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1. Was ist Homosexualität?

Homosexualität ist Liebe und Sexualität, die zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen gelebt wird. Weit verbreitet ist die (Selbst-)Bezeichnung „lesbisch“ für gleichgeschlechtlich liebende und begehrende Frauen bzw. „schwul“ bei Männern.

2. Wie viele Menschen sind lesbisch oder schwul?

Es gibt keine zentrale Meldestelle für Sexualität. Niemand muss irgendwo angeben, wen man liebt. Zum anderen gibt es natürlich auch Lesben und Schwule, die nicht offen leben können und /oder wollen. So ist es auch unmöglich, eine genaue Anzahl homo- und bisexueller Menschen zu benennen. Das erklärt die unterschiedlichsten Ergebnisse der existierenden Untersuchungen.

In einer repräsentativen Umfrage des Bielefelder Meinungsforschungsinstituts Emnid von 2001 haben 4,1% der befragten Männer und 3,1 % der befragten Frauen angegeben homo- bzw. bisexuell zu sein. Mit 9,4 der befragten Männer und gar 19,5 Prozent der befragten Frauen fühlten sich jedoch wesentlich mehr Menschen vom gleichen Geschlecht erotisch angezogen (http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/studie-die-gesellschaft-ist-homosexuellen-gegenueber-aufgeschlossener-158488.html).

Eine europaweite Umfrage des Berliner Meinungsforschungsinstitut Dalia Research vom Oktober 2016 kam zu dem Ergebnis, dass sich 7,4% der Befragten als LGBT identifizieren, 10,9% der Befragten beschrieben sich als nicht ausschließlich heterosexuell, 6,8% gaben an, sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle Neigungen zu haben. (http://www.jetzt.de/lgbt/dalia-studie-zu-lgbt-anteil-in-der-bevoelkerung)

Auch wenn sich die Zahlen unterscheiden. Sicher ist: Mit großer Wahrscheinlichkeit haben alle lesbisch, schwule und/oder bisexuelle Bekannte, Arbeitskolleg/innen, Nachbar/innen, Freund/innen oder Familienangehörige. Es könnte jedoch sein, dass nicht jede/r das weiß.

3. Wie leben Lesben und Schwule?

Schwule und Lesben kaufen Brötchen, fahren Rad, gehen zur Arbeit, in die Schule oder zur Uni, lesen Zeitung, haben gelegentlich Rückenschmerzen, besuchen das Schwimmbad, stöhnen über ihre Steuererklärung, stöbern nach Sonderangeboten und fliegen nach Mallorca. Nur ihre Liebe und Sexualität unterscheidet sie von den meisten anderen. Schwule bevorzugen Männer, Lesben interessieren sich mehr für Frauen. Deswegen erfahren sie noch allzu oft negative Reaktionen und erleben Diskriminierungen.

Lesben und Schwule sind jedoch auch noch mehr als bloß homosexuell. Es ist doch sehr unwahrscheinlich, dass die vielen Lesben und Schwulen in Deutschland gleich sind und leben. Sie sind keine homogene Gruppe. So macht es auch einen Unterschied, ob man z.B. lesbisch oder schwul lebt, in der Großstadt oder auf dem Land, alt ist oder jung, weiß ist oder eine andere Hautfarbe hat, die deutsche Staatsbürgerschaft hat oder hier um Asyl und Aufenthalt kämpft, ob man arm ist oder nicht, Kinder hat oder nicht, wie religiös man ist, wie und wann man aufgewachsen ist und in welchem Umfeld man lebt. All das hat Einfluss auf die Erfahrungen von Lesben und Schwulen und bestimmt ihren Alltag.

4. Was ist die Ursache von Homosexualität?

Die meisten Schwulen und Lesben sind sehr skeptisch gegenüber der Ursachenforschung. Denn die Geschichte hat gezeigt: meist ging es darum, Homosexualität zu heilen oder auszurotten.

Immer wieder hieß es, es sei eine Erklärung für die Ursache von Homosexualität ausfindig gemacht worden, z. B. biologische Besonderheiten oder Erziehungseinflüsse. Lange Zeit wurde Homosexualität als Krankheit gesehen bzw. behauptet, dass junge Menschen zur Homosexualität verführt werden können. All diese Erklärungen haben sich als falsch herausgestellt. Es ist absurd, komplexe Verhaltensmuster wie die menschliche Liebesfähigkeit oder die sexuelle Identität monokausal auf genetisch-biologische Ursachen zurückführen zu wollen. Es scheint, dass sexuelle Orientierung das Ergebnis einer komplexen Mischung aus biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren ist.

