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1996 - Ein Jahr neuer Aufbrüche

Poster "Liebe verdient Respekt"
CSD in Köln
Binats auf dem CSD in Köln
CSD in Köln

WERBEN FÜR RESPEKT

„Liebe verdient Respekt“ – dieser Slogan prangt ab Ende 1996 über zwei Monate lang von insgesamt 4100 Großflächenplakaten in Nordrhein-Westfalen, insbesondere in den Schwerpunktgroßstädten Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Essen und Köln. Es ist die erste große Akzeptanzkampagne dieser Art für gleichgeschlechtliche Lebensweisen.

Zu sehen sind auf den Plakaten ein schwules, ein lesbisches und ein Hetero-Paar. Unterschrieben ist die Aktion vom SVD-NRW und der Polizei in Nordrhein-Westfalen. Die Plakataktion ist Teil einer Kampagne „Wir in NRW gegen antischwule Gewalt“, die vom SVD angestoßen wurde, logistisch vom Landeskriminalamt betreut und von der 1995 ins Amt gekommenen rot-grünen Landesregierung gefördert wird. Die Kampagne basiert auf der „Liebe verdient Respekt“-Konzeption, die der SVD-NRW bereits einige Jahre zuvor entwickelt hatte. Über die Großflächenplakate hinaus werden 100.000 Innenraumplakate gedruckt, die für die Polizeibehörden des Landes sowie für andere öffentliche Einrichtungen bestimmt sind.

Noch mehrfach werden Landesverbände des SVD bzw. des LSVD viel beachtete Plakatkampagnen zur Akzeptanzförderung auflegen. Der Landesverband Berlin-Brandenburg entwickelt das Plakat „Kai ist schwul. Er gehört zu uns. Jederzeit!“. Es kommt im Außenraum sowie in den Werbemedien der Berliner Verkehrsbetriebe zum Einsatz. Das Motiv wird mehrfach modifiziert und neu aufgelegt, z.B. als „Anna ist lesbisch“, „Kai ist schwul. Murat auch!“, „Kai ist schwul. Aljoscha auch!“, Cigdem ist lesbisch. Vera auch! Sie gehören zu uns. Jederzeit!“

Der Akzeptanzförderung und der Prävention von Homophobie dienen auch die „Respect Gaymes, die der LSVD Berlin-Brandenburg seit 2006 durchführt. Auch die Werbeplakate für die Spiele sind in der Hauptstadt regelmäßig ein viel beachteter Blickfang.


ANTIDISKRIMINIERUNGSGESETZ GEFORDERT

Der SVD legt am 2. September 1996 in Bonn den fertig ausformulierten Entwurf für ein Antidiskriminierungsgesetz auf Bundesebene vor. Es enthält u.a. Regelungen für die Arbeitswelt, das allgemeine Geschäftsleben und zur Gleichgestellung von Lebensgemeinschaften. Begründung für den Entwurf: Ein „solches Gesetz verbessert die Möglichkeiten, sich zu wehren“ und es kann „ein Bewusstsein dafür vermitteln, wie sehr … die Menschen- und Grundrechte der Lesben und Schwulen noch immer missachtet“ werden. Fast genau 10 Jahre später tritt nach langen Kämpfen das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ (AGG) in Kraft.


FLAGGENSTREIT IN BERLIN

In Berlin weht am Schöneberger Rathaus zum CSD erstmals die Regenbogenfahne. Bezirksbürgermeisterin Elisabeth Ziemer (Grüne) greift damit eine Initiative des SVD Berlin-Brandenburg auf. Berlins Innensenator Jörg Schönbohm (CDU) versucht das Hissen der Regenbogenfahne über Jahre hinweg zu verbieten – ohne Erfolg. Auch die Bezirke Tiergarten und Kreuzberg flaggen 1996. Später kommen immer mehr Bezirke dazu. Seit dem Jahr 2001 wird auch der Regierungssitz, das Rote Rathaus, mit Regenbogenfahnen geflaggt.


AKTION "TRAUT EUCH"

In Berlin, Leipzig und Hannover wird im August 1996 bei der Aktion „Traut Euch!“ vor Standesämtern bei heterosexuellen Brautleuten um Sympathie für die Homo-Ehe geworben. Die meisten frisch Vermählten bekunden ihre Unterstützung, solidarisieren sich und unterzeichnen ein Protestschreiben an den Bundesjustizminister.