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Erfolgreiche Konferenz für Regenbogenfamilien in Köln

Schule, Gesellschaft und Recht müssen sich der Vielfalt der Familien öffnen

Vom 1. – 4. Mai 2014 fand in Köln die dritte europäische Konferenz für Regenbogenfamilien statt. Eingeladen hatten der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD), die Friedrich-Ebert-Stiftung und das Network of European LGBT Families Associations (NELFA). 300 Teilnehmende aus 17 Europäische Ländern und Kanada besuchten die vom LSVD organisatorisch betreute und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützte Veranstaltung.

Familienministerin Manuela Schwesig, die Schirmfrau der Konferenz, betonte in ihrer Videobotschaft das Ziel eines toleranten und weltoffenen Europas ohne Diskriminierung: „Wo Kinder geliebt werden, wachsen sie auch gut auf. Die sexuelle Orientierung der Eltern ist dabei nicht entscheidend“.

Fokus: Regenbogenfamilien in der Schule
Schwerpunkt der Konferenz war die Situation in den Schulen „Different Families, Same Schools – Bringing the Rainbow into the Schools of Europe“.

Axel Hochrein vom LSVD-Bundesvorstand betonte die Bedeutung der Konferenz in zeitlicher Nähe zur wichtigen Wahl zum Europäischen Parlament. In vielen Ländern seien weder Lehrpläne noch Unterrichtsmaterialien in der Lage, die bestehende gesellschaftliche Vielfalt von Familien und Menschen unterschiedlicher sexueller Identitäten widerzuspiegeln. Es fehle an Schulen, in denen sich Kinder aus Regenbogenfamilien als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft wiederfinden.

Die bewusste Auswahl der Schule und Gespräche mit allen Beteiligten sind entscheidend dafür, dass Eltern die Schule als guten und sicheren Ort für Kinder aus Regenbogenfamilien erleben können, wie Peter Dankmeijer, Direktor der Global Alliance for LGBT Education (GALE) berichtete. 

Probleme und Problemlösungen
Das Schweigen über gleichgeschlechtliche Lebensweisen kennzeichnet den Alltag von Kindern aus Regenbogenfamilien an Schulen. Früh lernen die Kinder mit Homo-und Transphobie umzugehen. Marta Distaso (Synergia) und Mona Greenbaum (Coalition des familles homoparentales) diskutierten Problemlösungen und stellten Good Practice-Beispiele aus europäischen Nachbarländern und Kanada vor.


Mit Spannung wurde das Panel mit Jugendlichen aus Regenbogenfamilien erwartet: Lena, Friderike, François, Malte und Theresa erzählten, wie unaufregend und beinah „schrecklich normal“ es ist, mit zwei Müttern oder Vätern aufzuwachsen. Alle berichten jedoch auch von dem Druck, sich ständig mit homophoben Vorurteilen auseinandersetzen zu müssen. Die selbstbewusste Art und Weise, wie die fünf Jugendlichen dem Interesse ihrer Altersgenossen begegnen führt nach ihren Berichten oft dazu, dass nach ein paar Minuten das Thema „zwei Mütter – zwei Väter“ nicht mehr wichtig ist.

Dr. Ana Sobocan (Universität Ljubljana) stellte eine qualitative Studie über die Erfahrungen von Kindern aus Regenbogenfamilien in ihrem schulischen Umfeld in Schweden, Deutschland und Slowenien vor. Danach gehören Diskriminierungen, Beleidigungen und Schweigen über die Familienform zum Alltag. Wichtig für den Umgang seien die Unterstützung der Eltern und die gleichaltriger Freundinnen und Freunde.

Rechte von Kindern in Europa
Robert Biedron, Mitglied des polnischen Parlaments und Generalberichterstatter für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates analysierte die unterschiedliche rechtliche Situation von Regenbogenfamilien in den 47 Mitgliedsstaaten.

Neben Vorträgen zu Schule und Regenbogenfamilien bot die Konferenz Foren und Workshops zur Stärkung der Kinder und zu verschiedenen Lebensbereichen von Regenbogenfamilien. Dazu gehört auch das Spannungsfeld von Homosexualität und Kirchen. Dr. Michael Brinkschröder (European Forum of LGBT Christian Groups) sieht Formen der Öffnung in der Katholischen Kirche: Immerhin spreche sich die Mehrheit der Mitglieder für eine Gleichbehandlung von Kindern aus Regenbogenfamilien aus. Auch die Evangelische Kirche habe mit ihrer Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ eine offene Diskussion angestoßen. Die Kirche ist im Wandel.

International Family Equality Day
Am 3. Mai 2014 feierten die Teilnehmenden gemeinsam den Internationalen Tag für Regenbogenfamilien (International Family Equality Day) im Kölner Abenteuermuseum Odysseum.

Ingesamt erarbeitete die Konferenz neue Fragen und viele gute Instrumente für die weiteren Schritte zu Respekt und Gleichstellung: “Eure Kinder sind Teil der Gesellschaft von morgen und Botschafter für eine weltoffene Gesellschaft”, betonte Axel Hochrein in seinem Resümee der viertägigen Konferenz. Anschließend übergaben Dr. Lisa Green (NELFA) und Dr. Elke Jansen (LSVD) den Stab für die nächste Europäische Konferenz für Regenbogenfamilien, die 2015 in Rimini (Italien) stattfinden und von Famiglie arcobaleno ausgerichtet werden wird.

Alle Berichte und Fotos von der Veranstaltung im LSVD-Blog.

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