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Präsentation von „Homosexualität und Elternschaft“ in den Medien

Auf dem Kölner CSD fanden sich am 02. Juli 2005 auf der Polit-Bühne eine Gruppe von Print- und TV-Journalist(inn)en verstärkt durch Vertreter/innen der Lindenstraße ein, um unter der Moderation von Jan Feddersen, einem Radakteur der TAZ, über "Regenbogenfamilien im Spiegel der öffentlichen Meinung" zu diskutieren.

Der Diskussionsrunde gehörten Claudia Friedrich, Hans W. Geißendörfer, Peter-Philipp Schmitt, Valentin Thurn, Sybille Waury und Margot Weber an. Claudia Friedrich arbeitet als freie Journalistin für den WDR Hörfunk und regionale und überregionale Printmedien. Den Kölnerinnen und Kölnern mag sie vertraut sein durch ihre Moderation des Frauen- und Lesbenradios „Radio Lästerher(t)z“ bei Radio Köln. Hans W. Geißendörfer ist der Produzent und Chefautor, kurz gesagt, der „Vater“ der Lindenstraße". Er wurde 2005 mit der "Kompassnadel" des Schwulen Netzwerks NRW geehrt. Der Regisseur habe als Erster schwullesbischen Alltag in eine populäre Fern-sehserie gebracht, hieß es zur Begründung. Peter-Philipp Schmitt ist Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und im Ressort „Deutschland und die Welt“ der Politikredaktion zuständig für Gesellschaftsthemen und somit auch „schwul-lesbische Themen“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Bislang widmete sich die FAZ noch in keinem Artikel dem Thema „Regenbogenfamilien“. Valentin Thurn ist freier Journalist und Autor von Fernsehdokumentationen, Hörfunk-Features und Zeitschriftenartikel. 2001 und 2003 drehte er zwei Fernsehdokumentationen über lesbische Mütter und schwule Väter für die ARD („Zwei Mamas und kein Papa – wenn lesbische Kinderwünsche wahr werden“) und das ZDF („37 Grad: Papa liebt einen Mann – Kinder und ihre homosexuellen Väter“). Sybille Waury, selbst „heterosexuelle“ Mutter, spielt in der Lindenstraße die lesbische Tanja Schildknecht, die seit einiger Zeit liiert ist mit Suzanne Richter (Suse), die sich im Sommer 2005 mit einem Kinderwunsch trugen. Seit der 1031. Folge Anfang September wächst nun „neues Leben lesbischen Ursprungs“ in der Lindenstraße. Und „last but not least“ - Margot Weber. Sie ist Mitarbeiterin der Zeitschrift “Eltern for family” und schrieb in der Märzausgabe 2005 dieses „Schwesternheftes“ der Zeitschrift „Eltern“ aus dem Haus Gruner & Jahr eine umfangreiche Reportage über Regenbogenfamilien: „Familie ist, wo Kinder sind“.

Das Podium widmete sich der Berichterstattung über Regenbogenfamilien und der Darstellung lesbischer Mütter, schwuler Väter und ihrer Kinder in den Medien. Die Entstehung von journalistischen Beiträgen und TV Produktionen sowie deren Wirkung wurden in der Runde ebenso beleuchtet wie die Frage, in wie weit die Existenz von Regenbogenfamilien in "den Köpfen der Menschen" angekommen ist.

Jan Feddersen: „Wir wollen über Regenbogenfamilien sprechen und wie sie in unseren großen Familien, vor allem  in den Medien, funktionieren. Wir haben ein paar Leute eingeladen. Ich selber bin ja Redakteur der alternativen taz in Berlin, und könnte auch so das eine oder andere Anekdötchen erzählen. Aber heute moderiere ich hier.

