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Eröffnet wurde das LSVD Familienseminar 2007 mit einem Grußwort von Matthias König, dem Leiter der nationalen Geschäftsstelle „Europäisches Jahr der Chancengleichheit für alle“. Denn das diesjährige Familienseminar für lesbische Mütter, schwule Väter und ihre Kinder wurde von der Europäischen Kommission ausgewählt und mitfinanziert als ein Projekt zur „Förderung der Chancengleichheit“ in Deutschland.

Das „Europäisch Jahr der Chancengleichheit für alle“ steht unter dem Motto: „Lasst uns Chancengleichheit zur Realität machen. Gemeinsam machen wir einen Unterschied“.

Am 17. und 18. August 2007 machten 30 Kinder und 80 lesbische Mütter, schwule Väter und Lesben und Schwule in der Familienplanung wohl durchaus einen Unterschied inmitten der 1.100 wohl eher heterosexuell anmutenden Gästen im TREFF Hotel Panorama (Oberhof) im Thüringer Wald.

Im Grußwort von Herrn König hieß es: „Hier und heute in Oberhof steht das Merkmal sexuelle Identität im Vordergrund, und - um es in den Worten des regierenden Bürgermeisters von Berlin zu sagen - das ist auch gut so. Denn noch immer und viel zu oft ist die sexuelle Identität ein wesentlicher Grund für Diskriminierungen und noch immer haben homosexuelle Frauen und Männer in vielen Bereichen des Lebens nicht die gleichen Chancen wie heterosexuelle. Auch und insbesondere trifft dies auf das Thema Familie zu. In den gemeinhin anerkannten, wenngleich unzeitgemäßen und verkrusteten Familienbildern in Gesellschaft, Recht und Wissenschaft, kommen Regenbogenfamilien kaum vor und das obwohl schon heute tausende Kinder bei Ihren homosexuellen Müttern und Vätern sowie Co-Müttern und Co-Vätern aufwachsen. Für weite Teile der Gesellschaft sind Homosexualität und Elternschaft schlicht unvereinbar, ist allein die Vorstellung von Regenbogenfamilien undenkbar.“ (siehe 1)

Dem ist kaum etwas hinzuzufügen, will man verständlich machen, warum der LSVD 2007 bereits zum fünften Mal zu einem Familienseminar für Regenbo-genfamilien einlud und Lesben und Schwule aus zehn Bundesländern dem Ruf begeistert nach Thüringen folgten.

Angesichts der Lage und Größe des Hotels konnten die Teilnehmer/innen des Seminars ohne große Anstrengung dazu beitragen, die Vereinbarkeit von Homosexualität und Elternschaft sichtbar zu machen.

Das Familienseminar stand unter dem Motto „Regenbogenfamilien – Alltäglich und doch anders“ und einige Arbeitsgruppen wurde zu Themen angeboten, die im Alltag vieler Familien relevant sind: „Wenn Paare Eltern werden und Paare bleiben“ oder „Wie wir als Eltern unsere Kinder stärken“.
Andere Themen hatten ein stärkeres gewicht auf den Besonderheiten der Familienform: „Regenbogenfamilien und das ganz alltägliche (Un)Recht“, „Leibliche Kinder lesbischer Mütter und schwuler Väter - Natürlich auch nach dem Coming Out“ oder „Sie konnten zusammen nicht kommen - VerNETzungsmöglichkeiten für Regenbogenfamilien“.

Im Familienseminar wurden zentrale Brennpunkte der familiären und gesellschaftlichen Wirklichkeit von Regenbogenfamilien in Vorträgen, Arbeitsgruppen und Podien aufgegriffen. Anhand der vorliegenden Kurzdokumentation des fünften LSVD Familienseminars können Sie sich einen detaillierten Eindruck verschaffen.

Das Familienseminar 2007 als Baustein der Strategie zur nationalen Umsetzung des „Europäischen Jahrs der Chancengleichheit für alle“ - was meint das?

Nach Verlesen des Grußwortes von Matthias König beleuchtete Antje Ferchau, eine Mitstreiterin im LSVD „Kompetenzteam Regenbogenfamilien“, die Wege dieser nationalen Umsetzung und das lang errungene AGG im Hinblick auf das Merkmal sexuelle Identität (siehe 2).

Psychosoziale Studien zur Lebenswirklichkeit von Regenbogenfamilien attestieren lesbischen Müttern und schwulen Vätern seit langem eine adäquate Erziehungsfähigkeit und ihren Kindern eine gelungene emotionale, soziale oder sexuelle Entwicklung. Die Mehrheit dieser Studien entstammt jedoch dem angloamerikanischen Raum. Darauf verweisen wertekonservative Politiker/innen gerne, wenn es um die rechtliche Verbesserung der Chancengleichheit von Regenbogenfamilien in Deutschland geht. So wurden auch 2005 im Rahmen der Diskussion um das (Stiefkind)Adoptionsrecht immer wieder methodisch fundierte Studien in Zweifel gezogen, hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf deutsche Verhältnisse.

