Zum Inhalt - Zur Navigation

Inhalt

2003 - Ein Jahr im Zeichen der Familie

LSVD-Fachtagung Regenbogenfamilien
LSVD-Fachtagung Regenbogenfamilien


PROJEKT REGENBOGENFAMILIEN LÄUFT AN

Im Familienalltag und speziell in der Familienplanung sehen sich Regenbogenfamilien – lesbische Mütter, schwule Väter und ihre Kinder – mit vielfältigen rechtlichen und gesellschaftlichen Hindernissen konfrontiert. Auch in der schwul-lesbischen Community wurde das Thema „Elternschaft“ lange stiefmütterlich behandelt.

Am 15 Januar 2003 geht die LSVD-Beratungshotline für Regenbogenfamilien und familienbezogenes Fachpersonal an den Start. Das LSVD-Projekt „Regenbogenfamilien“ setzt sich bundesweit für die Verbesserung der persönlichen, gesellschaftlichen und rechtlichen Situation von Regenbogenfamilien ein.

Bis 2010 finden im Rahmen des Projekts gut 5.000 Beratungen statt. Die Bandbreite der projektinternen Angebote reicht darüber hinaus von Veröffentlichungen, über Pressearbeit bis hin zu Vorträgen und Fachveranstaltungen. Dem Projekt liegt speziell die Vernetzung und der Erfahrungsaustausch zwischen den familienbezogenen „Akteuren“ am Herzen: schwul-lesbischen Eltern in Deutschland und Europa, ihren Kindern und Fachleuten. Im Netzwerk ILSE („Initiative lesbischer und schwuler Eltern" im LSVD), unterstützen sich Regenbogenfamilien und Lesben und Schwule mit Kinderwunsch bundesweit in Regionalgruppen und in Online-Foren. Kinder und Jugendliche in Regenbogenfamilien treffen sich im Kids-Chat und Kids-Forum des LSVD.

2003 veranstaltet der LSVD seine erste familienbezogene Fachtagung, auf der sich 150 Vertreterinnen und Vertreter aus Familienverbänden, dem schulischen Bereich, Familien- und Jugendberatungsstellen sowie Politik mit Regenbogenfamilien aus dem gesamten Bundesgebiet austauschen. 2009 findet bereits das sechste bundesweite Familienseminar des LSVD statt - besucht von 160 lesbischen Müttern, schwulen Vätern und ihren Kindern. 2007 wird der erste deutschsprachige Beratungsführer „Regenbogenfamilien - alltäglich und doch anders" – veröffentlicht, inklusive eines umfangreichen immer aktuellen Internetportals mit Sachinformationen, Erfahrungsberichten, Serviceadressen und Empfehlungen. Das Projekt Regenbogenfamilien begleitet auch über drei Jahre in einem wissenschaftlichen Beirat das erste repräsentative deutsche Forschungsvorhaben „zur Situation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften", in Auftrag gegeben vom Bundesjustizministerium. Die 2009 veröffentlichte Studie belegt nun auch offiziell: „Homosexuelle Paare sind keine schlechteren Eltern, Kinder entwickeln sich bei zwei Müttern oder zwei Vätern genauso gut wie in anderen Familienformen.“

PROTESTE GEGEN KATHOLISCHE BERUFSVERBOTE

Zum Katholischen Familiensonntag am 18. Januar 2003 protestiert der LSVD vor sieben Kathedralen gegen die von der Katholischen Kirche angedrohten Berufsverbote für Lesben und Schwulen. Die Katholische Bischofskonferenz hatte bereits 2002 beschlossen, dass Beschäftigte in katholischen Einrichtungen, die das vom Staat angebotene Rechtsinstitut der Eingetragenen Lebenspartnerschaft eingehen, mit dienstrechtlichen Konsequenzen bis hin zur Kündigung rechnen müssen. Die Demonstrantinnen und Demonstranten machen deutlich: „Angestellten mit Berufsverbot zu drohen, weil sie eine Verantwortungsgemeinschaft eingehen wollen, ist hartherzig und menschenfeindlich.“

RATZINGERS KARDINALFEHLER

Kardinal Ratzinger sorgt für Mitgliederzuwachs beim LSVD. Als Chef der Vatikanischen Glaubenskongregation erklärt er den Widerstand gegen die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare zur „moralischen Pflicht“ für alle katholischen Politiker und Politikerinnen. Eine Eingetragene Lebenspartnerschaft ist für Ratzinger gar eine „Legalisierung des Bösen“. Flugs produzieren wir gegen diese Verstiegenheiten eine Protestpostkarte mit des Kardinals Konterfeit und betonen: „Das beste Mittel gegen Ratzinger: Eintreten in den LSVD“. Mit diesem Motto wirbt der LSVD viele Mitglieder. Mit leichter Modifikation lassen sich die Materialien auch nach Ratzingers Papstwahl weiter erfolgreich einsetzen.


BUNDESTAG GIBT GRÜNES LICHT FÜR DENKMAL

Am 12. Dezember 2003 beschließt der Bundestag mit den Stimmen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP gegen die Stimmen von CDU/CSU die Errichtung des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Die Bundesregierung wird beauftragt, im Einvernehmen mit den Initiatoren für die Umsetzung zu sorgen. Der Umsetzungsprozess dauert noch fünf Jahre.

 

WAS SONST NOCH GESCHAH:

+++ LSVD-Gründungsvater Eduard Stapel bekommt für seine Leistungen beim Aufbau einer bürgerrechtsorientierten Lesben- und Schwulenbewegung in der DDR und in Gesamtdeutschland 2003 den Zivilcourage-Preis des Berliner CSD verliehen. Die Laudatio hält die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler. +++ Der LSVD LV Berlin-Brandenburg veranstaltet am 7.-9. November 2003 zusammen mit den Gays & Lesbians aus der Türkei GLADT e.V. einen ersten Bundeskongress türkeistämmiger Lesben, Schwuler, Bisexueller, Transsexueller und Transgender. +++