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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)

Fortbildungsprojekt Queerflexiv zu geschlechtlicher und sexueller Vielfalt

Akzeptanzförderung für Lehrkräfte und pädagogisches Fachpersonal

Das Fortbildungsangebot des LSVD NRW und vielen weiteren Organisationen fördert den professionellen und diskriminierungsfreien Umgang mit Themen der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt.

Mit "Queerflexiv" startet das Kooperationsprojekt des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD) in NRW ein akzeptanzförderndes Fortbildungsangebot zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt für den Lehrbereich Schule, Jugend- und Sozialarbeit. Gleichzeitig beginnt eine daran gekoppelte Studie.

Es richtet sich an angehende Fachkräfte, aber auch bestehendes Lehrpersonal von Grundschule bis Berufsschule, aber auch für Fachkräfte, die mit Kindern und Jugendlichen im sozialen Bereich pädagogisch arbeiten.

Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt ist ein Bestandteil unserer Gesellschaft. Leider noch immer nicht in allen Köpfen und findet, wenn überhaupt, nur ein paar Seiten Erwähnung in einem Biologiebuch. Das soll sich ändern.

In der Vergangenheit war Didaktik auch kein fester Bestandteil der Ausbildung von Lehrkräften. Heute ist das anders. Heute ist sie selbstverständlich. Nicht-selbstverständlich ist heute das Wissen um geschlechtliche und sexuelle Vielfalt. Nicht nur bei Lehrkräften. Obgleich sie diese, laut Rahmenplan für sexuelle Erziehung von NRW, zumindest im Bereich der sexuellen Vielfalt Kindern und Jugendlichen vermitteln sollten.

Flyer des Fortbildungsangebots

Über die Fortbildung

Das Fortbildungskonzept basiert auf den Untersuchungen der Coaktiv Studie von Baumert und Kunter (2011). Angelehnt an das in der Studie erstellte Konzept der Lehrkraftprofessionalität, wird den Teilnehmenden ermöglicht eine professionelle Kompetenz im Bereich "Geschlechtlicher und sexueller Vielfalt zu erarbeiten".

Die Fortbildung gliedert sich in zwei Abschnitte:

  • Fachwissenschaftliche Grundlagen
  • Didaktisch-fachumgreifende Vertiefungen

In den fachwissenschaftlichen Grundlagen der ersten vier Modulen beschäftigen sich die Teilnehmenden mit den neuesten Erkenntnissen aus Biologie, Sozialwissenschaften und Psychologie. Gemeinsam erschließen wir die inhaltlichen Tiefen, die sich hinter den Konzepten geschlechtlicher und sexueller Vielfalt verbergen. Dabei lernen die Teilnehmenden unter anderem warum die Biologie mehr als nur zwei Geschlechter kennt, was wirklich am “homosexuellen Gen” dran ist und welche sozialen Probleme eine Mehrfachbenachteiligung im Alltag tatsächlich haben kann. Alle Module sind als didaktische Doppeldecker aufgebaut. Die innerhalb der Module angewendete Methodik steht den Teilnehmenden auch für ihre eigenen pädagogischen Arbeitsfelder zur Verfügung und kann in abgewandelter Form nutzbar gemacht werden.

Durch die didaktisch-fachumgreifende Vertiefung der vier Wahlpflichtmodule, können die Teilnehmenden auf der Basis ihres neuen Wissens, weitere didaktische Handlungsspielräume erobern. Gemeinsam mit verschiedenen Gastdozierenden aus erfahrenen Institutionen und in intensiven Arbeitsphasen erwerben die Teilnehmenden neue Kompetenzen bzw. bauen vorhandene Fähigkeiten aus.

Folgenden Module werden angeboten:

  • Beratung und Unterstützung im schulischen Kontext
  • diskriminierungsfreier Umgang mit Sprache in Wort und Text
  • Planungshilfen bei eigenen Unterrichtsvorhaben in allen Schulfächern 
  • erfolgreicher Aufbau und Umsetzung von Kooperationen mit externen Expert*innen

Innerhalb der Fortbildung werden beispielsweise folgenden Bereiche thematisiert:

  • Thematisierung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in allen Unterrichtsfächern
  • Grundlagen und Methodik zum Verständnis von Mehrfachdiskriminierung
  • Fachwissen zu trans*, nicht-binären und inter* Menschen
  • „Es gibt mehr als zwei Geschlechter!“- Neueste Erkenntnisse aus der biologischen Wissenschaft
  • „Vielfalt ist natürlich!“ - Beispiele aus dem Tierreich zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt
  • Beratung von Schüler*innen, Eltern und Vermittlung von Expert*innen zu queeren Themen

Das Lerntagebuch ist verpflichtend für die erfolgreiche Teilnahme an dieser Fortbildung. Das Ausfüllen eines selbstreflektiven Lerntagebuchs dient als Unterstützung zur Erkennung eigener blinder Flecken, die alleine bei der Kommunikation zu nicht gewollter Diskriminierung führen können. Dieses Tagebuch ist modulbegleitend und soll die Teilnehmenden in ihrer Selbstreflektion durch kleinere Aufgaben und Fragen unterstützen. Zusätzlich bietet das Lerntagebuch auch Aufgaben zur Vor- und Nachbereitung. Auf diesem Weg wollen wir sicherstellen, dass die Teilnehmenden die intensiven Angebote zur Auseinandersetzung auch sinnvoll nutzen und sich selbst, sowie ihr Arbeitsumfeld kritisch hinterfragen.

Nach Abschluss der Fortbildung wird allen Teilnehmer*innen eine ausführliche Teilnahmebescheinigung ausgestellt, die das erlangte Wissen und vermittelten Kompetenzen detailliert aufschlüsselt.

Evaluation der Fortbildung

Teil der Fortbildung ist eine quantivative Pre-Befragung und Post-Befragung der teilnehmenden Personen. Zeitgleich führen alle Teilnehmenden ein Fortbildungstagebuch, welches Hilfestellung bei der Reflexion der eigenen Haltung, des beruflichen Alltags und der Vertiefung und Entwicklung weiterer eigener Kompetenzen zu dem Thema liefert. Das Fortbildungstagebuch ermöglicht uns zudem eine qualitative Datenerhebung. Mit dieser wird auch das Fortbildungskonzept selbst fortlaufend evaluiert und optimiert für die Zukunft.

Die Ergebnisse der Studie sollen Grundlage für zukünftige politische Forderungen sein. Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt soll ein verbindlicher Teil der Ausbildung aller Lehrkräfte werden.

Welche Organisationen und Personen sind an der Fortbildung betetiligt?

Es handelt sich bei der Fortbildung um ein Kooperationsprojekt des LSVD NRW in Zusammenarbeit mit LSVD Bund, dem NGVT* NRW, dem Sunrise Dortmund, der Stiftung Akademie Waldschlösschen, dem Projekt Herzenslust der AIDS-Hilfe NRW, Queer Refugees Deutschland, Noah Rieser von TransInterQueer e.V., Sven Leimkühler von Jungs e.V., sowie Prof. Dr. Elke Hemmniger von der Evangelischen Hochschule Bochum und Dr. Jana Petri, Dr. Sarah Huch und der Dezentralen Frauenbeauftragten Christine Eßmann-Stern von der Freien Universität Berlin.

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