Ist das, was Kinder zum guten Aufwachsen brauchen, in Deutschland unvergleichlich einzigartig? Sei’s drum. Auf dem LSVD Familienseminar 2007 stell-ten erstmals Wissenschaftlerinnen gemeinsam ihre in Deutschland angesiedelten Forschungsvorhaben und -ergebnisse über Regenbogenfamilien vor (siehe 3).

Im Rahmen des Familienseminars wurden 3x3 parallele Arbeitsgruppen im Umfang von 1,5 Stunden angeboten, die sich mit Themen des Familienalltags (siehe 5, 6 & 8), rechtlichen Neuerungen (siehe 7 & 10) und der Familienpla-nung beschäftigten (siehe 4 & 9). Zwei Arbeitsgruppen wurden aufgrund der großen Nachfrage doppelt angeboten. Die vorliegenden Berichte geben einen Einblick in die thematisierten Inhalte und zentralen Ergebnisse bzw. Empfehlungen der Gruppen.

Die 30 Kinder, wobei wir erstmals einen Schwerpunkt bei Kindern im Krabbelalter hatten, wurden während des Seminars von sechs exzellenten pädagogischen Fachkräften betreut. Und die Passung ist wohl so gut ge-lungen, dass die Hotelangestellten nicht müde wurden, die „lieben Kinder“ zu loben.

Neben der Fülle an Informationen und einem themenzentrierten Austausch nutzen die Teilnehmer/innen die Gelegenheit, sich kennen zulernen und neue Netzwerke zu knüpfen. Sie hatten also vielfältig Gelegenheit, Matthias Königs Appell nachzukommen:

„Helfen Sie mit, Chancengleichheit zur Realität zu machen! Zeigen Sie sich! Vernetzen Sie sich! Tauschen Sie sich aus!“

Darüber hinaus gab es ein vielfältiges kulturelles Angebot für Groß und Klein:

Am Freitag gab es z.B. eine Premiere des Films „Wer ist Familie“ (www.wer-ist-familie.de). Auf der Homepage des Films ist zu lesen: „In dem Dokumentarfilm „Wer ist Familie?“ werfen Michael Schaub und Kirsten Steinbach einen Blick in die Privatsphäre einer außergewöhnlichen Familie und zeigen die Komplexität eines Lebensmodells auf, das so andersartig und doch so normal erscheint. Die Diplomanden zeichnen ein gefühlvolles Bild von drei ungewöhnlichen Persönlichkeiten und verdeutlichen die Kontraste zwischen traditionellen Werten und Wahrhaftigkeit im 21. Jahrhundert.“ Nach dem Film, der von zwei Schwule Vätern und ihren Adoptivsohn handelt, gab es Gelegenheit zum Austausch mit dem Regisseur Michael Schaub und zwei der Protagonisten.

Am Samstag las und präsentierte Sonja Springer ihre Bilderbücher „Was Phoebe auf dem Spielplatz erzählt“ und „Phoebe in der neuen Schule“ für 6 bis 9jährige, die bunt illustrierte Geschichten von Phoebe erzählen, einem Mädchen, das gemeinsam mit drei Geschwistern bei seinen beiden lesbischen Müttern aufwächst (www.sontje-regenbogenbuch.de). Parallel präsentierte Angela Greib vom Jugendamt Hanau den Film „Mein geliehenes Kind – Ein leben als Pflegefamilie“.

Im Anschluss „hotteten Jung und Alt ab“ bei Conny Schediwie`s Exklusivkonzert mit Balladen rund um das Merkmal „sexuelle Identität“.

Hierzu gibt es leider weder Hör- oder Leseproben, doch wenn Ihre Neugier ge-weckt wurde, schauen sie einfach mal auf Homepages rein: www.conny-schediwie.de

Bei Uli Streib-Brzic und Peter Ebel, die als Referent(inn)en in Oberhof waren, hat das Familienseminar auch schriftlich nachgewirkt: Mit ihrem Metalog „Queer und quer über Familien NACH-gedacht“ schließt die Dokumentation ab.

Im Anhang der Dokumentation finden Sie ein ausführliches Seminar-programm und ….

als Moderatorin des Familienseminars und Leiterin des Projektes Regenbogenfamilien wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen!

Dr. Elke Jansen
www.family.lsvd.de