Nur über eines sind sich die meisten Wissenschaftler/innen heute einig: Die sexuelle Ausrichtung steht sehr frühzeitig fest, lange vor der Pubertät. Ob wir homo-, bi- oder heterosexuell sind, liegt außerhalb unserer Einflussmöglichkeiten und unseres Willens. Verhindern oder verändern lässt es sich nicht.

Aber warum wird eigentlich verzweifelt nach einem Grund für Homosexualität gesucht, und niemals die Frage aufgeworfen, warum jemand heterosexuell ist? Spannender und wichtiger wäre es zudem zu erforschen, warum Menschen Lesben und Schwule ablehnen oder ausgrenzen und diskriminieren. Was ist eigentlich deren Problem und warum stören sie sich an der Liebe und Sexualität anderer?

5. Sind Lesben und Schwule krank?

Lesben und Schwule werden auch krank. Sie haben Schnupfen, brechen sich das Bein oder können auch Krebs bekommen. Nur ist ihre Homosexualität keine Krankheit, auch wenn das viele Ärzt/innen und Psycholog/innen seit dem 19. Jahrhundert fest geglaubt haben. 

Sie haben Schwule und Lesben menschenverachtenden „Therapien“ unterzogen, um deren sexuelle Identität „umzupolen“. Alles ohne Erfolg. Homosexualität ist unheilbar gesund. Genauso wie jede andere Ausdrucksform gegenseitiger Zuneigung. Die Medizin hat ihren Fehler eingesehen. 1993 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO), eine Abteilung der Vereinten Nationen, Homosexualität aus der „Internationalen Liste für Krankheiten“ gestrichen.

Und wenn Homosexualität wirklich krank wäre, dann könnten sich ja Lesben und Schwule ihr ganzes Leben lang krankschreiben lassen und bräuchten nicht zu arbeiten.

6. Kann Homosexualität „geheilt“ werden?

Nein. „Heilen“ schreiben wir in Anführungszeichen, da Homosexualität keine Krankheit ist. Daher muss man sie auch nicht „heilen“ oder „umpolen“. Allerdings wurde das seit dem 19. Jahrhundert auf vielfältige Weise versucht. Ihnen wurde Sport empfohlen, Medikamente, Hormone und Drogen verabreicht, sie wurden zum Sex mit dem anderen Geschlecht oder Heirat gezwungen, sie mussten sich psychoanalytischen Therapien und Elektroschocks unterziehen - All diese qualvollen Methoden und menschenverachtenden Anstrengungen haben nichts gebracht außer Leid. Die sexuelle Orientierung konnte nicht verändert werden.

7. Sucht man sich aus, lesbisch bzw. schwul zu sein?

Lesben und Schwule erleben nach wie vor Vorurteile und negative Reaktionen bis hin zu Gewalt. Warum sollten sie sich etwas aussuchen, was ihnen den Alltag erschwert? Können sich denn Heterosexuelle entscheiden, in wen sie sich verlieben? Wenn dem so wäre, dann gäbe es nur doch nur noch glückliche Paare.

Alle paar Jahre kommt in der Wissenschaft eine neue Mode-Theorie auf, die von sich behauptet, die Ursache für Homosexualität entschlüsselt zu haben. Alles Mögliche wurde bereits für die Entstehung von Homosexualität verantwortlich gemacht. Nur über eines sind sich die meisten Wissenschaftler/innen einig: Die sexuelle Ausrichtung liegt sehr frühzeitig fest, lange vor der Pubertät. Ob wir homosexuell oder heterosexuell sind, liegt außerhalb unserer Einflussmöglichkeiten und unseres Willens.

Akzeptanz und Nichtdiskriminierung dürfen jedoch prinzipiell nicht abhängig davon gemacht werden, ob man sich etwas ausgesucht hat oder nicht. Es geht auch um Menschenrechte. Alle Menschen haben das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, Selbstbestimmung und Schutz ihrer Würde, vollkommen unabhängig von der Frage, ob die (sexuelle) Identität persönlich und frei gewählt oder genetisch vorgeformt wurde.

8. Können Kinder und Jugendliche zu Homosexualität verführt werden?

Kinder und Jugendliche können nicht zu Homosexualität „verführt“ werden, denn Homosexualität ist nicht ansteckend. Sie „werden“ es auch dann nicht, wenn sie sich mit diesem Thema beschäftigen oder lesbische bzw. schwule Familienangehörige, Freund/innen oder Mitschüler/innen haben.

