Home | Recht | Lebenspartnerschaft | Familienbuch | Spätes Coming out in Familien


Sonja Springer:

Spätes Coming out in Familien
Einige Ratschläge

Wann spricht man von einem späten Coming out?
Der Begriff "spät" ist hier nicht altersabhängig zu verstehen, sondern bezeichnet das Coming out aus einer heterosexuellen Lebenssituation heraus. Dies kann in jedem Alter stattfinden. Das späte Coming out in Familien bezeichnet den Prozess aus einer traditionellen Frau-Mann-Kinder-Familie heraus.

Was ist das Besondere und Schwierige an einem späten Coming out in einer Familie?
Das Coming out in Familien wird erschwert, da Frau oder Mann nicht nur für die eigene Person agieren können. Das Coming out betrifft immer gleichzeitig einen Partner/eine Partnerin und auch die Kinder.

Alle Familienmitglieder müssen diesen Bewältigungsprozess durchstehen. Für alle Mitglieder der Familie bedeutet ein Coming out meist einen erheblichen Einschnitt in die gewohnte Lebens- und Familienstruktur.

Dabei bewältigen jüngere Kinder und junge Erwachsene diesen Prozess besser als Kinder in der Pubertät.

Durch die Familie ist Frau oder Mann meist stärker eingebunden in die Gesellschaft, z.B. über Kindergarten, Schule usw., und stärker eingebunden in das direkte Wohnumfeld. Diese Eingebundenheit erschwert das Coming out und erfordert meist eine schnellere Öffnung nach außen.

Gesellschaftliche und konfessionelle Eingebundenheit sowie finanzielle Aspekte und Ängste können den Coming out-Prozess zeitlich hinauszögern oder gar verhindern. Starke Verlustängste bestimmen dann das Handeln.

Das Coming out in der Familie bedeutet immer gleichzeitig das persönliche Coming out, einschneidende Veränderungen für den Partner/die Partnerin und die Kinder sowie das Bestehen in der Gesellschaft.

Empfehlungen für das Verhalten gegenüber den Kindern:

  • Offenheit und Ehrlichkeit in jedem Fall und in allen Fragen
  • Altersgerechte Erklärungen
  • Agieren statt reagieren, auch im Umgang mit der Gesellschaft (Kindergarten und Schule) oder gegenüber dem/der ehemaligen Partner/Partnerin

Gegenüber den Kindern immer die Wahrheit sagen, warum die Trennung vom Vater/von der Mutter erfolgt. Mit der ersten Lüge beginnt bereits der Teufelskreis, aus dem man schwer heraus kommt.

Es wird viel Energie aufgewandt, um Fantasiegebilde (z.B. Trennungsgründe) zu erfinden. Es soll irgendwann richtig gestellt werden, und nie ist der richtige Zeitpunkt dafür. Die Angst, etwas verlieren zu können, beherrscht das eigene Handeln und die Auffassung, die Kinder schützen zu wollen.

Eine Geheimhaltung z.B. gegenüber der Gesellschaft suggeriert den Kindern, dass es etwas "Schlechtes" sein muss. Kinder sind so nicht gegen Angriffe gewappnet. Das Elternhaus bietet keinen Rückhalt. Das Kind kommt in Gewissenskonflikte und Homosexualität bekommt keinen gleichrangigen Stand beim Kind. Sogar stark ablehnende Haltungen können so beim Kind provoziert werden.

Nur das Beispiel hilft dem Kind. Nur in Offenheit (auch nach außen) kann Selbstbewusstsein aufgebaut werden, kann man das Kind stark machen gegen Angriffe. Die Normalität von homosexuellen Lebensweisen muss auch in der Familie vermittelt werden. Und auch Kinder, die in homosexuellen Partnerschaften geboren werden, brauchen diese Offenheit für ihre selbstbewusste Entwicklung.

Ein wichtiger Faktor ist das Verhalten von Verwandten und Freunden gegenüber den Kindern. Welcher Einfluss wird ausgeübt? Welche Haltung wird gegenüber Homosexualität eingenommen?

Auch hier soll nach Möglichkeit agiert und nicht reagiert werden. Den Kindern immer Offenheit für alle ihre Probleme signalisieren.

Ein insgesamt offenes und tolerantes Umfeld kann helfen, den Bewältigungsprozess positiv zu gestalten und ist eine Hilfe für alle Betroffenen.

Sonja Springer
Tischlerin
 
 


[Impressum] [Feedback] [Sitemap]