 100 Mitgliedsorganisationen, die im LSVD ihren Dachverband sehen. +++