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1999 - Das Jahr der Erweiterung zum LSVD

Geben Sie uns Ihr Ja-Wort
Aktion Ja-Wort
Aktion Ja-Wort
Halina Bendkowski und Günter Dworek. Start der Aktion Ja-Wort in Berlin
Parteienbefragung auf dem CSD Köln
CSD Köln
Abstimmung Erweiterung zum LSVD
Judith Siegmann und Günter Dworek mit Plakat der Aktion Ja-Wort

SVD WIRD LSVD

Nicht enden wollender Beifall folgt auf dem 11. Verbandstag 1999 der wichtigsten Abstimmung seit der Gründung. Mit über 90 % beschließt die Versammlung die Erweiterung des SVD zum LSVD. Halina Bendkowski, Dr. Dorothee Markert und Ida Schillen, alle drei Persönlichkeiten mit viel Erfahrung in der Frauenbewegung und in der Lesbenpolitik, werden in den Bundesvorstand des neuen LSVD gewählt.

Wie ist es dazu gekommen? Schon öfters hatte der Bundesvorstand des SVD die Frage einer Erweiterung diskutiert und eingeschätzt, dass dies nur auf Augenhöhe zwischen Lesben und Schwulen funktionieren könne, der Anstoß also möglichst organisiert von außen kommen sollte. Und der kommt wie ein Geschenk des Himmels genau zur rechten Zeit. Im Herbst 1998 erreicht den SVD ein Brief von Dorothee Markert und Ute Knüfer, die eine Lesbeninitiative „Wir wollen heiraten“ ins Leben gerufen haben und nun dem SVD eine Zusammenarbeit vorschlagen, da sie die Chancen, die der rot-grüne Wahlsieg bietet, nicht verpasst sehen wollen. Am 15. November 1998 findet daraufhin ein Beratungstreffen zwischen politisch aktiven Lesben aus verschiedenen Regionen der Bundesrepublik und dem SVD-Vorstand statt. Schnell und dynamisch bildet sich ein revolutionärer Konsens: Wenn wir auf Bundesebene gleiche Rechte durchsetzen wollen, müssen Lesben und Schwule an einem Strang ziehen. Die meisten anwesenden Frauen treten noch am gleichen Tag in unseren Verband ein.

Im Dezember 1998 gehen sie und weiterer lesbenpolitisch engagierte Frauen mit einem „Aufruf an alle Lesben, die sich eine wirkungsvolle Politik für unsere Rechte auf Bundesebene wünschen“ an die Öffentlichkeit und fordern dazu auf, den SVD zu erweitern. Der SVD-Bundesvorstand stürzt sich in die Arbeit. Gemeinsam mit der Initiative wird in Rekordzeit das Programm lesbenpolitisch erweitert, die Satzung ergänzt und beides dem Verbandstag zur Abstimmung vorgelegt. Am 6./7. März 1999 wird die Ehe geschlossen. Wie prognostiziert steigert das die Durchschlagskraft erheblich und die Zusammenarbeit macht zudem auch noch viel Freude. Nach über 10 Jahre Lesben und Schwulen im LSVD ist längst klar: Das ist eine echte, auf Dauer angelegte Liebesbeziehung.


AKTION ZUM FAMILIENSONNTAG DER KATHOLISCHEN KIRCHE

Als besonders hartnäckige Lobbyistin gegen die politisch von rot-grün angekündigte Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare zeigt sich die Katholische Bischofskonferenz. Lesben und Schwule wenden sich daher direkt an die Gläubigen und protestieren gegen ein diskriminierendes Bischofswort. Am Katholischen Familiensonntag zieht der SVD zusammen mit vielen Bündnispartnern vor die Dome in Köln, Hildesheim, Osnabrück, Frankfurt am Main, Berlin und Trier und wirbt für die Einbeziehung von Lesben und Schwulen in das Familienverständnis. Es kommt zu vielen guten und intensiven Gesprächen, z.T. auch mit hohen Kirchenvertretern. Die Bischofskonferenz verweigert aber bis heute ein Gespräch. Anders die Evangelische Kirche in Deutschland. Sie empfängt am 17. März eine Delegation des LSVD um über das geplante Rechtsinstitut für gleichgeschlechtliche Paare zu sprechen.


GEDENKEN AN HOMOSEXUELLE NS-OPFER IN SACHSENHAUSEN

Der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 1999 ist in der Gedenkstätte Sachsenhausen in diesem Jahr erstmals der Haftgruppe der Homosexuellen gewidmet. Die Gedenkstätte nutzt den 27. Januar jedes Jahr, um den Blick jeweils auf eine spezielle Opfergruppe zu lenken. Eine SVD-Vorbereitungsgruppe, der Joachim Müller, Hans-Georg Stümke, Eberhard Zastrau und Jürgen Bieniek angehören, gestaltet ein eindrucksvolles Gedenkprogramm. Viele hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter viele Überlebende des KZ aus verschiedensten Opfergruppen und deren Angehörige, gedachten der homosexuellen Häftlinge. Auch das Medienecho war beträchtlich. 1999 ist es damit zum ersten Mal gelungen, das Schicksal der homosexuellen NS-Opfer mit in das Zentrum der Berichterstattung über Verfolgung und Gedenken zu tragen.


AKTION JA-WORT GESTARTET

Anfang 1999 ist offensichtlich: Die neue rot-grüne Regierung segelt in stürmischer See, die versprochene Eingetragene Lebenspartnerschaft ist keineswegs in trockenen Tüchern. Es gibt erste Rückzugsmanöver und es formiert sich Widerstand von rechts. In dieser Situation mobilisiert der LSVD seine für diesen Zeitpunkt angesparten finanziellen Reserven und beauftragt eine Agentur, eine Kampagne zur rechtlichen Gleichstellung lesbischer und schwuler Lebensgemeinschaften auszuarbeiten. Die JA-Wort Kampagne entsteht. Sie wirbt erfolgreich für Sympathie für gleichgeschlechtliche Paare, mobilisiert Prominente, Farbe zu bekennen, treibt kritisch die Regierung voran und versorgt die Öffentlichkeit mit Argumenten für die rechtliche Gleichstellung. Andere Organisationen, wie der Völklinger Kreis, tragen die Aktion mit. 

 

WAS SONST NOCH GESCHAH

 

+++ Die Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) lädt Lesben- und Schwulenorganisationen am 17. Januar 1999 zu einem Beratungstreffen über das Lebenspartnerschaftsgesetz ein. Es kommt zu heftigen Streit über die Zaghaftigkeit der Bundesregierung, die nur ganz wenige Bereiche rechtlich regeln will. +++ Im März 1999 gibt es neuen Zuwachs bei den Landesverbänden: Der LSVD Bayern gründet sich. +++ Vor der SPD-Parteizentrale demonstriert der LSVD gegen Berufsverbote für Homosexuelle bei der Bundeswehr, die Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) vorerst beibehalten will. 2001 werden sie per Erlass des Generalinspekteurs aufgehoben. +++ Mit einem Hochzeitskorso zum Kanzleramt erinnert der LSVD Bundeskanzler Gerhard Schröder an sein Wahlversprechen gegenüber Lesben und Schwulen. +++ Der Amsterdamer Vertrag tritt in Kraft. Erstmals erhält die EU Kompetenzen, auch Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung rechtlich entgegenzutreten. +++