Wir haben ‚Stars im Bild’, die etwas dazu sagen können, wie das ist, wenn man im Fernsehen mit dem Thema ’schwul-lesbisch und Kinder’ auftritt. Das ist - ich kann gar nicht anders - Tanja Schildknecht aus der Lindestrasse - die aber im übrigen Leben Sybille Waury heißt. Ganz rechts von mir ist Hans W. Geißendörfer, der Erfinder, der Regisseur und Macher, ja der Patron dieser Serie. Neben ihm sitzt Peter-Philipp Schmitt, er ist Redakteur bei der FAZ in Frankfurt. Dann kommt Valentin Thurn, Fernsehjournalist, der zwei Filme ge-macht hat zum Thema Regenbogenfamilien. Neben ihm sitzen Claudia Friedrich und Margot Weber, die eine im Hörfunk und die andere im ‚Printbereich’ Autorinnen zum Thema.“

Jan Feddersen: „Kommen wir zur ersten Frage - sowohl an den Hans W. Geißendörfer als auch an ‚Tanja Schildknech’“. Wie war das denn, eine Lindenstraße zu machen und sich auszudenken, jetzt machen wir mal auf ‚schwul-lesbisch’? Wenn ich das richtig er-innere, fing es mit Carsten Flöter an und jetzt plant ihr, dass die beiden Lesben ein Kind kriegen.“

Sybille Waury: „Wie das war, das zu machen mit dem ‚schwul-lesbischen Thema’, das ist nicht mein Part. Ich wurde eben irgendwann gefragt, ob ich auch als Tanja lesbisch werden würde. Dies als Frage zu stellen war legitim, weil es als Schauspielerin immer noch ein ’Risiko’ ist, wenn man sich auf eine homosexuelle Rolle einlässt. Dann kriegt man sehr gern einen Stempel und der ist nicht unbedingt positiv. Deswegen war ich dankbar, die Wahl zu haben. Für mich war es aber nicht wirklich fraglich, das zu spielen. Ich hatte ja eine gute Vorlage: Carsten Flöter war schon ‚immer und ewig’ als Schwuler in der Serie etabliert. So habe ich das sehr gerne über-nommen.“

Jan Feddersen: „Wie kam es denn überhaupt zu der Idee?“

Hans W. Geißendörfer: „Ja, ich glaube eigentlich dadurch, dass die Lesbengemeinde bei uns über einige Jahre protestiert hat, dass es eben nur den männlichen Schwulen gibt und nicht die weibliche Seite davon aufgezeigt wird. Und nach vier, fünf, sechs Jahren haben wir dann Platz bekommen, haben Figuren neu schaffen können. Weil es gar nicht oder nur sehr schwer geht, Tanja sich alleine als Lesbe outen zu lassen - das bringt auch keine Spannung -, mussten wir erstmal eine Figur dazu erfinden. Das war ‚Sonja’, mit der Tanja ihr erstes Liebesverhältnis eingeht und die erste Erfahrung als Lesbe macht. Dann haben wir sehr viele Prügel bekommen, weil diese ‚Sonja’ nicht einfach war, sie ‚spielte’ mit Drogen und war am Schluss drogenabhängig.“

Jan Feddersen: „Ganz kurz mal - von wem gab es Prügel? Von den Zuschauern?“

Hans W. Geißendörfer: „Von den Lesben – also vor allem von den Lesben. Ich erinnere mich, dass ich in Berlin auf einer großen, großen Veranstaltung war mit sehr, sehr vielen Schwulen und Lesben und die haben mich richtig auseinander genommen. Die haben gesagt, ‚der Flöter und seine Freunde sind wunderbar anzusehen, die sind immer richtig, machen es immer gut und die Lesben sind blöd und bescheißen sich untereinander’ usw. Wir haben die Sonja ja dann auch - also - aus dem Verkehr gezogen über die Drogen und haben dann ein positives Erlebnis mit Lesben angefangen.“


Jan Feddersen: „Bevor wir das jetzt ’lindenstrassig’ ausufern lassen, will ich von den beiden Autorinnen wissen: Wie ist es eigentlich dieses Thema überhaupt anzubieten? Also ich weiß das aus meiner Redaktion: Irgendwie finden die Leute das auch alle interessant. Aber vielleicht ist es auch nur ein ’Vorurteil’, weil es eben die taz ist und vielleicht nicht die Bildzeitung. Kann man das anbieten? Ist das z.B. akzeptabler geworden, weil solche Themen auch durch die Lindenstraße mit transportiert werden?“