Warum sollten Jugendliche plötzlich immun werden gegen die alltägliche Präsenz heterosexueller Leitbilder in der Familie, im Freundeskreis und in den Medien? Wenn Homosexualität wirklich so attraktiv wäre, warum leben dann über 90 % der Bevölkerung heterosexuell? Die Sexualwissenschaft hat die Verführungstheorie in den Bereich der Ammenmärchen verbannt. Auf so einfachem Wege formt sich keine sexuelle Identität.

9. Haben Eltern was falsch gemacht?

Die sexuelle Ausrichtung steht sehr frühzeitig fest. Es liegt außerhalb menschlicher Einflussmöglichkeiten und unseres Willens, ob wir homo-, bi- oder heterosexuell sind. Daher können auch Eltern nicht verhindern, dass ihre Kinder lesbisch oder schwul sind. Es liegt nicht an der Erziehung. Sie sollten sich nicht vorwerfen, etwas „falsch gemacht“ zu haben.

Außerdem suggeriert die Frage, dass es schlimm ist, lesbisch oder schwul zu sein. Würden sich Eltern auch fragen, ob sie was falsch gemacht haben, wenn ihr Kind glücklich ist? Denn darauf haben Eltern durchaus Einfluss. Sie können ihr Kind annehmen und bestärken und somit dazu beitragen, ob es selbstbewusst und offen lesbisch oder schwul lebt und liebt. Eltern haben auch einen Einfluss darauf, ob ihre Kinder Lesben und Schwulen im Alltag mit Respekt begegnen und gleichgeschlechtliche Lebensweisen akzeptieren.

Eltern kann es durchaus sehr schwer fallen, die Homosexualität ihres Kindes zu akzeptieren. Sie sollten sich jedoch fragen, ob ihr Kind nach einem Coming-out so ein anderer Mensch ist als vorher. Hört man sein Kind auf einmal auf zu lieben? Ist es das wert, deswegen keinen Kontakt mehr zu seinem Kind zu haben? Was ist eigentlich so schlimm daran? Sollte es nicht das Anliegen von Eltern sein, ihre Kinder zufrieden und glücklich zu sehen?

10. Wie merkt man, dass man schwul/lesbisch ist?

Meistens beginnt es damit, dass man sich in jemanden verliebt. Manchmal merkt man auch einfach so, dass man das eigene Geschlecht sexuell attraktiver findet, doch das ist manchmal gar nicht so einfach zu verstehen. Das erste Mal richtig verknallt und verliebt sein ist ein relativ eindeutiger Weg, um herauszufinden, ob man nun Jungs oder Mädchen liebt. Natürlich gibt es auch Menschen, die sich im Laufe des Lebens in Menschen unterschiedlichen Geschlechts verlieben. Wichtig ist, auf sich selbst zu hören und sich selbst zu akzeptieren.

11. Was bedeutet Coming-out?

„To come out of the closet“ ist eine englisch-amerikanische Redewendung und bedeutet wörtlich übersetzt „aus dem Schrank kommen“. Die übertragene Bedeutung ist „sich nicht mehr zu verstecken, sondern offen zu seiner sexuellen Identität zu stehen“. Ein gelungenes Coming-Out heißt, die eigene Homosexualität zu akzeptieren. 

Ein Coming-Out wird oft in zwei Phasen unterteilt: Zum einen das innere Coming-Out, d.h. sich selbst darüber bewusst zu werden und zu akzeptieren, zum anderen das äußere Coming-Out, d.h. sich seinen Mitmenschen mitzuteilen.

Letztlich outen sich Lesben und Schwule aber ihr ganzes Leben lang. Es bleibt eine bewusste Entscheidung, sich in der Begegnung mit neuen Menschen zu outen oder sich etwa als gleichgeschlechtliches Paar in der Öffentlichkeit zu zeigen. Nicht immer und überall wollen und können sich Lesben und Schwule outen. Manche wollen neugierige Nachfragen vermeiden, schweigen aus Furcht vor negativen Reaktionen und Diskriminierung oder aus Scham.

Heterosexuelle Menschen outen sich übrigens auch, immer und überall. Vielen ist das nur nicht bewusst. Sie haben ein Foto der Freundin bzw. des Freunds auf dem Schreibtisch oder im Portemonnaie, sie erzählen mit wem sie zusammenwohnen, mit wem sie im Kino oder im Urlaub waren. Ganz selbstverständlich gehen heterosexuelle Paare Hand in Hand durch die Fußgängerzone, küssen sich im Zug, kuscheln im Park. Das ist vollkommen okay und genauso alltäglich, selbstverständlich und normal sollten Lesben und Schwule ihre Beziehungen und ihre Liebe zeigen können.

12. Homosexualität ist unnatürlich!

Das Argument, Homosexualität sei widernatürlich, wird durch die Natur selbst entkräftet: Bis heute wurden bei etwa 1.500 Tierarten gleichgeschlechtliche Pärchen entdeckt.

