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Dokumentation

Pressemeldung von LSVD

10. Dezember 2006

Der Vatikan hat jeden Kontakt zum wirklichen Leben verloren

Seine ständig wiederholte Behauptung, dass die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften Ehe und Familie zerstöre, hat nichts mit der realen Wirklichkeit zu tun.


Zu den heftigen Angriffen des Vatikans auf die Pläne der italienischen Regierung, Lebensgemeinschaften von gleich- und verschiedengeschlechtlichen Paaren, die mindestens fünf Jahre bestanden haben, künftig bei finanziellen Fragen wie Rente und Erbschaft ähnlich zu behandeln wie Eheleute, erklärt Manfred Bruns, Sprecher des Lesben und Schwulenverbandes (LSVD):

Die Behauptung des Vatikans, dass die italienische Regierung mit ihren Plänen die Familie ausrotten wolle, wird durch ihre ständige Wiederholung nicht richtiger. Es ist schlechterdings nicht vorstellbar, dass sich Menschen nur deshalb vom Heiraten abhalten lassen oder aus ihrer Ehe ausbrechen,  weil der Staat  verbindliche Partnerschaften von gleich- und verschiedengeschlechtlichen Paaren in einigen Lebensbereichen rechtlich anerkennt.

Die bürgerliche Ehe, so wie wir sie heute kennen, ist noch keine zweihundert Jahre alt. Sie hat sich ständig geändert und wird sich auch weiter ändern. Dass die Ehe inzwischen ihren Charakter als lebenslange Verbindung weitgehend verloren hat und dass sich daneben nichteheliche Lebensgemeinschaften als anerkannte Formen des sozialen Zusammenleben etabliert haben, ist nicht darauf zurückzuführen, dass Homosexuelle nicht mehr bestraft und gesellschaftlich geächtet werden, sondern auf den Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Religionen, die wie die katholische Kirche Gruppen von Menschen als Sünder abstempeln, pflegen diesen Sündern auch die selbstverständlichsten Menschenrechte abzusprechen wie z.B. das Menschenrecht, mit dem Partner der Wahl eine Lebensgemeinschaft einzugehen. Es ist deshalb nicht  verwunderlich, dass der Vatikan es nach wie vor ablehnt, die Menschenrechtskonvention zu ratifizieren.