Claudia Friedrich: „Okay, nun arbeite ich nicht für die Bildzeitung, sondern für WDR 5 Hörfunk und ich glaube, der WDR hat schon rechtzeitig begonnen, sich mit Homosexualität auseinander zu setzen. Also es gibt schon seit 1968 immer wieder im WDR Hörfunk Beiträge zur Homosexualität und für mich war es jetzt nicht schwer das anzubieten. Ich glaube, es war so ein bisschen eine Form der ‚Exotik’: Es war da ein großes Interesse und eine Neugier und auch ein Erstaunen.“


Margot Weber: „Ja und was den Zeitschriftenbereich betrifft, war es so, dass verstärkt Leserbriefe kommen und zwar Leserbriefe vermehrt auch von Lesben, die Kinder haben und Kinder gemeinsam groß ziehen. Seit ungefähr zwei, drei, vier Jahren bekommen ‚Eltern’ und ’Eltern for Family’, für die ich viel arbeite, verstärkt solche Leserbriefe. Dann haben wir uns dann letzten Winter gedacht: Na ist doch wunderbar, jetzt machen wir mal ne ganz große Geschichte, suchen richtig viele Fälle und die Experten dafür. Und so haben wir im Frühjahr eine große Geschichte gemacht. Drei Familien groß vorgestellt in ihren Biografien mit ihren Kindern. Das Echo darauf war nicht weiter bemerkenswert - um es mal so zu sagen. Also es kamen ganz zustimmende Briefe. Ich hatte doch gedacht, vielleicht protestieren ja Leser und sagen, das will ich jetzt gar nicht lesen in meinem konventionellen Elternblatt über die Mutter-Kind Familie. Da möchte ich jetzt nichts über Regenbogenfamilien wissen. Und diese erwartbare Kritik blieb komplett aus. Also es war eine große Resonanz auf diesen Artikel und die war weitgehend positiv.“

Jan Feddersen: „Valentin Thurn - kann man das vielleicht ein bisschen begreifen als die große ’liberale Schmusedecke’, die die Heteros über unsere ganze Szene ausbreiten oder -werfen? Und ist das so, dass man mit solchen Themen im Prinzip landen kann, aber es interessiert nicht wirklich? Wie waren die Reaktionen, die Du erlebt hast?“

Valentin Thurn: „Also ja und nein. Ich hab beides erlebt. Ich hab vor fünf Jahren einen Film gemacht über ein lesbisches Paar, das zur Insemination nach Holland gegangen ist. Da gab es großes Interesse. Als ich dann dieses Thema weiter verfolgte, gab es einige Interviewpartner/innen, die meinten, wenn es sich um zwei Frauen dreht, ja das kann man sich ja noch vorstellen, aber zwei Männer, nee, ‚da fehlt mir doch die Mutterbrust’.


Ich habe mich dann weiter mit dem Thema ‚zwei Männer, die Kinder großziehen’ beschäftigt und das war nicht so ganz leicht. Das Thema stößt auf sehr viel größere Widerstände. Aber diese Widerstände waren nicht so leicht zu überwinden, weil die Leute das nicht so gerne zu geben. Man will ja doch nicht schwulenfeindlich erscheinen. Aber es schwingt so was mit, von wegen Pädophilie könnte da sein. Es gib da sehr starke Vorbehalte.“

Jan Feddersen: „Aber wenn ich mich z.B. jetzt hier im Publikum, sagen wir mal im restlichen, dem Regen trotzenden Publikum umgucke, sieht das Verhältnis ‚Frauen zu Männern’ ungefähr ’80:20’ aus. Also offenbar zu Gunsten der Lesben. Was ja offenbar wirklich ein Hinweis darauf ist, dass Frauen sich eigentlich wirklich mehr für dieses Thema interessieren.“

