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2000 - Ein Jahr vieler Begegnungen

ELTERN WERDEN AKTIV - ILSE GEGRÜNDET

In Berlin kommen am 11./12. November auf Einladung des LSVD bundesweit lesbische Mütter und schwule Väter zu einem Familienratschlag zusammen. Sie wollen die politische Lobby für ihre Kinder und Familien stärken. Es gründet sich ILSE – die Initiative lesbischer und schwuler Eltern im LSVD.

Neben der politischen Arbeit zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Familien steht als zweiter großer Bereich der persönliche Kontakt und Austausch zwischen den Eltern (und Kindern) im Vordergrund: „Unser wichtigstes Ziel ist dabei immer, die Lebensbedingungen unserer Kinder zu verbessern. Wir wollen sie stark und stolz machen durch die Erfahrung gesellschaftlicher Anerkennung und durch das Wissen, dass sie nicht allein sind“, formuliert die ILSE.

Heute arbeiten vielerorts ILSE-Gruppen. Sie bieten gleichgeschlechtlichen Familien Rückhalt und ein Netzwerk, das bei Fragen und Problemen aktiviert werden kann. Auch die Realisierung eines Kinderwunsches ist in ILSE-Gruppen oft ein wichtiges Gesprächsthema. Deshalb gehört auch das gemeinschaftliche Adoptionsrecht für eingetragene Lebenspartnerschaften zu den TOP-Forderungen der ILSE und des LSVD.


RINGEN UM DAS LEBENSPARTNERSCHAFTSGESETZ

Im Januar 2000 wird ein „Rohentwurf“ für das Lebenspartnerschaftsgesetz aus dem Bundesjustizministerium publik, der fast nichts regelt. Der LSVD erhöht daraufhin den Druck mit intensiver Pressearbeit. Im Laufe des Jahres 2000 werden zudem mehrere zehntausend Unterschriften gesammelt und dem Justizministerium übergeben. Auf dem jährlich Verbandstag im April 2000 stellt der LSVD ein Ultimatum: Sollte bis zum CSD kein Gesetzentwurf zum Lebenspartnerschaftsgesetz eingebracht werden, droht der LSVD, dass die CSD-Paraden zum Massenprotest gegen die Untätigkeit der Bundesregierung werden: Dann „muss sich die Bundesregierung mitten im Sommer warm anziehen.“ Der Druck hat Erfolg. Am 4. Juli 2000 beschließen die Fraktionen von SPD und Grünen jeweils einstimmig, einen gemeinsamen Gesetzentwurf zur Eingetragenen Lebenspartnerschaft in den Bundestag einzubringen. Am 10. November verabschiedet der Bundestag das Lebenspartnerschaftsgesetz. Gleichzeitig wird ein Ergänzungsgesetz beschlossen, das aber von den CDU/CSU- und FDP-regierten Bundesländern im Bundesrat blockiert wird.


FAMILIENMISTERIN BERGMANN AUF LSVD-VERBANDSTAG

Hamburg, 8./9. April 2000: Mit Bundesfamilienministerin Dr. Christine Bergmann (SPD) besucht zum ersten Mal ein Mitglied der Bundesregierung einen LSVD-Verbandstag. Die Ministerin hält eine Gastrede zum zehnjährigen Verbandsjubiläum. Darin würdigt sie die Arbeit des LSVD und deren Bedeutung für die Akzeptanz von Lesben und Schwulen in der Gesellschaft. Ebenso setzt sie sich für die rasche Umsetzung des Lebenspartnerschaftsgesetzes ein.


PROTEST VOR CDU-ZENTRALE

Am 3. August demonstriert der LSVD vor der CDU-Parteizentrale in Berlin, da die CDU unter dem Motto „Ja zur Toleranz, Nein zur Ehe!" eine Kampagne gegen die Eingetragene Lebenspartnerschaft starten will. CDU-Bundesgeschäftsführer Hausmann empfängt daraufhin einige LSVD-Aktivistinnen und –Aktivisten zu einem Gespräch. Es ist das erste zwischen dem LSVD und einen hochrangigen Vertreter der CDU-Bundespartei. Die Union beharrt zwar offiziell weiter auf ihrem „Nein" zur Lebenspartnerschaft, stellt ihre Öffentlichkeitskampagne aber bald darauf stillschweigend ein.


BESUCH BEI BUNDESPRÄSIDENT RAU

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik empfängt am 14. Dezember 2000 ein Bundespräsident eine Delegation lesbischer Bürgerinnen und schwuler Bürger. Bei dem Gespräch mit Johannes Rau im Schloss Bellevue ist das kurz zuvor vom Bundestag beschlossene Lebenspartnerschaftsgesetz ein zentrales Thema. Auch über die Problematik antihomosexueller Gewalt wird gesprochen. An dem Gespräch nehmen Mitglieder des LSVD-Bundesvorstandes sowie Vertreterinnen und Vertreter bundesweiter Organisationen, die mit LSVD assoziiert sind, teil. 

 

WAS SONST NOCH GESCHAH:

+++ Kritik am Papst: Der LSVD protestiert dagegen, dass Papst Johannes Paul II. Homosexuelle aus seiner Versöhnungsbitte für Kirchenverbrechen ausspart +++ Der LSVD verstärkt den Druck hinsichtlich der Aufhebung des nach § 175 in der NS-Zeit ergangenen Urteile. Am 7. Dezember 2000 beschließt der Bundestag, die Rehabilitierung homosexueller NS-Opfer anzugehen. +++ Die Europäische Union beschließt eine Richtlinie zum Schutz vor Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf. Auch Lesben und Schwule sind in das Benachteiligungsverbot mit einbezogen. +++ 2000 wird die LSVD-Pressestelle in Berlin eröffnet. Nach dem 1999 erfolgten Umzug von Bundestag und (Teilen der) Bundesregierung von Bonn nach Berlin, hat der LSVD nun auch eine engagierte Hauptstadtvertretung. +++