LSVD

Was steht dazu in unserem Programm?

  • Unsere Grundsätze

    Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Dieses großartige Versprechen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte muss sich auch für Lesben und Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen erfüllen. Für dieses Ziel arbeitet der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD).

    In Deutschland haben wir viel an persönlicher und gesellschaftlicher Freiheit erkämpft. Immer mehr Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (abgekürzt: LSBTI) leben selbstbewusst, offen und akzeptiert: in der Familie, in der Nachbarschaft, im Verein und allen denkbaren Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen konnten wir weit vorantreiben. Drei Jahrzehnte haben wir für die Öffnung der Ehe gekämpft und schließlich breite Mehrheiten in Gesellschaft und Parlament gewinnen können. Die Ehe für alle ist ein Meilenstein in der Geschichte der Bürgerrechte in Deutschland. Sie macht unsere Gesellschaft reicher und unser Land lebenswerter.

    Aber Homophobie und Transfeindlichkeit, die feindselige Einstellung gegenüber LSBTI sind noch nicht überwunden, sondern in Teilen der Gesellschaft weiterhin verbreitet. Beleidigungen und Herabwürdigungen, Diskriminierungen und Benachteiligungen, Anfeindungen und Übergriffe bis hin zur offenen Gewalt gehören weiterhin zur Wirklichkeit in Deutschland. Wenn Menschen sich deshalb nicht unbefangen im öffentlichen Raum bewegen können, ist das ein massiver Angriff auf die Freiheit. Homophobe und transfeindliche Stimmen sind sogar in jüngster Zeit wieder deutlich lautstärker geworden. Menschenverachtende Ideologien der Ungleichheit befeuern Ressentiments. Religiös-fundamentalistische, rechtsextreme und rechtspopulistische Kräfte kämpfen voller Hass darum, LSBTI gleiche Rechte und Entfaltungsmöglichkeiten zu beschneiden und sie wieder aus dem öffentlichen Leben zu drängen. So laufen sie Sturm gegen eine Pädagogik der Vielfalt oder diffamieren das Bemühen um mehr Geschlechtergerechtigkeit. All das zeigt uns: Um Werte wie Freiheit, Gleichheit und Respekt muss täglich neu gerungen werden.

    Die liberale Demokratie steht weltweit unter Druck. Die offene Gesellschaft braucht offensive Vorwärtsverteidigung, ein ständiges Bemühen, Menschen für eine Kultur des Respekts zu gewinnen. Es geht um unser aller Freiheit. Hass und Hetze dürfen nicht gewinnen. Als Bürgerrechtsverband sind wir anderen Menschenrechtsorganisationen sowie gesellschaftlichen Emanzipations- und Bürgerrechtsbewegungen eng verbunden. Menschenfeindliche Ideologien wie Nationalismus, Rassismus, Sexismus, Homophobie und Transfeindlichkeit sind stark miteinander verwoben. Sie leugnen, dass alle Menschen mit gleicher Würde und gleichen Rechten ausgestattet sind. Deshalb engagiert sich der LSVD in zivilgesellschaftlichen Bündnissen gegen jede Form von Diskriminierung, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit.

    LSBTI-feindliche Einstellungen finden sich aber beileibe nicht nur in extremen Milieus, sondern auch in der so genannten Mitte der Gesellschaft. LSBTI-Jugendlichen wird das Coming-out oft noch schwer gemacht. Viele Institutionen und Positionen sind offen schwul oder lesbisch Lebenden faktisch weiterhin verschlossen. Nicht wenige fühlen sich immer noch genötigt, ihre sexuelle Orientierung zu verbergen und ein Doppelleben mit heterosexueller Fassade zu führen, insbesondere am Arbeitsplatz. Trans- und intergeschlechtliche Menschen machen ähnliche Erfahrungen. Auch rechtspolitisch sind längst nicht alle Aufgaben erledigt. So gibt es noch großen Reformbedarf im Familienrecht. Trans- und intergeschlechtlichen Menschen wird immer noch ein gleichberechtigter Platz in unserer Rechtsordnung verweigert. All das wollen wir ändern.

