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2007 - Internationales Engagement auf neuer Basis

Hirschfeld-Eddy-Stiftung
EU-weites Familienseminar des LSVD
EU-weites Familienseminar des LSVD
LSVD-Pressesprecherin Renate Rampf
Manfred Bruns 10. Mai 2007, Mahnwache vor dem Bundesverfassungsgericht (Foto: Anya Feddersen)
Mahnwache vor dem Bundesverfassungsgericht am 10. Mai 2007
Mahnwache vor dem Bundesverfassungsgericht am 10. Mai 2007 (Foto: Anya Feddersen)
Kampagne "Keine halben Sachen"
Eren Ünsal, Günter Dworek, Dr. Heidi Knake-Werner und Prof. Dr. Bernd Simon, 25. September 2007, Pressekonferenz zur Simon-Studie

HIRSCHFELD-EDDY-STIFTUNG GEGRÜNDET

In vielen Ländern drohen Schwulen und Lesben Gefängnisstrafen, Folter und mitunter sogar die Todesstrafe. Das Recht auf persönliche Sicherheit ist für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, trans- und intersexuelle Menschen (LGBT) in einer Vielzahl von Staaten nicht einmal ansatzweise gewährleistet. Sie brauchen unsere Solidarität und aktive Unterstützung. Von den vielen tausend in Deutschland registrierten gemeinnützigen Stiftungen engagiert sich nur ein winziger Bruchteil bislang auch für LGBT-Thematiken. Wir setzen uns dafür ein, dass sich das ändert. Wir wollen aber nicht auf andere warten. Deshalb gründet LSVD 2007 die Hirschfeld-Eddy-Stiftung gegründet, die mittlerweile in vielen Ländern mit Projekten aktiv ist – von Nicaragua bis zur Ukraine.

Die Stiftung setzt sich zum Ziel, international Menschenrechtsarbeit zu unterstützen, Menschenrechtsverteidigern und –verteidigerinnen aktiv zu helfen sowie Aufklärung und den Abbau von Vorurteilen zu fördern. Die Stiftung unterstützt LGBT-Organisationen im globalen Süden und in Osteuropa, führt Menschenrechtskongresse durch oder initiiert Projekte zur Akzeptanzsteigerung und zur Stärkung des Menschenrechtsschutzes von LGBT.

Benannt ist die Stiftung nach dem Pionier der homosexuellen Bürgerrechtsbewegung Dr. Magnus Hirschfeld (1868-1935) aus Deutschland, und nach der prominenten lesbischen Menschenrechtsaktivistin Fannyann Eddy (1974-2004) aus Sierra Leone, die 2004 einen Mordanschlag zum Opfer fiel. Die Namenskombination ist Programm: Der Kampf für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender ist eine weltweite Angelegenheit. Es geht um Prinzipien, die in Europa genauso gelten wie in Afrika, es geht darum, dass überall respektiert wird: LGBT-Rechte Menschenrechte und als solche unteilbar und universell sind.


KEINE HALBEN SACHEN!

So lautet der Slogan eines vom LSVD angestoßenen Aktionsbündnisses. Es geht darum, die Gleichstellung der Lebenspartnerschaft voranzutreiben und optisch wie inhaltlich anschaulich zu vermitteln: Wo hapert es noch an der Gleichstellung und was bedeutet das in der Familienkasse? Dem Aktionsbündnis 'Keine halben Sachen' schließlich viele schwul und lesbische Organisationen an, ebenso wie Lesben- und Schwulengruppen von CDU/CSU, SPD und LINKE. Bei FDP und Bündnis 90/Die Grünen ist jeweils sogar die Gesamtpartei mit im Boot. Das Aktionsbündnis ist auf vielen Veranstaltungen präsent und wird auch im Bundestag wahrgenommen. 2009 kann die erste Ernte eingefahren werden. Die Erbschaftsteuerreform bringt für Lebenspartnerschaft große Fortschritte.


MAHNWACHE VOR DEM BUNDESVERFASSUNGSGERICHT

Am 10. Mai 2007 versammeln sich LSVD-Mitglieder in Karlsruhe zu einer Mahnwache vor dem Bundesverfassungsgericht. Genau 50 Jahre zuvor hatte das Gericht entschieden: Der § 175 StGB kann auch in der NS-Fassung weiter geltendes Recht in der Bundesrepublik bleiben. "Gleichgeschlechtliche Betätigung verstößt eindeutig gegen das Sittengesetz", urteilte man damals in Karlsruhe. Einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Männern blieben weiterhin strafbar. Viele tausend Männer werden in der Folge dieses Urteils weiter zu Gefängnis- oder Zuchthausstrafen verurteilt, ihre bürgerliche Existenz vernichtet. Erst 1969 wird § 175 reformiert, erst 1994 endgültig gestrichen. Mit der Mahnwache soll an die Opfer dieses Unrechtsparagrafen erinnert werden. An diesem Jahrestag startet der LSVD auch seine Aktion "Lesben und Schwule in die Verfassung!" mit dem Ziel einer Ergänzung des Grundgesetzes um ein Verbot der Diskriminierung aufgrund der "sexuelle Identität".


RESPECT GAMES – KICKEN GEGEN HOMOPHOBIE

Über 1000 Menschen tummeln sich am 9. Juni 2007 im Berliner Jahn-Sportpark. 48 Fußball- und 21 Streetballmannschaften liefern sich auf Einladung des LSVD-Landesverbands Berlin-Brandenburg ein heißes Turnier. Es geht um Sport und Spaß, aber auch um das ernste Thema Homophobie. Die Respect Gaymes zeigen: Begegnung ist ein gutes Gegengift gegen Homophobie.


„SIMON-STUDIE“ VORGESTELLT

Der LSVD stellt der Öffentlichkeit die Ergebnisse einer Studie über "Einstellungen zur Homosexualität bei Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund" vor. Angestoßen wurde die Studie im Migrationsfamilienprojekt des LSVD. Durchgeführt hat sie Prof. Dr. Bernd Simon, Institut für Psychologie, Universität Kiel. Befragt wurden Schülerinnen und Schüler in Berlin mit türkeistämmigem, russischsprachigem und herkunftsdeutschem Hintergrund. Jugendliche aus den beiden Migrantengruppen zeigten dabei eine stärker ausgeprägte homosexuellenfeindliche Einstellung als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Die Befunde der Studie verweisen auf die Bedeutung traditioneller Männlichkeitsnormen und von Religiosität für die Prägung antihomosexueller Einstellungen. Der LSVD fordert deshalb: Respekt für Homosexuelle muss Thema der Integrationspolitik werden.  

 

WAS SONST NOCH GESCHAH:

+++ Bei einer Anhörung im Innenausschuss des Bundestages setzen sich Rechtsanwältin Maria Sabine Augstein (LSVD-Landesvorstand Bayern) und LSVD-Bundesvorstand Manfred Bruns am 28. Februar 2007 als Sachverständige massiv für eine rasche und umfassende Reform des Transsexuellenrechts ein. +++ Im November entkriminalisiert Nicaragua als letztes spanischsprachiges Land in Amerika Homosexualität. Zuvor hatten weltweit Menschenrechtsorganisationen gegen die Strafverfolgung protestiert. Auch der LSVD hatte einen Aktionsaufruf gestartet, der auch von vielen Bundestagsabgeordneten unterzeichnet worden war. +++ LSVD-Bundesvorstand Axel Blumenthal erhält das Verdienstkreuz am Bande verliehen für sein Engagement für Gleichberechtigung und in der Präventionsarbeit im Bereich HIV/AIDS. +++