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Dokumentation

Pressemeldung von LSVD

06. Dezember 2006

Kolpingwerk von öffentlichem Protest überrascht


Wie berichtet hat das katholische Kolpingwerk einem 53-jährigen und seit 25 Jahren (davon 11 Jahre in Limburg) beschäftigten  Mitarbeiter fristlos gekündigt, weil dieser ein Chatprofil in einem Internetportal für Schwule hatte. Aufgrund von Presseberichten und Informationen durch den LSVD hagelte es in der vergangenen Woche Proteste gegenüber Herrn Wolfgang Aumüller, dem Vorsitzenden des Kolpingwerks in Frankfurt.

In einer Stellungnahme wehrt sich das Kolpingwerk nun gegen den Vorwurf, der Mitarbeiter wäre auf Grund der Homosexualität entlassen worden: „Den zuständigen Vorstandsmitgliedern des Kolpingwerkes Diözesanverband Limburg war die Neigung des Mitarbeiters zumindest seit einem Jahr bekannt und wurde auch akzeptiert. Zu keinem Zeitpunkt wurde dieser Umstand zum Anlass genommen, arbeitsrechtliche Schritte gegen den Mitarbeiter in die Wege zu leiten. Grund für die nun vorliegende Kündigung des Mitarbeiters war vielmehr ein Verhalten, das auch bei jedem(r) heterosexuellen Mitarbeiter/Mitarbeiterin des Betriebes zu einer fristlosen Kündigung geführt hätte“.

Dazu erklärt Rechtsanwalt Ansgar Dittmar, der Prozessvertreter des gekündigten Mitarbeiters:

„Wir gehen davon aus, dass das Kolpingwerk sich verrannt hat und nunmehr versucht, sich durch unbegründete Vorwürfe reinzuwaschen. Im Gerichtstermin am Freitag, den 24.11.2006 wurde durch den Vorsitzenden des Kolpingwerks klar dargelegt, dass unser Mandant aufgrund des Chatprofils seine Homosexualität, die seit Frühjahr des Jahres bekannt wurde (und schon damals bei dem Geschäftsführer zu Aufruhr sorgte), öffentlich gemacht habe. Ein Ausdruck des Profils wurde auch zu den Gerichtsakten gereicht. Das Kolpingwerk ist der Meinung, dass der Mitarbeiter deswegen durch die Jugendlichen, die er betreut, erpressbar werde. Sie würden nicht mehr auf ihn hören. Darüber hinaus könnte es, da "seine Neigung" jetzt bekannt sei, Vorwürfe der sexuellen Belästigung geben. Dies würde den Ruf des Kolpinghauses schädigen. Die Nachfrage, ob es konkrete Vorwürfe gäbe, wurde mit "Gott sei dank bislang nicht" beantwortet. Darüber hinaus wurde erklärt, dass andere Mitarbeiter unter diesen Umständen nicht mehr mit meinem Mandanten zusammenarbeiten wollten. Es handelt sich also um eine Art Präventiv- respektive Druckkündigung, die durch nichts zu begründen ist. Wenn das Kolpingwerk jetzt von Verfehlungen spricht, so kann dies nur auf den Bereich des angeblichen "Öffentlichmachens" seiner Homosexualität abgestellt werden. Aber das ist außerdienstliches Verhalten, das nicht kündigungsrelevant ist. Andere Vorwürfe sind nicht bekannt oder vorgetragen worden.“

Ganz offensichtlich fehlt es den Verantwortlichen an Unrechtsbewusstsein. Sie sind von dem Sturm des öffentlichen Protestes überrascht worden. Für den Betroffenen ist zu hoffen, dass das Kolpingwerk einlenkt und die Kündigung zurücknimmt.