Allerdings sollte man sich fragen, ob man wirklich nur akzeptiert, was „natürlich“ ist. Was ist mit Autos, Handys oder Kleidung? Die wachsen schließlich nicht auf der Wiese. Außerdem, was ist mit Diskriminierungen aufgrund der Hautfarbe oder einer angeborenen Behinderung.

Selbst wenn man daran glauben will, dass es eine genetisch-materielle Basis des (Sexual)Verhaltens gibt, ja das sogar nachweisen kann, bleibt der Umgang damit immer ein Gegenstand sozialer und ethischer Erwägungen. Aus dem genetischen Sein folgt kein Sollen. Die Bezugspunkte der Begründung für Akzeptanz sollte menschenrechtlicher Art sein, beispielsweise das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und die Freiheit zur Wahl der Lebens- und Liebespartner/innen. Alle Menschen haben das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, Selbstbestimmung und Schutz ihrer Würde, vollkommen unabhängig von der Frage, ob die (sexuelle) Identität persönlich und frei gewählt oder genetisch vorgeformt wurde.

13. Homosexualität ist sinnlos, weil Lesben und Schwule keine Kinder bekommen können.

Sind kinderlose heterosexuelle Paare auch sinnlos? Haben Heterosexuelle nur Sex, weil sie Kinder wollen? Warum gibt es dann Verhütung? Ist Fortpflanzung wirklich der alleinige Zweck von Sexualität? Deutschland hatte 2015 laut Statischem Bundesamt eine Geburtenrate von 1,50 Kindern je Frau. . Würde Sexualität allein der Fortpflanzung dienen, dann müsste es in Deutschlands Schlafzimmern recht traurig zugehen.

Sexualität ist selbstverständlich viel mehr als Fortpflanzung. Sexualität schafft Verbindung, stiftet Nähe und Vertrautheit. Und nicht zu vergessen: Vielen Leuten macht Sex großen Spaß. Und das ist auch gut so.

Übrigens: Es gibt auch lesbische und schwule Eltern, und Kinder wachsen in sogenannten Regenbogenfamilien auf. Sie stammen aus früheren heterosexuellen Beziehungen, doch zunehmend realisieren Lesben und Schwule ihren Kinderwunsch durch Adoption, Übernahme einer Pflegschaft oder Samenspende.

14. Wer übernimmt in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung den männlichen und wer den weiblichen Part?

Die Überzeugung, dass in lesbischen und schwulen Beziehungen eine „weibliche“ und eine „männliche“ Rolle vergeben werden muss, ist ein Klischee, das auf heteronormativen Annahmen beruht. Das bedeutet, dass Menschen traditionelle Rollenmuster aus Heterobeziehungen übergestülpt bekommen, statt zu akzeptieren, dass es auch Beziehungen zwischen zwei Frauen und zwischen zwei Männern gibt.

Bei schwulen und lesbischen Paaren kommt eine Aufgabenverteilung entlang der traditionellen Geschlechtsrollen kaum vor. Das gilt für den Alltag, Haushalt und Beruf. Vielfach stimmt inzwischen das Klischee von der traditionellen Aufgabenteilung zwischen Männern und Frauen nicht einmal mehr für heterosexuelle Paare, oder?

15. Wie haben Lesben / Schwule Sex?

Es gibt beim schwulen oder lesbischen Sex praktisch nichts, was nicht auch unter Heterosexuellen stattfinden würde. Vaginaler Verkehr, Oralverkehr, Analverkehr, im Bett, in der Küche, auf der grünen Wiese, mit dem Mund, mit der Zunge, mit den Fingern …

Wie auch immer. Wichtig ist: aufeinander zu achten, über Liebe, Sex und auch Ängste zu sprechen. Unabdingbar ist, dass die Beteiligten einwilligen. Niemand sollte überredet oder gar gezwungen werden, etwas zu tun, was er oder sie nicht will. Dann endet sexuelle Selbstbestimmung und wird zu Gewalt.

16. Lesben haben noch nicht den richtigen Mann und Schwule haben noch nicht die richtige Frau gefunden?

Nein. Insbesondere bei Jugendlichen hoffen Eltern häufig, Homosexualität sei „nur eine Phase“, die vorüber geht. Tatsächlich ist homosexuelles Verhalten bei Jugendlichen häufiger als in anderen Altersgruppen. Manche Jugendliche experimentieren, indem sie unterschiedliche Beziehungsarten ausprobieren. Es ist auch gut möglich, sich im Laufe seines Lebens in Menschen unterschiedlichen Geschlechts verlieben. Fakt ist aber auch, bei Jugendlichen und Erwachsenen, die lesbisch oder schwul sind, kann Homosexualität nicht durch eine gegengeschlechtliche Person verändert werden. Wichtig ist, auf sich selbst zu hören und sich selbst zu akzeptieren.