    • Der LSVD als Bürgerrechtsverband

      Der LSVD als Bürgerrechtsverband

      Der LSVD versteht sich als Bürgerrechtsverband. Die Menschenrechte und die Grundrechte unserer Verfassung sind der Kompass, die Bürgerrechtspolitik ist unsere Praxis, sie zu verwirklichen. Die Menschen- und Grundrechte materialisieren sich in gleichen Rechten und in gleichen Zugangsmöglichkeiten, also in tatsächlicher Gleichberechtigung. Wir wollen einen gesicherten Rahmen dafür schaffen, dass alle Menschen ihre persönlichen Lebensentwürfe selbstbestimmt entwickeln können – frei von rechtlichen und anderen Benachteiligungen, frei von Anpassungsdruck an überkommene Normen, frei von Anfeindungen und Diskriminierungen. Praktizierte Homophobie und Transfeindlichkeit, jede Form von Diskriminierung und insbesondere Bedrohung durch Gewalt sind ein Angriff auf die Freiheit und den Zusammenhalt der Gesellschaft insgesamt. Eine demokratische Gesellschaft muss für alle das Recht durchsetzen, jederzeit und an jedem Ort ohne Angst verschieden sein zu können. Zur Gewährleistung der Menschenrechte gehören gleichberechtigte Teilhabe und ein wirksamer gesetzlicher Schutz vor Diskriminierung. Es darf keine Sperrzonen geben – weder auf dem Fußballplatz noch im Elternbeirat, weder in der Autowerkstatt noch in der Chefetage.

      Menschenrechte sind unteilbar und grenzenlos. Unser Engagement macht nicht an den Grenzen Deutschlands halt. Gemeinsam mit Partnerorganisationen streiten wir für ein Europa der Gleichberechtigung und Vielfalt. Die Europäische Union war für viele Mitgliedsländer eine wichtige Impulsgeberin, Diskriminierung von LSBTI abzubauen. Dieser zivilisatorische Gewinn wird von nationalistischen Strömungen in Teilen der EU derzeit wieder massiv infrage gestellt, die abgeschottete und zwangshomogenisierte „Volksgemeinschaften“ anstreben. Der LSVD setzt dagegen auf eine Wiederbesinnung auf die europäischen Werte, wie sie in der EU-Grundrechtecharta verankert sind.

      Wir beteiligen uns am weltweiten Kampf für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen. In zahlreichen Staaten ist gleichgeschlechtliche Liebe strafbar, in einigen davon droht sogar die Todesstrafe. Nach vom Vorbild einer erstmals 2013 in Russland auf nationaler Ebene eingeführten Gesetzgebung stellen einige Staaten neuerdings respektvolles und selbst neutrales Reden über Lesben, Schwule und Trans-Personen als „Homosexuelle Propaganda“ unter Strafe. Vielerorts sind staatliche Behörden an der Unterdrückung beteiligt, verweigern jeglichen Schutz vor Anfeindungen und Gewalt.

      Mit der 2007 gegründeten „Hirschfeld-Eddy-Stiftung – Stiftung für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender“ unterstützt der LSVD international Menschenrechtsarbeit.

      Der LSVD steht für eine Politik der Vielfalt. In unserer Gesellschaft wird eine Vielzahl von Lebensweisen und Lebensentwürfen gelebt. Lesbische und schwule Emanzipation rüttelt mit an hierarchischen Geschlechterrollen und an normativen Setzungen, wie „anständiges“ Leben angeblich auszusehen hat. Wir wehren uns gegen die „heterosexuelle Vorannahme“, die in jeder Alltagssituation unhinterfragt voraussetzt, dass das Gegenüber heterosexuell ist. Solche Heteronormativität führt zu Ausschlüssen und Unsichtbarmachung. Wir erheben Einspruch gegen eine Weltsicht, die allein Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit für selbstverständlich und „natürlich“ hält, sie als Standard nimmt, an dem alles gemessen wird.

