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Dokumentation

Pressemeldung von Ansgar F. Dittmar

02. Februar 2010

Japanischer Flugbegleiter darf wieder fliegen

Sieg beim Hessischen Landesarbeitsgericht


Mit Hilfe von Fachanwalt für Arbeitsrecht Ansgar Dittmar ist es dem japanischen Flugbegleiter gelungen, der 2008 in Japan festgenommen wurde, als er sich mit seinem damaligen Lebensgefährten traf und daraufhin von seinem Arbeitgeber entlassen wurde, wieder seinen Dienst antreten zu können. Das Hessische Landesarbeitsgericht entschied am 01.02.2010, dass die außerordentliche Kündigung des Arbeitgebers, einem deutschen Luftfahrtkonzern, das Arbeitsverhältnis nicht wirksam aufgelöst hat.
 
Hintergrund der Kündigung war, dass aufgrund einer Denunziation der Flugbegleiter durch die japanischen Strafverfolgungsbehörden festgenommen wurde, als er seinen Freund im Hotel antraf. Er hat zwar die japanische Staatsbürgerschaft, aber sein Erwachsenenleben in Deutschland verbracht. So war ihm nicht bewusst, dass in Japan die Präfekturen (vergleichbar mit den Landkreisen in Deutschland) eigene Strafvorschriften erlassen dürfen. In der Präfektur Chiba, in der sich das Crewhotel befand, galt eine Regelung, in der Liebesbeziehungen zu Jugendlichen unter 18. Jahren unter Strafe steht. Der Lebensgefährte des Flugbegleiters, der ebenfalls nicht aus der Region stammte, stand kurz vor seinem 18. Geburtstag. Nach 19 Tagen in Strafhaft – ohne anwaltliche Vertretung – akzeptierte der Flugbegleiter einen Strafbefehl. Unterdessen wurde über die Verhaftung in den japanischen Medien berichtet.
 
Der Arbeitgeber nahm dies zum Anlass, außerordentlich zu kündigen. Gegen diese Kündigung wehrte sich der Mitarbeiter und bekam vor dem Landesarbeitsgericht Recht. Das Landesarbeitsgericht erörterte in der mündlichen Verhandlung die Frage, ob der Strafbefehl überhaupt nach deutschen Rechtsgesichtspunkten rechtmäßig erlassen wurde. Ferner konnte das Gericht keinen direkten Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis feststellen. Es handelte sich hier um eine rein private Angelegenheit, die keine Auswirkung auf das Arbeitsverhältnis hatte. Das Gericht sah aber vor allem, dass es an einer notwendigen vorherigen Abmahnung gefehlt hat. Die Luftfahrtgesellschaft muss nun den Mitarbeiter zu den bisherigen Bedingungen weiterbeschäftigen. Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen.
 
Hessisches Landesarbeitsgericht, AZ  17 Sa 1340/09

Rechtsanwalt Ansgar F. Dittmar
Tel.: 06151 15369-0
eMail: ansgar.dittmar@notos.de