Valentin Thurn: „Das ist natürlich auch leichter für ein Frauenpaar an ein Kind zu kommen als für ein Männerpaar. Also das ist ganz banal. Aber hinsichtlich der Tatsache, dass dieses Thema ‚schwule Männer und Kinder’ in der Gesellschaft stärker tabuisiert ist, ist mir folgendes aufgefallen: Beim ZDF gibt es so eine Einrichtung, die nennt sich ‚Forum’. Im Internet können sich unmittelbar nach der Sendung Zuschauer melden. Nun, es gab sehr viel Zustimmung - ungefähr die Hälfte der Zuschriften. Aber in mehreren 100 – in der anderen Hälfte - kamen doch Vorbehalte auf. Also die typischen Vorbehalte natürlich: Die Kinder, die werden dann mal selber schwul. Da fehlt doch der weiblich Pol. Es war klar eine stärkere Tabuisierung bei den Zuschauern zu bemerken als bei dem Frauen-paar.“

Jan Feddersen: „Wie ist das Peter-Philipp Schmitt in deiner Zei-tung, wenn du so ein Thema mal vorschlagen würdest? Wäre das mit einer lesbischen Besetzung einfacher als mit einer schwulen?“

Peter-Philipp Schmitt: „Also ich denke mal, es wäre vermutlich einfacher mit einer lesbischen Besetzung. Ich hatte bis vor sechs Wochen von dem Thema ‚Regenbogenfamilien’ selbst fast keine Ahnung. Also ich habe immer gedacht, Regenbogenfamilien, da gibt es eine - das ist Patrick Lindner und sein Partner mit Kind. Ich hatte nie das Gefühl oder das Empfinden, das Lesben oder Frauen, die leibliche Kinder haben und dann mit einer Frau zusammen leben, dass die als Regenbogenfamilien fungieren. Das war mir überhaupt nicht bewusst.

Ich sträube mich auch so ein bisschen gegen diesen Begriff ’Regenbogenfamilien’. Ich find den eigentlich sehr künstlich, ich find den sehr negativ, weil er dieses Andersartige noch mal unterstreicht.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie ich meine Redaktion kenne - die sind alle sehr neugierig, alle sehr interessiert -, dass die ohne Probleme das Thema in die Zeitung nehmen. Die werden aber bestimmt nicht damit einverstanden sein.“

Jan Feddersen: „Aber das würden die professionell nicht zum Ausdruck bringen?“

Peter-Philipp Schmitt: „Nein, ich glaub schon, Sie würden das schon sagen. Aber auf jeden Fall kann man das ordentlich recherchiert in die Zeitung bringen. Da sehe ich überhaupt kein Problem.

Also ich hab sehr viel Homosexualität schon in die Zeitung gebracht und da ist wirklich sehr viel Neugierde da. Allerdings natürlich gibt es auch sehr viele Vorbehalte, grade natürlich bei der FAZ, das ist verständlich.“

Jan Feddersen: „Jetzt noch mal eine Frage an unsere Lindenstraßen-Helden – also an Sybille als auch Hans W. Geißendörfer: Lässt sich da eigentlich etwas messen? Als der Flöter plötzlich als schwul lanciert wurde, die Schildknecht dann später lesbisch wurde und jetzt auch noch ein Kind kriegen will. Gibt es da einen Wandel des Zeitgeistes? Gab es z.B. am Anfang die Prügel und mittlerweile ist es nur zu einem normalen konservativen Murren ‚verdimmt’? Oder wie müssen wir uns das vorstellen? Ich habe keine Ahnung, wie die Zuschauerreaktionen auf all diese Einfälle sind.“

Sybille Waury: „Die Zuschauerreaktionen auf den Einfall, dass es höchstwahrscheinlich ein Kind in unserer lesbischen Beziehung geben wird, gibt es ja noch nicht - weil das Kind noch nicht existiert.

Die Zuschauerreaktionen auf den ersten schwulen Kuss waren riesig. Da wurde sich auch sehr politisch eingemischt: Das wollte man verhindern.

Als die Schwulen dann ein Kind adoptiert haben, da war der Aufschrei schon nicht mehr so groß. Obwohl ja auch ganz klar gemacht wurde, die durften dieses Kind nur zu sich nehmen, weil das Kind HIV-positiv ist.