17. Homosexualität ist gegen die Religion?

In den traditionellen Auslegungen der abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) wird Homosexualität meist als Sünde gesehen. Dennoch gibt es in allen Religionen auch viele Menschen, die zwischen ihrem Glauben und der Akzeptanz von Lesben und Schwulen keinen Widerspruch sehen. Viele evangelische Kirchen haben sich vom alten Sündendenken verabschiedet und erkennen heute gleichgeschlechtliche Paare an. Ähnliches gilt für das liberale Judentum  und liberale Strömungen im Islam.

18. Homosexualität gab es früher nicht!

Gleichgeschlechtliche Liebe und Begehren gab es immer und überall! Homo- oder Heterosexualität sind keine bloßen sexuellen Gewohnheiten oder Vorlieben, sondern tief in der Persönlichkeit verwurzelte Gefühle und Empfindungen.

Manche Menschen halten Homosexualität für eine Erscheinung der westlichen Kultur. Dabei ist Homosexualität auf dem ganzen Globus verbreitet. In allen Kulturen und Epochen der Weltgeschichte finden sich Menschen, deren Gefühle und sexuelle Wünsche sich auf das eigene Geschlecht richten.

Was sich unterscheidet, ist die Möglichkeit, wie offen und ungefährlich man lesbisch oder schwul leben kann und darf. So standen in Deutschland sexuelle Handlungen lange Zeit unter Strafe. In über 70 Ländern weltweit ist Homosexualität bis heute verboten, wird mit Gefängnis oder sogar der Todesstrafe geahndet.

19. Gibt es immer mehr Lesben und Schwule?

Mancher hat den Eindruck, der Anteil der Lesben und Schwulen in unserer Gesellschaft würde ständig zunehmen. Das stimmt nicht. Aber in einer demokratischen Gesellschaft, wo jeder das Grundrecht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit hat und Homosexualität mittlerweile weniger verpönt ist als früher, wird ein offenes Auftreten für Lesben und Schwule immer mehr möglich: In Fernsehserien, bei der Arbeit oder beim Einkaufen.

Was sich geändert hat, ist nicht die Zahl, sondern der gesellschaftliche Status und damit die Sichtbarkeit. Es gibt also immer mehr Lesben und Schwule, die offen und selbstbewusst leben.

20. Hassen Lesben Männer!?

Hassen heterosexuelle Frauen andere Frauen? Hasst man jemanden, weil man sich nicht in ihn/sie verliebt oder eine Beziehung führen möchte? Homosexualität meint die Liebe zum gleichen Geschlecht. Vom Hass ist dabei nicht die Rede. Allerdings haben viele Lesben schon unangenehme Anmache von Männern erlebt, Annäherungsversuche, Belästigungen oder Bedrohungen. Oftmals unter dem Vorwand, Lesben hätten bloß noch keinen „richtigen“ Mann abgekriegt oder getroffen. Das ist Unsinn. Lesben verlieben sich in Frauen.

21. Schwule sind eine Gefahr für Kinder!?

Kinder müssen vor sexuellen Übergriffen Erwachsener geschützt werden. Ohne Wenn und Aber. Die Opfer von Kindesmissbrauch sind überwiegend Mädchen, die Täter Männer. Niemand käme auf die Idee, deshalb alle Heterosexuellen unter Generalverdacht zu stellen.

Homo- und Heterosexualität sind etwas anderes als Pädophilie. Erstere beruhen auf Selbstbestimmung und Konsens, letztere ist eine Form der sexuellen Gewalt und des Missbrauchs. Schwule sind an Kindern sexuell ebenso wenig interessiert wie heterosexuelle Männer. Pädophilen Tätern geht es um die Kindlichkeit des Opfers, das Geschlecht ist dabei oft zweitrangig.

Lange Zeit hat der Gesetzgeber dennoch das Vorurteil vom Schwulen als Jugendverführer gepflegt. Bis 1994 gab es den § 175 im Strafgesetzbuch, der für homosexuelle Handlungen eine wesentlich strengere „Schutzaltersgrenze“ festlegte als für heterosexuelle Begegnungen. Nach endlosen Anhörungen von Wissenschaftler/innen ist der Deutsche Bundestag schließlich nahezu einmütig zu der Überzeugung gelangt, dass von Homosexualität an sich keine Gefahr für die Jugend ausgeht.