Mutig Gegen Hass

Aktivist*innen aus Uganda, Ungarn, Polen, dem Westbalkan und Deutschland berichten

LSBTI leben in vielen Ländern dieser Welt in Gefahr. Und trotzdem riskieren viele mutige Aktivist*innen tagtäglich ihr Leben und ihre Sicherheit für die Anerkennung und den Schutz ihrer Communities. Dokumentation der Onlinekonferenz #MutigGegenHass

In Polen rufen Städte LSBTI-freie Zonen aus. Ungarn möchte trans* Personen faktisch die Existenz absprechen und in Uganda diskutiert die Regierung immer wieder über die Einführung der Todesstrafe für Homosexuelle. LSBTI leben in vielen Ländern dieser Welt in Gefahr. Und trotzdem riskieren viele mutige Aktivist*innen tagtäglich ihr Leben und ihre Sicherheit für die Anerkennung und den Schutz ihrer Communities.

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) am 17. Mai 2020 hat LSVD-Bundesvorstand Alfonso Pantisano auf der Onlinekonferenz "Mutig Gegen Hass" mit LSBTI-Aktivist*innen aus dem In- und Ausland gesprochen. Außerdem war die queere Sängerin Lili Sommerfeld zu Gast und hat mehrere Songs performt. Hier dokumentieren wir die Clips der einzelnen Gäste.

Am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT*) erinnern Menschen weltweit an den 17. Mai 1990. An diesem Tag wurde Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestrichen.

Ungarn

Trotz internationalen und nationalen Protests hat das ungarische Parlament am 19.05.ein Gesetz verabschiedet, das es verbietet, das bei der Geburt eingetragene „biologische Geschlecht“ nachträglich zu verändern. Damit entrechtet Ungarn trans- und intergeschlechtliche Menschen. Kurz vor der Verabschiedung berichteten Krisztina Kolos (Transvanilla) und Tamás Dombos (Háttér Society) über die dramatischen Folgen, die dieses Gesetz haben wird.

Polen

"LSBTI-freie Zone" - mit diesem Label rühmen sich inzwischen fünf der 16 Regierungsbezirke (Woiwodschaften), 37 Landkreise und 55 Gemeinden in unserem Nachbarland Polen. Viele weitere Städte haben ebenfalls Erklärungen verabschiedet, die mit dem Hinweis auf "Familienwerte" LSBTI abwerten und eine zunehmend bedrohliche Stimmung anheizen. Yga Kostrzewa nahm für Lambda Warszawa an der Konferenz teil.

Westbalkan

Im Rahmen des EU-Beitrittsprozesses entstanden bisweilen vorbildliche Gesetze zur Nichtdiskriminierung auch aufgrund der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität. Doch die hehren Ansprüchen der Gesetzestexte treffen auf eine triste Lebensrealität von LSBTI. Diese Kluft muss geschlossen werden. Mit dem Team von ERA, die LGBTI Equal Rights Association, im serbischen Belgrad, arbeiten wir auch 2019 wieder zusammen. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes führen wir gemeinsam das Projekt „Bridging the Gap: Towards effective dialogue between LGBTI organizations and state institutions in the Western Balkans and Turkey“ durch. Davon erzählt Dragana Todorovic, Director von ERA.

Uganda

In Uganda hat seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie die ohnehin drastische Homophobie und Transfeindlichkeit in dem afrikanischen Land noch zugenommen. So machen manche Vertreter*innen aus Politik und Religion LSBTI für den Ausbruch der Pandemie verantwortlich. In Quarantäne seien viele LSBTI Opfer von Gewalt geworden. Gerade in den Familien habe es Fälle von häuslicher Gewalt gegeben. Frank Mugisha, Director of Sexual Minorities Uganda SMUG, war ebenfalls bei #MutigGegenHass zugeschaltet.

Zusammenarbeit mit afrikanischen Projekten

Masakhane ist das größte jemals vom Bundesministerium für Entwicklung geförderte Projekt im Bereich LSBTI-Menschenrechte. Das Zulu-Wort lässt sich ins Deutsche übersetzen mit „Kommt, lasst uns gemeinsam stärker werden“. Ziele des Projekts sind die bessere Vernetzung, das „Capacity Building“ und die Selbstermächtigung von Lesben, bisexuellen Frauen und Trans* in Subsahara Afrika. Es wurde initiiert vom LSVD, umgesetzt von der Coalition of African Lesbians (CAL) als Projektpartnerin vor Ort und von deutscher Seite bis 2017 vom LSVD und filia.die frauenstiftung. Doch Masakhane geht weiter - wie? Das beantwortet Cornelia Sperling, die das Projekt heute begleitet.

Geflüchtete LSBTI in Deutschland

In Deutschland hat die Community gesellschaftlich und politisch sehr viel erreicht. Doch trotz aller Fortschritte ist queeres Leben längst nicht immer und überall selbstverständlich. Als LSVD-Bundesverband beschäftigen wir uns seit Jahren mit der Situation von geflüchteten LSBTI. Das LSVD-Projekt „Queer Refugees Deutschland“ vernetzt, unterstützt und berät deutschlandweit geflüchtete LSBTI und Anlaufstellen für geflüchtete LSBTI. Lilith Raza vom Projekt Queer Refugees berichtet.

LSBTI-Feindlichkeit im Fußball

Wie offen und diskriminierungsfrei eine Gesellschaft im Alltag ist, zeigt sich unter anderem im Fußballstadion. Unser Bundesvorstand Christian Rudolph erzählt von engagierten Fanprojekten und Sportverbänden, die sich gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie stark machen.