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2005 - Das Jahr neuer Projekte und alter Ressentiments

Aktion 1:1
Kids aus Regenbogenfamilien
CSD in Frankfurt (Main)
Projekt "Migrationsfamilien"
Vortragsreihe zu Regenbogenfamilien
Auftaktveranstaltung für die Plakatkampagne: „Kai ist schwul. Aljoscha auch!" mit der Bezirksstadträtin Dr. Manuela Schmidt und der Migrantenbeauftragte des Bezirks Elena Marburg
LSVD-Verbandstag
Weltjugendtag in Köln 2005

HOMOSEXUALITÄT UND MIGRATION

Pünktlich zum Jahresanfang 2005 startet der LSVD das Projekt "Homosexualität als Thema in Migrationsfamilien". Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird damit Aufklärung, Beratung und Selbsthilfe für Angehörige von Lesben und Schwulen mit Migrationshintergrund geboten.

Oft wird nicht wahrgenommen, dass unter den Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland selbstverständlich auch viele Lesben und Schwule sind. Sie erfahren häufig mehrfache Diskriminierung. Innerhalb der deutschen Mehrheitsgesellschaft erleben sie Rassismus und ungleiche Chancen. Je nachdem, ob im Herkunftsland repressive Haltungen gegen Schwule und Lesben vorherrschen, erfahren sie im Durchschnitt in ihrer Familie und Herkunftsgruppe häufig stärkere Ablehnung, als dies Lesben und Schwule in der Mehrheitsgesellschaft heute noch widerfährt. Denn einige Migrationscommunities wurden vom gesellschaftlichen Wandel in Bezug auf Lesben und Schwule vergleichsweise wenig berührt. Es wurde lange auch keine gezielte Ansprache entwickelt, um Migrantinnen und Migranten am gesellschaftlichen Prozess der Enttabuisierung von Homosexualität teilhaben zu lassen und sie dabei mitzunehmen. Das wollen wir ändern.

Grundidee ist: Homosexualität ist nicht nur ein Thema für Jugendliche und junge Erwachsene. Denn die meisten Menschen leben in und mit Familien. Deshalb muss die Familie mitgedacht werden. Und: Homosexualität ist nicht nur ein Thema für Lesben und Schwule. Wie die Gesellschaft mit denen umgeht, die in der Minderheit sind, welche Rollenerwartungen an Frauen und Männer gestellt werden und nicht zuletzt, was angeblich akzeptiert, aber de facto nicht erlaubt ist, sollte eigentlich alle angehen – zumindest alle, die meinen, Respekt, Selbstbestimmung und die Anerkennung von Vielfalt seien Werte, für die sich ein Engagement lohnt.

Das Projektteam führt zwischen 2005 und 2007 über 100 Veranstaltungen in enger Kooperation mit Migrationsbeauftragten, Stadtteilgruppe und Integrationsprojekten durchgeführt. Seit 2008 werden die Methoden und Aufklärungsprinzipien an Multiplikatoren vermittelt. Allein im Jahr 2009 werden über 1000 Fachleute aus Erwachsenenbildung, Familienberatung und Integrationsarbeit erreicht.


AKTION 1:1 STARTET

Zum 1.1.2005 tritt das Gesetz zur Überarbeitung des Lebenspartnerschaftsrechts in Kraft. Dadurch werden u.a. die Unterschiede zwischen Lebenspartnerschaft und Ehe im Zivilrecht beseitigt, die Stiefkindadoption von leiblichen Kindern des Partners oder der Partnerin zugelassen und die Lebenspartner bei der gesetzlichen Hinterbliebenenrente mit Ehegatten gleichgestellt. Der LSVD startet kurz darauf die Aktion 1:1 für gleiche Rechte. Ziel ist, die Lebenspartnerschaft auch in den Rechtsgebieten gleichzustellen, die der Zustimmung des Bundesrates bedürfen, insbesondere im Steuerrecht.


DIE ERSTE "RESPEKT" ERSCHEINT


Im April 2005 erscheint die erste „Respekt!“ – Zeitschrift für Lesben und Schwulenpolitik. Sie löst das frühere Mitgliedermagazin „Rundgespräch“ ab und will auch mehr als Mitgliederzeitschrift sein. Die Zeitschrift begleitet das Politik- und Zeitgeschehen kritisch aus der Warte des LSVD. Gleichzeitig erlaubt sich „Respekt!“ sehr oft den Blick über den Tellerrand. Viele Gastautorinnen und –autoren, homo- wie heterosexuell - haben darin bereits ihre Sicht der Dinge dargestellt.


SOLIDARITÄT MIT POLEN

Warschau 11. Juni, 12.00 Uhr. Tausende Lesben und Schwule sowie demokratische Unterstützerinnen und Unterstützer trotzen erfolgreich dem Demonstrationsverbot, das der damalige Warschauer Bürgermeister und spätere Staatspräsident Lech Kaczynski gegen die angemeldete CSD-Parade verhängt hatte. Sie lassen sich weder von einem Großaufgebot Polizei noch von rechtsradikalen Gegendemonstranten abhalten, ihr Recht einzufordern, und ziehen in einem langen Marsch vom Parlament bis zum Kulturpalast. Mit dabei sind auch einige LSVD-Mitglieder, darunter Günter Dworek und Jacques Teyssier vom Bundesvorstand. Der LSVD war tags zuvor Mitveranstalter eines Kongresses gegen Homophobie in Warschau. Mit der Aktion „Gay Solidarnosc“ kann der LSVD 2005 eine Menge Spenden für unsere Partnerorganisationen in Polen einwerben. Auch in Berlin zeigen wir Flagge: Am 26.11.2005 protestiert der LSVD zusammen mit anderen Vereinen vor der polnischen Botschaft in Berlin gegen die drohende Einschränkung der Grundrechte von Lesben und Schwulen in Polen.


HOMOPHOBER PAPST

Am 19. April entsteigt Kardinal Josef Ratzinger dem Konklave als Benedikt XVI. Als Chef der „Glaubenskongregation“ hatte er in den vorausgegangenen zwei Jahrzehnten bei allen homosexuellenfeindlichen Ausfällen des Vatikans die Feder geführt. Dieser Haltung bleibt Benedikt XVI. bislang weiter treu. Anlässlich des Katholischen Weltjugendtages vom 16.08.2005 bis 21.08.2005 in Köln fragt der LSVD daher auf zahlreichen Plakaten „Kann denn Liebe Sünde sein?“