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Für eine offene Gesellschaft

LSVD formuliert Erwartungen an die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz

(22.09.2015) Bei ihrer Herbst-Vollversammlung vom 21. bis 24.09.2015 in Fulda werden sich die römisch-katholischen Bischöfe unter anderem mit der Herausforderung durch die steigende Zahl von Flüchtlingen befassen und sich auf die Weltbischofssynode zur Situation von Familien vorbereiten. Dazu erklärt Henny Engels, Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD):

Die katholische Kirche ist gefordert, ihren Beitrag für eine offene Gesellschaft in Deutschland zu leisten. Unter den Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, sind auch viele Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität in ihrem Heimatland diskriminiert und verfolgt wurden. In vielen Ländern drohen ihnen Gefängnis, in einigen sogar die Todesstrafe. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) fordert die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz auf, sich in ihrer Stellungnahme zur Flüchtlingspolitik auch ausdrücklich dafür einzusetzen, dass Menschen, die wegen Verfolgung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität zu uns flüchten, hier Schutz und Aufnahmen finden und ihnen von den Behörden die notwendige Sensibilität entgegengebracht wird. Darüber hinaus appelliert der LSVD an die Bischöfe, sich klar gegen das Konstrukt der so genannten „sicheren Herkunftsländer“ auszusprechen. Viele der Staaten, die als „sicher“ deklariert wurden bzw. werden sollen, sind nämlich keineswegs für alle Bevölkerungsgruppen sicher. Insbesondere Roma, aber auch Lesben, Schwule oder Transgender sind dort Diskriminierung, Hass und Gewalt ausgesetzt. Es muss sichergestellt werden, dass für diese Menschen das individuelle Recht auf Asyl gewährleistet wird.

Zum Thema Familie erwartet der LSVD, dass sich die deutschen Bischöfe für eine Erweiterung des Familienbildes aussprechen, auch mit Blick auf gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften. Die gesellschaftspolitische Debatte über die Öffnung der Ehe für alle hat dazu geführt, dass Bischöfe und Laien sich für eine veränderte Haltung ausgesprochen haben, so das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in seiner Erklärung „Zwischen Lehre und Lebenswelt Brücken bauen“ vom 09.05.2015. Hier forderte das ZdK u.a. eine Weiterentwicklung von liturgischen Formen, insbesondere auch Segnungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.

Die Bischofskonferenz muss endlich erkennen, dass auch die große Mehrheit der Katholiken in Deutschland für eine offene Gesellschaft steht und die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare als wichtige Gerechtigkeitsfrage ansieht.

Weitere Informationen

Positionen der römisch-katholischen Kirche zu Homosexualität und Eingetragener Lebenspartnerschaft

Katholische Kirche und Homosexualität

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