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9. Feindbild Gender

Viele Menschen haben eine feste Vorstellung davon, wie Frauen zu sein haben, wie Männer zu sein haben, was sie dürfen, können, sollen und wollen. Diese Vorstellungen haben sich nicht nur geschichtlich verändert, sondern waren und sind immer auch umkämpft. Vorstellungen von „richtigen“ Männern und „richtigen“ Frauen sind zudem mit Homo- und Transphobie aufs Engste verknüpft. Gender Studies (Geschlechterforschung) beschäftigen sich damit, welche Vorstellungen es von Geschlechterrollen gibt und welche Konsequenzen und Auswirkungen sie für unsere Gesellschaft haben. Das ist der AfD ein Graus. Für die AfD ist dieses Fach Ideologie und die Forschung „Steuer-Verschwendung“.

Die AfD diffamiert Gender Studies als Ideologie und will ihre Abschaffung. Sie schreibt in ihrem Wahlprogramm: „Bund und Länder dürfen keine Mittel für die Gender-Forschung mehr bereitstellen und keine Gender-Professuren mehr besetzen. Bestehende Förderlinien sollen beendet werden, die der „Gender-Ideologie“ verpflichteten „Gleichstellungsbeauftragten“ an den Universitäten sind abzuschaffen.“ (1) Indem die AfD Geschlechterforschung als „Steuerverschwendung“ bezeichnet, macht sie auch den Weg frei für eine Kriminalisierung. Denn Steuerverschwendung soll laut Wahlprogramm zu einem Straftatbestand werden. (2)

Auch wenn sie ein paar Seiten später vorgibt, die Autonomie der Hochschulen stärken zu wollen und die Freiheit von Forschung und Lehre zu bewahren, setzt sie in Bezug auf Gender Studies folglich auf gravierende Einschnitte in die Wissenschaftsfreiheit.

Was haben LSBTI mit Gender Studies zu tun? Die AfD vertritt ein binäres Geschlechtermodell und das Leitbild der traditionellen Familie. Diese Zuschreibungen sind die Grundlage für Sexismus und LSBTI-Feindlichkeit. Dieses Bild impliziert nämlich, dass Männer und Frauen fundamental verschieden sind und sich nur in der heterosexuellen Ehe vervollständigen können. Auch dank den Gender Forschungen wissen wir mittlerweile, dass das aus wissenschaftlicher Sicht Unsinn ist. In dem Forschungsgebiet ist auch aus LSBTI-Sicht noch viel zu erforschen. Ein Angriff auf Gender Studies ist durchaus auch ein Angriff auf all diejenigen, die sich nicht an die vorgegebenen Geschlechternormen und Erwartungen halten (wollen oder können), d.h. auch auf LSBTI.

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(1) Programm für Deutschland. Wahlprogramm der Alternative für Deutschland für die Wahl zum Deutschen Bundestag am 24. September 2017. S. 41. www.lsvd.de/fileadmin/pics/Dokumente/Politik/AfD/AfD-Bundestagswahlprogramm.pdf
(2) Programm für Deutschland. Wahlprogramm der Alternative für Deutschland für die Wahl zum Deutschen Bundestag am 24. September 2017. S. 11. www.lsvd.de/fileadmin/pics/Dokumente/Politik/AfD/AfD-Bundestagswahlprogramm.pdf