Das ist ja wohl auch ein riesiges Problem: ‚Klar man(n) darf Kinder adoptieren, aber nur Problemkinder. Was mir auch nicht klar war, was ich auch wieder dazu gelernt habe, dank der Serie.’


Also es scheint eine sehr große Wandlungsfähigkeit zu geben in diesem Lande und es werden ganz andere Sachen akzeptiert.

Also wir sind gespannt. Wir hoffen natürlich, dass eine Aufmerksamkeit auch dadurch entsteht, dass Leute sich dagegen wehren und sagen, dass sie ein Problem damit haben. Weil ich glaube, nur dadurch kann man solche Probleme auch aus der Welt schaffen.“

Jan Feddersen: „Wie haben Sie das erlebt?“

Hans W. Geißendörfer: „Na ja, wir haben ja von Anfang an den Carsten. Der war von Anfang an schwul und der hat sich irgendwie in der 30. Folge dann bei seiner Mutter geoutet.

Die Reaktion vom Publikum war Neugierde und wesentlich sympathischer als man das erwartet hat - als die Gewaltigen, also die zu den Inhalten ja oder nein sagen können bei der ARD, das vermutet haben.


Es gab dann sehr viel böse - also Abwehrreaktion - von kirchlicher Seite, wenn es dann zum sexuellen Verkehr kam und wenn das Ganze lebendiger wurde.

Aber im Prinzip glaube ich - zur Frage von vorhin - zur Zeitgeist-Veränderung: Ich glaube, dass die frühe intensive Beschäftigung mit dem schwulen Leben in der Lindenstraße schon ein bisschen dazu geführt hat, dass nicht nur die Medien sich für das Thema mehr öffneten - also heute gibt es ja in jeder seriösen Serie ’den Schwulen vom Dienst’ oder ‚die Schwule vom Dienst’. Das ist ja nicht mehr nur Lindenstraße. Das hat sich schon liberalisiert und ich glaube auch, dass das Publikum selbständiger mit der schwulen Szene, mit dem schwulen Nachbarn umgeht und die Diskriminierungen weniger geworden sind, obwohl sie natürlich immer noch vorhanden sind.“

Margot Weber: „Ich würde gern etwas anfügen was den ‚Printbereich’ betrifft. Es gibt ja nun die Annahme - also Zahlen sind ja schwer zu bekommen - dass zwischen 3 und 10 % - so glaube ich, in der Bevölkerung schwul oder lesbisch sind. Und man geht davon aus, dass vermutlich ungefähr 700.000 Menschen in Deutschland leben, die schwul und lesbisch sind und aus früheren Partnerschaften Kinder haben. Das ist natürlich auch eine Klientel, die sich irgendwo wieder finden muss und wieder finden wird. Insofern ist es, glaub ich, auch überhaupt kein Thema, dass das verstärkt Thema werden wird. Diese 700.000 Menschen mit Kindern sind ja Hörer, Käufer, Leser. Ich glaube, diese 700.000 Menschen artikulieren sich in den vergangenen Jahren immer mehr und immer stärker. So nehme ich an, dass das Thema auch immer stärker aufgegriffen werden wird, weil mehr Interesse deutlich wird. Ich glaube, dass das Thema im ‚Printbereich’ eher wachsen wird - also dass das zunehmen wird, dass dieses Thema diskutiert wird in den nächsten Jahren.“

Claudia Friedrich: „Das bleibt zu hoffen. Noch sehe ich eben, dass es dann akzeptiert ist, wenn es eine ‚Spartengeschichte’ ist. Wenn wir schwule oder lesbische Familien extra in einer extra Geschichte haben oder in einem extra Beitrag.

Aber dass sie selbst beständig einfach in anderen Themen mit drin sind, wie z.B. in Familienthemen, dass sie z.B. auf Bildern vorkommen in Themen, wo es um völlig andere Dinge geht als um homosexuelle Elternschaft, das sehe ich eben noch nicht.

Und ich denke solange es eine Sparte ist, solang finden es die Leute super gut, solange wird es gesehen, wird es gelesen und … dann wird es ad acta gelegt.

