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2. AfD-Politiker*innen äußern sich regelmäßig homophob

Die AfD fällt regelmäßig damit auf, sich über LSBTI verächtlich, abfällig oder gar volksverhetzend zu äußern. Führende AfD-Politiker*innen geben dazu die Tonart vor, viele andere folgen.

Galionsfigur homophober AfD-Politik ist sicherlich Vizepartei-Chefin Beatrix von Storch. Sie ist fest im evangelikalen-bibeltreuen Flügel der AfD verankert. Für diesen ist Homosexualität „Sünde“ und „nicht gottgewollt“. Von Storch hat den baden-württembergischen Bildungsplan als „Gift“ und „Gewalt“ bezeichnet (1), weil dieser auch eine Akzeptanzförderung von LSBTI vorsah. Sie rühmt sich auch damit, die „Demo für Alle“ organisiert zu haben. (2) Diese protestiert regelmäßig gegen die Erweiterung von Bildungsplänen und Sexualkunderichtlinien um die Vermittlung der Gleichwertigkeit von LSBTI. Von Storch ist somit verantwortlich für die wenigen großen Demonstrationen in Deutschland, die sich ausdrücklich gegen LSBTI richten. Die Gästeliste liest sich dabei wie das Who is Who der homophoben Hardliner, die Ansichten der Demoteilnehmenden sind nicht weniger erschreckend. Hedwig von Bevernfoerde ist das homophobe Gesicht der „Demo für Alle“ und kann sich bei jeder Aktion des Rückhalts der AfD sicher sein. Denn mit den von Storchs ist sie eng verbandelt. Von Storch möchte nun auch als Abgeordnete in den Bundestag einziehen. Vor kurzem hat sie sich über einen Workshop beim Evangelischen Kirchentag zum lesbischen Coming-out echauffiert. „Wir dürfen uns bitte nicht wundern, wenn diese Muslime, die zu uns kommen, die klar an ihrem Glauben hängen, die stolz auf ihre Kultur sind – das sei ihnen unbenommen – unsere verachten, weil wir sie offensichtlich selber verachten, wenn wir eine evangelische Kirche haben, die solche Seminare auf ihrem Kirchentag anbietet. Dann müssen wir uns nicht wundern, wenn wir irgendwann nicht mehr sind. (…) Das wollen wir und das werden wir nicht hinnehmen." (3)  Eine offene evangelische Kirche ist für von Storch also verachtenswert.

Der völkisch-nationale Flügel um Björn Höcke ist nicht weniger drastisch. Höcke verspricht bzw. droht: „Wir werden diesem Zeitgeist, diesem unsäglichen, diesem unglücklichen, diesem perversen Zeitgeist, anders kann man es nicht sagen, niemals nachgeben. (…) Wir werden ihm die Stirn bieten, wir stehen gerade und aufrecht für die Natürlichkeit der Familie, für die Natürlichkeit der Sexualität, für das, was die Gesellschaft prägt: die natürliche Verbindung aus Mann und Frau. Was denn sonst?“ (4)

AfD-Landtagsabgeordnete aus Sachsen-Anhalt fänden es gut, wenn Homosexuelle wie in den Maghreb-Staaten ins Gefängnis kommen oder gesellschaftlich unsichtbar bleiben müssen. (5) Schließlich sei Homosexualität wahlweise ein „Fehler der Natur“, „Abweichung“ oder „Irrtum“, der „lebensgefährlich für die Menschheitsfamilie“ sei. (6) Der Landesvorsitzende der AfD in Sachsen-Anhalt und Mitglied des Bundesvorstandes André Poggenburg wurde von Olivia Jones wegen Volksverhetzung angezeigt. (7) Auch dem Berliner AfD-Politiker Kay Nerstheimer droht inzwischen eine Anklage wegen Volksverhetzung. Er hatte Homosexuelle als „degeneriert“ bezeichnet. (8)

Parteichefin Frauke Petry mischt auch mit. Auch wenn sie selbst keine Zeit zum Fernsehen hätte, ärgert sie sich zum Beispiel, dass zu viele Schwule im Fernsehen zu sehen seien. Sie fühle sich unter Druck gesetzt, dass sie das angeblich auch noch gut finden müsse. (9) 

Diese Äußerungen blieben innerhalb der Partei ohne Konsequenzen. Alice Weidel hat sich nie gegen solche Bemerkungen positioniert. Dabei sollte sie mächtig genug sein, der Politik ihrer Partei und die regelmäßigen LSBTI-feindlichen Äußerungen ihrer Parteikolleg*innen zu widersprechen. Das unterscheidet sie zum Beispiel auch von offen schwulen CDU-Politikern wie Jens Spahn und Stefan Kaufmann, die deutlich machen, dass sie Positionen ihrer Partei nicht teilen, sondern verändern wollen. Homophobe Ausfälle von CDU-Abgeordneten werden auch von ihnen kritisiert. Doch Weidel und Co schweigen.

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(1) Norbert Blech (2014): Beatrix von Storch zum Bildungsplan: Widerstand ist Pflicht. www.queer.de/detail.php
(2) Norbert Blech (2015): Beatrix von Storch: Ich organisiere die "Demos für Alle" www.queer.de/detail.php
(3) Dennis Klein (2017): AfD macht Wahlkampf gegen Homo- und Transsexuelle www.queer.de/detail.php
(4) queer.de (2016): LGBTI-Akzeptanz: Höcke kündigt Kampf gegen "perversen Zeitgeist" an www.queer.de/detail.php
(5) Welt online (2016): Homosexuelle ins Gefängnis? AfD will Protokoll-Korrektur www.welt.de/politik/deutschland/article156079820/Homosexuelle-ins-Gefaengnis-AfD-will-Protokoll-Korrektur. html
(6) Norbert Blech (2017): Schamlose Parlamentsrede. AfD: Wir sind die neuen 175er. www.queer.de/detail.php
(7) Interview mit Olivia Jones (2016): "Ich lasse mich nicht in eine Schublade mit Pädophilen stecken". www.sueddeutsche.de/politik/anzeige-gegen-afd-politiker-olivia-jones-ich-lasse-mich-nicht-in-eine-schublade-mit-paedophilen-stecken-1.3164505
(8) Felix Hackenbruch (2017): Berliner AfD-Politiker Nerstheimer droht Anklage wegen Hetze. www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/nach-aeusserungen-ueber-homosexualitaet-berliner-afd-politiker-nerstheimer-droht-anklage-wegen-hetze/19929030.html bzw. Ulrich Kraetzer (2016): AfD diskutiert über homophobe Kommentare www.morgenpost.de/berlin/article208271895/AfD-diskutiert-ueber-homophobe-Kommentare.html
(9) Frauke Petry bei Jung und Naiv (2016) www.facebook.com/jungundnaiv/videos/1298234506855161/