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2004 - Ein Jahr im Zeichen internationaler Solidarität

ILGA-Konferenz in Budapest
Demo vor dem Kölner Dom
Demo vor dem Kölner Dom

AKTIONEN GEGEN HASS-MUSIK

Am 9. Juni 2004 wird in Jamaikas Hauptstadt Kingston der Schwulenaktivist Brian Williamson brutal ermordet. Williamson war der bekannteste schwule Bürgerrechtler der Insel und 1998 Mitbegründer der ersten schwul-lesbischen Organisation Jamaikas, des Jamaican Forum for Lesbians, All-sexuals and Gays (J-Flag). In Jamaika ist Homosexualität strafbar. Die Strafbestimmungen datieren aus der britischen Kolonialzeit. Nirgendwo in der Karibik herrscht ein so schwulenfeindliches Klima wie in Jamaika.

Dieses Klima wird durch so genannte Battyman-Tunes einiger Dancehall-Musiker angeheizt wird, die in ihren Songs zum Mord an Schwulen aufrufen. Es ist vergleichsweise kleiner Kreis einschlägiger Sänger. Dazu gehören Beenie Man, T.O.K, Elephant Man, Sizzla. Capleton, Buju Banton, T.O.K., Bounty Killer und Vybz Kartel. Dieser Interpreten werden regelmäßig zu Konzerten nach Deutschland eingeladen. Auch ihre CDs sind hier zu kaufen.

Im Sommer 2004 treten beim Summerjam-Festival in Köln einige dieser homophoben Interpreten aus Jamaika auf, u. a. Beenie Man und T.O.K. Unter dem Eindruck des Mordes an Brian Williamson appelliert der LSVD an die Veranstalter, Hass-Sänger auszuladen. 2004 noch ohne Erfolg. Die Veranstalter zeigen sich ignorant. Seitdem haben wir bei vielen Gelegenheiten gegen die Auftritte von Hass-Sängern mobilisiert. LSVD-Parole ist: Keine Bühne für Hass-Sänger in Deutschland. Das gilt auch z.B. für diejenigen Rapper, die in ihren Texten zu Gewalt gegen Homosexuelle aufrufen. Im Laufe der Jahre ist es uns in einem Teil der Fälle mit massiven öffentlichen Druck und Protestaktionen gelungen, Veranstalter zur Absage der Konzerte mit Hass-Sängern zu bewegen. Einige CDs mit Hassliedern wurden als jugendgefährdend indiziert. Gleichzeitig rufen wir die Rundfunkanstalten auf, keine Hasslieder zu senden.

Bei vielen Veranstaltern und Reggae-Fans stößt das auf taube Ohren. Immer wieder wird argumentiert, das sei alles gar nicht so gemeint. Die Wirklichkeit in Jamaika sieht aber ganz anders aus. Immer wieder kommt es brutalen Gewalttaten gegen Homosexuelle, ohne dass die staatlichen Behörden auch nur an Minimum an Schutz gewähren. Aus Solidarität mit den Lesben und Schwulen in Jamaika setzen wir die Aktionen fort. Je weniger die alte Riege der Hass-Sänger in Europa Geld verdienen kann, desto eher wird es sich der Dancehall-Nachwuchs überlegen, ob er in die Hass-Gesänge einstimmen will oder sich lieber an den toleranten und freiheitsliebenden Wurzeln der Reggae orientiert. 


UNTERSCHRIFTEN FÜR ANTIDISKRIMINIERUNGSGESETZ

Am 30. Januar 2004 übergeben mehrere Antidiskriminierungsverbände, darunter der LSVD, in Berlin 15.000 Unterschriften für ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz. Für die Bundesregierung nimmt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Alfred Hartenbach (SPD), die Unterschriften entgegen.


START DER AKTION "GAY SOLIDARNOSC"

Am 25. Juni demonstrieren rund 100 Menschen vor der polnischen Botschaft in Berlin gegen das vom Warschauer Bürgermeister verhängte Verbot des dortigen CSD. Protestiert wird auch gegen die rechtsradikalen gewalttätigen Übergriffe auf den CSD in Krakau im Mai 2004. Zur Unterstützung der Lesben- und Schwulenorganisation in Polen und anderen osteuropäischen Ländern ruft der LSVD die Kampagne „Gay Solidarnosc“ ins Leben. Es werden viele Spenden gesammelt.