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Tausende Kinder wachsen derzeit in Deutschland bei ihren lesbischen Müttern und schwulen Vätern auf. Langjährige Forschung belegt, dass diese Kinder sich in jeder Hinsicht gut entwickeln.

Mit der Stiefkindadoption ist die Gleichberechtigung von Regenbogenfamilien einen großen Schritt vorangekommen. Dennoch werden lesbische und schwule Paare bei der Familienneugründung weiterhin vom Gesetzgeber diskriminiert. Obwohl Umfragen zufolge jede zweite lesbische Frau und jeder dritte schwule Mann bereit sind, Verantwortung für ein Leben mit Kindern zu übernehmen, wird ihnen die Umsetzung des Kinderwunsches systematisch erschwert und oftmals gar verwehrt.

Andere europäische Länder sind schon weiter: Seit 2007 ermöglicht Belgien allen Interessentinnen die künstliche Befruchtung. Auch in Dänemark, Finnland, den Niederlanden und Schweden haben lesbische Paare Zugang zu den Dienstleistungen von Samenbanken und Inseminationskliniken. In Deutschland dagegen haben nur verheiratete Frauen die Sicherheit, sich in dieser Form den Kinderwunsch erfüllen zu können.

Die Bundesärztekammer verbietet in ihren „Richtlinien zur assistierten Reproduktion“ den Gynäkolog(inn)en jegliche Unterstützung bei einer künstlichen Befruchtung, wenn die betreffenden Frauen in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben. Das geschieht aber nicht aufgrund von ethischen Bedenken, sondern um die Ärzte vor möglichen Unterhaltsansprüchen der Kinder zu bewahren.

Denn der Gesetzgeber misst mit zweierlei Maß. Wird ein Kind in einer Ehe durch künstliche Befruchtung mit dem Samen eines Dritten gezeugt, gilt es, ungeachtet der biologischen Verbindungen, rechtlich als Kind beider Wunscheltern. Nicht so bei eingetragenen Lebenspartnerschaften. Hier sind Mediziner/innen, Samenbanken und Samenspender vor etwaigen Unterhaltsansprüchen nicht eindeutig geschützt. Erst nach Geburt des Kindes und einer langjährigen Wartezeit kann die Stiefkindadoption Rechtssicherheit bringen. Doch dieser Weg dauert lange, ist im Ausgang offen und widerspricht mithin dem Kindeswohl.

Diskriminiert werden eingetragene Lebenspartnerschaften auch im Adoptionsrecht. Belgien, Großbritannien, Niederlande, Schweden und Spanien bieten Lesben und Schwulen ein gemeinsames Adoptionsrecht. In Deutschland ist dies heterosexuellen, verheirateten Paaren vorbehalten (§ 1741 II 1 BGB). Adoptionswillige eingetragene Lebenspartner/innen können zwar theoretisch als Einzelperson Kinder adoptieren, haben jedoch kaum eine Chance. Weil Lebenspartnerschaften nicht als Familien anerkannt werden, fehlt ihnen die rechtliche Möglichkeit einer doppelten Absicherung. Obwohl Lesben und Schwule als Paare seit langem als Pflegeeltern dem Kindswohl dienen, wird dies potentiellen Adoptiveltern verwehrt.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat im Januar 2008 zum zweiten Mal geurteilt, dass adoptionswillige Personen nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden dürfen. Alle diesbezüglichen Gesetze und Regelungen verstoßen gegen Artikel 14 und Art 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention.

Wir fordern den Gesetzgeber auf, dafür zu sorgen, dass die Diskriminierung von eingetragenen Lebenspartnerschaften bei der Familiengründung beendet wird!

  • Erweitern Sie das Abstammungsrecht auf eingetragene Lebenspartnerschaften!
  • Stellen Sie eingetragene Lebenspartnerschaften und ihre Kinder im Steuerrecht den Ehegatten gleich!
  • Sorgen Sie für eine Gleichstellung von lesbischen Frauen in Lebenspartnerschaften beim Zugang zu den Dienstleistungen von Samenbanken!
  • Schaffen Sie ein gemeinsames Adoptionsrecht für eingetragene Lebenspartnerinnen und Lebenspartner!


Lange genug hat der Staat den Ausschluss von Lesben und Schwulen bei der Familiengründung betrieben. Damit muss endlich Schluss sein! Und die Lösung liegt auf der Hand: Eingetragene Lebenspartnerschaften müssen der Ehe rechtlich gleichgestellt und als Familie anerkannt werden.

[beschlossen auf dem 20. LSVD Verbandstag am 12.04.2008 in Berlin]

Antragsteller: LSVD-Bundesvorstand