Sind sie, die lesbischen Mütter, schwulen Väter und ihre Kinder, aber eben kontinuierlich mit vorhanden, ich glaub, da ist dann der Widerstand auch größer.“


Margot Weber: „Ich glaube, der Punkt ist: Das Thema ist vergleichsweise neu in den großen Publikumszeitschriften, dass man es derzeit nur als ‚Spartenthema’ machen kann. Ich glaube, es wird einfach die Zeit geben, in 2-3 Jahren. So wie jetzt, wenn man Partnerschaftsgeschichten macht in großen Zeitschriften, dann tauchen auch ganz normal in diesen Partnerschaften schwule Paare und lesbische Paare mit auf. Also haben wir dieses Biotop verlassen. Für das Thema Regenbogenfamilien, glaube ich, ist das jetzt 2005 vielleicht noch ein bisschen zu früh.“

Jan Feddersen: „Ich glaube, dass die meisten Heteros sich gar nicht mehr echauffieren, also gar nicht mehr besonders übel reagieren, sondern im ‚Printfalle’ oder im Radiofalle entweder einfach umblättern oder sich einen neuen Sender suchen. Es sei denn man macht es wie in der Lindestrasse, da sind die Figuren eingebettet in ganz langwierige Geschichten.

Jetzt ein Frage an alle: Der Flöter, oder besser Georg Uecker, ist ja in der Schwulenszene lange, lange gehässig angemacht worden, weil er so außergewöhnlich spießig lebt. Weil er alles so macht, wie es auf einem CSD normalerweise nicht propagiert wird. Die schwule Selbstpropaganda läuft ja zu einem guten Teil auf ‚Party, Party, Party’ hinaus. Das ist ja nicht sonderlich kompatibel mit der Vorstellung von ’Familie’. Kann es sein, dass es alleine schon deswegen in der öffentlichen Sichtweise schwierig ist, homosexuelle speziell schwule Eltern außerhalb von Patrick Lindner zu etablieren? Sehe ich das völlig falsch?

Schwule Eltern sind eigentlich immer entweder so wie die Lindners, die meinen sie müssen klinisch rein sein, oder sie müssen - wie auch in deinen Filmen Valentin – Designer sein oder Blumenhändler. Also da tauchen nie so ‚normale’ Leute auf ….“

Valentin Thurn: „Also zwei von diesen Männern aus meinem Film stehen gerade hier vor uns im Publikum und lachen sich schlapp … Also seid gegrüßt.

Ich hatte natürlich als Kölner ein Bild von der Szene, das stark vom CSD geprägt ist. Ich hatte dann auch einen schwulen Nachbarn und mein schwules Bild wurde dann ein bisschen anders.


Wenn ich in die anderen ‚Welten’ kam, dann hab ich eigentlich festgestellt: Mensch, die sind ja ganz schön normal. Da habe ich mich auch in meinen Filmen bemüht, diese Normalität rüber zu bringen. Das ist vielleicht jetzt nicht das, was in den ganzen Talkshows auf RTL und anderen Sendern läuft. Da wird eher dieser schrille Bestandteil erzählt. Auch bei den schwulen Eltern ist es of besonders extrem und Normalität wird eigentlich gar nicht dargestellt.

Ich fand sie relativ normal, schon fast langweilig.“

Sybille Waury: „Ich hab mich natürlich mit dem Thema auch erst dann intensiv beschäftigt, als es auf mich zukam, als Rolle.

Die „Normalität“ mit der das Beamtentum damit umgeht, fand ich ziemlich irrsinnig. Es wird zwar aufgenommen, aber es findet eine ganz klare Diskriminierung statt in Negativaspekten: Wenn der Kindergartenbeitrag berechnet wird, dann gilt die Lebenspartnerin, aber wenn es um irgendwelche positiven Einflüsse geht, dann ist die Lebenspartnerin plötzlich ein WG-Mitglied.

Dass man mit so was durchkommt und dass das nicht zu ändern ist, das hat mich wahnsinnig erschrocken, obwohl es ja eingetragene Lebensgemeinschaften gibt.

