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Dokumentation

Pressemeldung von LSVD NRW

26. August 2005

"Mit Vielfalt umgehen: Sexuelle Orientierung und Diversity in Erziehung und Beratung"

Handbuch wieder zugänglich - aber nur mit Disclaimer!


Für den LSVD Lesben- und Schwulenverband Landesverband Nordrhein-Westfalen erklärt Landessprecher Arnulf Sensenbrenner:

Endlich ist das von der NRW-Landesregierung gesperrte Handbuch "Mit Vielfalt umgehen: Sexuelle Orientierung und Diversity in Erziehung und Beratung" wieder zugänglich - aber nur mit Disclaimer!

Wir sind froh, dass dieses wichtige Handbuch und die Homepage http://www.diversity-in-europe.org/ endlich wieder für alle Europäerinnen und Europäer zugänglich sind. Leider ist dies mit folgender Einschränkung verbunden: Die deutsche Version, welche natürlich auch für die österreichischen Partner gilt, hat folgenden Disclaimer erhalten, ohne dessen Lesen die Seite und das Handbuch nicht aufrufbar sind:

"Hinweis des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Das Handbuch "Mit Vielfalt umgehen: Sexuelle Orientierung und Diversity in Erziehung und Beratung" ist als Bestandteil einer breit angelegten Antidiskriminierungsstrategie mit maßgeblicher Unterstützung der Europäischen Union vom ehemaligen nordrhein-westfälischen Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie mit Partnern aus Frankreich, Italien, Niederlande und Österreich erstellt und 2004 veröffentlicht worden.

Das Handbuch wendet sich an Multiplikatoren, die mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen arbeiten. Es ist nicht für Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene entworfen worden. Das schlägt sich entsprechend auch in der Sprache und im Design des Handbuches nieder. In der Erziehung und Beratung Tätige sollen in die Lage versetzt werden, auf externe als auch auf internalisierte fremdenfeindliche oder homophobe Äußerungen und Handlungen professionell reagieren zu können.

Mit der Publikation wird das Ziel verfolgt, Benachteiligungen oder gar Repressionen von Menschen anderer sexueller Orientierung, aber auch Nationalität, Hautfarbe und anderen Glaubens entgegen zu wirken. Diese Ziele werden von der im Mai 2005 gewählten Landesregierung Nordrhein-Westfalens uneingeschränkt geteilt. Das Autorenteam, dessen Mitglieder überwiegend auch Betroffenenorganisationen angehören, erstellte nicht nur umfangreiches Informationsmaterial, Anregungen zur Reflexion, pädagogische Hilfen und Literaturhinweise, sondern nahm nicht zuletzt aus persönlicher Betroffenheit mehr oder weniger direkt auch eigene Wertungen zum Verhältnis von Homo- und Heterosexualität vor. Diese Wertungen teilt die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen nicht in jedem Fall."

Wir sind mehr als erstaunt über dieses vollkommen unübliche Vorgehen zu einem europäisch geförderten und wissenschaftlich evaluierten Projekt. Wir fordern die Landesregierung auf, das Ansehen Nordrhein-Westfalen in Europa nicht zu schädigen und diesen Disclaimer unverzüglich zurückzuziehen.

Selbstverständlich haben Betroffene mitgewirkt und ihre Kompetenz und ihr Wissen mit eingebracht, genauso wie dies auch Behinderte selbstverständlich für Themen, die Behinderte betreffen, tun oder die Landwirtschaftskammer zu landwirtschaftlichen Themen. Uns ist nicht bekannt, dass sich die Landesregierung deshalb dann anschließend davon distanziert!

Welche Wertungen die Landesregierung nicht teilt, wurde uns bisher nicht gesagt. Die bisherigen Äußerungen lassen eher darauf schließen, dass man das Thema Homosexualität in Schule und Beratung von Jugendlichen wieder verschweigen und tabuisieren möchte.

Den Versand des Handbuches übernimmt künftig das schwul-lesbische Aufklärungsprojekt SchLAU NRW, das auch Kooperationspartner im Rahmen dieses europäischen Projekts ist. So sehr es uns freut, dass dies nun über einen unabhängigen Träger aus dem schwul-lesbischen Bereich geschieht, so sehr müssen wir auch kritisieren, dass dies seitens des Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen nur geschieht, um sich von dem Handbuch zu distanzieren. Herr Minister Laschet hat trotz der angespannten finanziellen Situation des Landes die Mittel gefunden hier alternative Vertriebswege zu finanzieren.