      Der LSVD wirbt für ein Klima, das Vielfalt als Bereicherung erkennt und wertschätzt. Wir wollen keine Sonderrechte, sondern Gleichberechtigung. Wir wollen, dass lesbische, schwule und bisexuelle Lebensweisen und dass Trans- und Intergeschlechtlichkeit als selbstverständlicher Teil gesellschaftlicher Normalität respektiert und anerkannt werden. Das gilt nicht zuletzt für Regenbogenfamilien und insbesondere für die darin aufwachsenden Kinder.

      Respekt heißt die Formel für gutes gesellschaftliches Zusammenleben. Verachtung und Unterdrückung von Homosexualität, Bisexualität oder Trans- und Intergeschlechtlichkeit sind kein hinzunehmendes Übel, sondern Ausdruck antidemokratischen Denkens. LSBTI-Feindlichkeit hält sich hartnäckig, sie ist ein gesellschaftszersetzendes Gift. Es gibt aber wirksame Gegenmittel. Sie heißen Engagement, Aufklärung und Dialog. Denn Respekt setzt Wissen vom Anderen und über Verschiedenheit voraus. Deshalb darf es hier keine Tabuzonen geben. – nicht in der Schule, nicht in den Medien, nicht im Sport. Wir meinen: Liebe verdient Respekt. Das gleiche gilt für das selbstbestimmte Leben der eigenen geschlechtlichen Identität. All das sollte selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht. Mit beharrlicher Aufklärung, guten Argumenten und kompetentem Auftreten verschaffen wir daher LSBTI Respekt in der Gesellschaft, in Politik und Institutionen. Unsere Stimme wird gehört: im Bundestag und in Landtagen, in Ministerien, vom Bundesverfassungsgericht, in den Medien, bei Parteien, Gewerkschaften und Verbänden.

      Wie wir unsere Leitprinzipien konkret umsetzen wollen, zeigen wir in unserem Programm auf zehn Politikfeldern:

      1. Die Gleichstellung im Recht weiter entwickeln
      2. Gesellschaftliche Akzeptanz stärken – Vielfalt wertschätzen
      3. Respekt schaffen in Bildung und Erziehung, Wissenschaft und Kultur
      4. Hass und Hetze entgegentreten
      5. Familie umfassend denken
      6. Vielfalt der Generationen und Lebenslagen im Blick haben
      7. Eine aufgeklärte und solidarische Gesundheitspolitik durchsetzen
      8. Verantwortung für die Vergangenheit wahrnehmen
      9. Gleiche Rechte, Vielfalt und Respekt in Europa befördern
      10. Die Achtung der Menschenrechte weltweit voranbringen
    • Gemeinsam in Vielfalt

      Gemeinsam in Vielfalt

      Unser Verband hat sich im Februar 1990 in Leipzig als Schwulenverband (SVD) gegründet, entstanden aus der oppositionellen Bürgerrechtsbewegung der DDR und mit dem Anspruch, schwule Bürgerrechtspolitik für Deutschland zu formulieren. Zum Programm erhob der SVD Emanzipation, Partizipation und Integration – verstanden nicht als Anpassung, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Diesen Zielen sind und bleiben wir verpflichtet. Auf Initiative vieler engagierter Lesben wandelte sich der Schwulenverband 1999 zum Lesben- und Schwulenverband (LSVD). Seitdem arbeiten im LSVD Lesben und Schwule erfolgreich zusammen.