Aber das finde ich unglaublich und da gibt es auf der einen Seite Normalität, so ‚es darf euch geben’ und ‚ihr seid trotzdem nicht gleichberechtigt’. Das fand ich schrecklich.“


Valentin Thurn: „Das ist so eine Dualität: Einerseits hatten wir bei unserem Film das große Problem, Prominente oder Politiker zu finden, die sich explizit gegen schwule und lesbische Familien aussprechen. Also vor die Kamera zu treten und zu sagen: Wir sind dagegen, weil … Da haben wir auch nur am rechten Rand von der CSU einen gefunden und noch nicht mal der Meißner (Kölns Kardinal) wollte das tun. Es war wirklich schwierig so jemanden zu finden.

Gleichzeitig aber hört man von vielen Leuten unterschwellig immer ‚na ja wenn diese Kinder in solchen Familien groß werden, die werden doch selber mal lesbisch oder schwul’. Und dies auch in intellektuellen Kreisen – dies zeigte z.B. einer der letzten Themenaben-de bei ARTE – normalerweise liebe ich diesen Sender – aber die Franzosen haben ein etwas anderes Verhältnis zu lesbischen und schwulen Lebensformen, so scheint es mir. Da gab es dann aus Kalifornien besonders schrille Beispiele, wo Töchter von lesbischen Müttern selber lesbisch wurden.

Wenn man lange genug sucht, dann findet man sie natürlich – die schrillen Beispiele - und kann vermeintlich beweisen – ja, so ist es – und das wird mit allen Kindern lesbischer Mütter so werden.


Da transportiert man natürlich das unterschwellige Vorurteil weiter. Es ist also noch lange nicht ausgeräumt!“

Jan Feddersen: „Muss man immer mitdenken - als gerade auch in einer doch konservativen Zeitung wie der FAZ – was in den Köpfen der Leser vorgehen mag. Die denken sich bestimmt: ‚In schwul-lesbischen Familien, die verführen doch?’“

Peter-Philipp Schmitt: „Man muss es nicht mitdenken und man sollte es auch nicht mitdenken. Ganz im Gegenteil, ich finde man sollte seine Geschichte schreiben, so wie man das möchte. Man kann natürlich nicht gegen den Leser anschreiben, sonst hat man irgendwann keine Leser mehr. Aber ich glaube nicht, dass man mit der Schere im Kopf schon von vornherein den Artikel machen sollte.

Was ich aber noch mal zum ‚schwulen Thema’ sagen wollte, ich glaube bei schwulen Vätern, die alte Problematik ist dabei einfach, dass man unterschwellig immer das Empfinden oder das Gefühl hat oder viele, das hab ich auch so in den letzten Wochen gehört, bei Kollegen oder im Bekanntenkreis: Die sind doch sowieso nicht treu; die sind doch gar nicht in der Lage, langfristige Beziehungen einzugehen usw.. Aber da kann man dann gar nicht argumentieren und sagen: Na ja, das ist bei den Heteros ja genauso – die betrügen sich und da gehen Ehen auch kaputt.

Das kommt immer bei dem Thema mit rein.

Also bei lesbischen Beziehungen da hat man immer so den Film - die Frauen, na ja, die sind dann zum Wohle der Kinder; aber die Männer, die Schwulen, die achten ja dann nicht auf das Kind.


Das beste Beispiel wurde mir dann immer gesagt, ist Patrick Lindner: ‚Ja da habt ihr es ja jetzt. Jetzt sind sie getrennt und das arme Kind? Was wird aus dem armen Kind?’“

Jan Feddersen: „Na ja, Uschi Glas hat sich ja auch scheiden lassen.“

Peter-Philipp Schmitt: „Klar, aber bei den Schwulen heißt es immer sofort – na ja, so sind sie halt DIE Schwulen. Auch wenn es bei Den Heteros wahrscheinlich letztlich genauso ist.“

Jan Feddersen: „Eine Frage an meine beiden Kolleginnen: Ist es nicht so, dass wir im Grunde genommen – so wie wir in den Medien arbeiten – gegen eine Wand von geheimen Ressentiments insgeheim anschreiben?“

Claudia Friedrich: „Innerhalb der Redaktion, heißt das?“

Jan Feddersen: „Ja, es traut sich ja keiner zu sagen, nee, das Thema wollen wir nicht, das Thema ist schrecklich.“

Margot Weber: „Ich glaube, wenn Zeitschriften das Thema wirklich nicht wollen würden, dann würden sie es nicht machen. So pragmatisch ist man, glaube ich gar nicht, im Kampf um Auflage und um Leser. Ich glaube, dass man das Thema macht, weil man es möchte und weil man damit auch eine Leserschaft erhofft und eine Leserschaft findet.

