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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)

86% der Berliner*innen finden Homosexualität normal

Berlin Monitor zu politischen Einstellungen, gruppenbezogenen Vorurteilen

Der Berlin Monitor 2019 erfragte auch homo- und transphobe Einstellungen. Unterschiede finden sich nach Alter, Religiosität, Bildung, Staatsbürgerschaft und Geschlecht. Grundsätzlich stellt die Gruppe der Berliner*innen mit gruppenbezogenen Vorurteilen in Berlin eine Minderheit dar.

Heute erschien der Berlin Monitor2019 „Vernetzte Solidarität – Fragmentierte Demokratie“. Die repräsentative Befragung befasst sich mit politischen Einstellungen, gruppenbezogenen Vorurteilen und Erfahrungen von Berliner*innen. Das Forschungsteam um Dr. Oliver Decker (Universität Leipzig), Prof. Dr. Gert Pickel (Universität Leipzig), Prof. Dr. Katrin Reimer-Gordinskaya (Hochschule Magdeburg-Stendal) hat es sich hat darin die insgesamt 2.005 Bürger*innen Berlins im Alter ab 16 Jahren auch nach Homo- und Transphobie gefragt.

Danach finden 86% der Berliner*innen Homosexualität als etwas völlig Normales. 6% denken, es ist eine Krankheit, die geheilt werden kann. 58% sind der Meinung, dass es zwingend Maßnahmen gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Bisexuellen geben sollte. 9% glauben, dass Transgeschlechtlichkeit eine Gefahr für die gesellschaftliche Ordnung sei, 21% finden, dass sich überzogene Forderungen der Gleichberechtigung gegen die Natur von Frauen und Männern richten würden. (Berlin Monitor, S. 32)

Unterschiede nach Alter, Religiosität, Bildung, Staatsbürgerschaft und Geschlecht

Dabei ist die soziale Abwertung von Homo-/Bisexualität bei Deutschen mit Migrationshintergrund und Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft in der Berliner Bevölkerung höher ausgeprägt als in anderen Teilen der Berliner Bevölkerung. Unterschiede gibt es auch hinsichtlich der Bewertung auch zwischen Personen mit Hauptschulabschluss, Mittlerer Reife bzw. Abitur und höher. Daneben sind Männer etwas anfälliger für Vorurteile als Frauen (Berlin Monitor, S. 35ff.) Ähnliches gilt für Menschen mit einer hohen Religiosität und Berliner*innen, die sich politisch eher im rechten Spektrum verorten. Religiöser Dogmatisimus erweist sich sowohl bei Christ*innen als auch bei Muslim*innen als gruppenbezogene Vorurteile verstärkender Faktor. Das Forschungsteam kommt zu dem Schluss: „Hohe Religiosität behindert eine positive Haltung zu Homo-/Bisexualität und Transsexualität und steht einer Ausweitung von Gleichstellungsmaßnahmen und Geschlechteridentitäten entgehen (sic), wirkt sich aber nicht auf andere gruppenbezogene Vorurteile aus.“ (Berliner Monitor, S. 36) – religiöser Dogmatismus ist dabei sowohl bei Christ*innen als auch bei Muslim*innen ein vorurteilsbestärkender Faktor.

Gleichzeitig stellt das Forschungsteam aber auch fest: „Bei allen Differenzen darf man allerdings nicht aus den Augen verlieren, dass die Gruppe der Berliner*innen mit gruppenbezogenen Vorurteilen in Berlin eine Minderheit darstellt." (Berliner Monitor, S. 37)

12% geben Diskrimierungserfahrungen aufgrund von Homophobie und Transphobie an

Die am häufigsten genannten Diskriminierungserfahrungen sind Diskriminierungen anhand der Merkmale Geschlecht (29%) und Herkunft (27%). 15% berichten von Diskriminierung anhand ihres Einkommens 14% anhand ihrer Religion. Jeweils 12% gaben anhand ihrer sexuellen Orientierung bzw. Geschlechtsidentität oder aber aufgrund einer körperlichen Einschränkung / Behinderung an, diskriminiert worden zu sein. 10% berichten von Rassismus.

Foto: Jonas Tebbe / Unsplash