      Eine immer stärkere Rolle in der Verbandsarbeit nimmt auch der Einsatz für die Rechte von trans- und intergeschlechtlichen Menschen ein. Selbstbestimmtes lesbisches und schwules Leben bedeutet in der Regel auch einen Ausbruch aus überkommenen Rollenerwartungen. Hier haben Lesben und Schwule biografisch oft starke Berührungspunkte mit trans- und intergeschlechtlichen Menschen, die für ihr Recht auf Selbstbestimmung kämpfen. Der LSVD beteiligt sich intensiv an diesem Kampf. Es geht um die Verwirklichung elementarer Menschenrechte wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit, die Achtung des Privatlebens und die persönliche Handlungsfreiheit. Auch der Kampf bisexueller Menschen gegen Vorurteile und Nichtbeachtung findet unsere Unterstützung. Wir behalten den Namen „Lesben- und Schwulenverband“ bei, verstehen uns aber als offene Plattform für alle, denen die Freiheit unterschiedlicher sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten ein Anliegen ist.

      Vielfalt und Respekt sind unser Leitbild, mit dem wir den Platz des LSVD in der vielgestaltigen LSBTI-Gemeinschaft definieren. Auch diese Gemeinschaft ist sehr divers. Menschen nennen sich lesbisch, schwul, bisexuell, homosexuell, queer, transgender, transgeschlechtlich, transidentisch, transsexuell, intergeschlechtlich oder intersexuell und vieles mehr. Wir respektieren die vielen unterschiedlichen Orientierungen, Identitäten, Lebensweisen und Selbstbezeichnungen.

      Wir wenden uns gegen Formen von „Aktivismus“, die anderen in der Community bestimmte Sichtweisen aufzwingen wollen oder Ausschlüsse betreiben. Angesichts der bedrohlichen nationalistischen und LSBTI-feindlichen Mobilisierung braucht es Zusammenhalt aller emanzipatorischen Kräfte. Daher werben wir für eine solidarische interne Diskussionskultur, die Kritik und Widersprüche aushält und minimale Differenzen nicht zu maximalen Konflikten eskaliert.

      Wir ergreifen auf regionaler und auf der Bundesebene Initiativen, die verschiedene Akteurinnen und Akteure der LSBTI-Community zusammenführt, Themenfelder von gemeinsamem Interesse findet und diskutiert und gemeinsame Aktivitäten beschließt und durchführt.

      Wir wollen den Stolz auf Vielfalt fördern. Auch daher hat der LSVD bewusst im Verbandsnamen die Bezeichnung „in Deutschland“ gewählt. Denn in Deutschland leben nicht nur Deutsche. Im LSVD engagieren sich Menschen aus vielen Ländern, aus verschiedenen Kulturen und unterschiedlicher ethnischer Herkunft. Menschen mit und ohne Behinderung sind im LSVD aktiv. Jung und Alt bringen sich und ihre Perspektiven in unseren Verband ein.

    • Viel erreicht, viel zu tun

      Viel erreicht, viel zu tun

      Unser Verband hat viel vorangebracht: die Ehe für alle, die endgültige Streichung des § 175 StGB, die wachsende Akzeptanz von Regenbogenfamilien, die Errichtung eines nationalen Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, die Beachtung der Menschenrechte von LSBTI in der deutschen Außenpolitik und Entwicklungszusammenarbeit – um nur einige Beispiele zu nennen. Inhaltlich eng verknüpft mit der politischen Arbeit ist der LSVD zudem eine Anlaufstelle für Information, Rat und Tat. Der LSVD leistet Unterstützung und Hilfe bei Problemen, die LSBTI aus Vorurteilen, gesellschaftlicher oder rechtlicher Diskriminierung, menschenfeindlichen Ideologien, Ausgrenzung, Anfeindung und Gewalt erwachsen. Der LSVD will sich aber nicht auf die Arbeit als Reparaturbetrieb für die Beschädigungen beschränken, die Diskriminierung und Ausgrenzung den Menschen zufügen. Als Bürgerrechtsverband ist der LSVD angetreten, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu ändern: Wir wollen die Menschenrechte im Alltag verwirklichen, Vielfalt fördern und Respekt schaffen. Alle Menschen - egal welcher sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität – laden wir sehr herzlich ein, diesen Weg mit uns gemeinsam zu gehen.