Ich glaube, so offen sind Chefredakteure, dass sie dann sagen, ’bleib mir doch mit diesem Quatsch vom Hals, wir machen das einfach nicht!’ Also ich hab nur ne ganz normale Offenheit erlebt bei dem Thema: ’Lass uns das Thema machen, das ist schön, das interessiert die Leute und jetzt schauen wir mal, wie es ankommt’.“

Claudia Friedrich: „Na ja, vor allem muss man sich auch selbst immer wieder hinterfragen, was man selbst für Klischees und Bilder im Kopf hat.

Also wenn man in den Zeitungen liest oder in Beiträgen hört – wie wir es eben bei uns in der Diskussion gehört haben - bei den Lesben ist es ja alles um ein vielfaches besser und die sind ja viel symbiotischer und die leben viel länger zusammen und … und.

Dagegen habe ich gelesen in der Zeit oder im Freitag, dass es da ja so schräge Schwangerschaftsbeschaffungstechniken gibt, mit denen die sich herumschlagen. Oder dass man an dem Paar sofort sieht, das ist die leibliche Mutter, denn sie ist mütterlich und etwas rund, und die andere ist burschikos, das ist dann die Co-Mutter. Und ich denke, da lauern dann diese kleinen Teile der selbst tradierten Klischees, die da weiter getragen werden. Das dann Bilder kreiert werden oder weiter tradiert werden, die einfach gesellschaftlich da sind.

Ich denke, die Mauer der Ressentiments die springt einem gar nicht so sehr von außen entgegen, sondern die bildet man auch selber mit ab. Das passiert ganz oft und sehr subtil.“


Jan Feddersen: „Wäre es nicht eigentlich eine schöne Welt, wenn man nur noch mit diesen Klischees zu kämpfen hätte?“

Peter-Philipp Schmitt: „Ich denke ja. Also ich musste gerade lachen, weil ich jetzt auch schon ganz viel gelesen habe und da ging es auch immer ganz stark darum, wer ist denn jetzt die ’Mama’ und wer ist der ’Papa’. Und die bezeichnen sich dann selber immer noch so: Da waren dann zwei Väter und der eine war dann die ’Papama-ma’ und der andere war der ‚Papapapa’. Da habe ich auch gedacht: Also wie schräg muss es eigentlich noch werden?“

Jan Feddersen: „Also nur mal so nebenbei gefragt – weil wir die Rolle ja auch hier auf dem Podium brauchen: Ist es nicht tatsächlich so, dass ein Kind Vater und Mutter braucht? Schreibt man da nicht so ein bisschen an dem vorbei, was insgeheim eigentlich die meisten denken?

Ich meine, wir alle stammen ja aus solchen Konstruktionen.“

Sybille Waury: „Also, viele Väter waren ja auch immer abwesend, viele Mütter haben sich traditionell auch nicht um ihre Kinder gekümmert. Kinder sind ja schon immer in den seltsamsten Konstellationen aufgewachsen.

Ich glaube, auch als Mutter von zwei Kindern, es tut der Mutter, dem Vater - wie auch immer - es tut allen Menschen gut, wenn sie bei der Kindererziehung Unterstützung haben - ob das nun durch ne zweite Mutter, einen dritten Vater oder irgendeinen geschiedenen Mann ist, der auch noch mitmischt.


Es ist einfach schwierig, Kinder groß zu kriegen. Aber wer welchen Part übernimmt oder wie eine Mutter zu sein hat, das ist einfach, glaube ich, auch nicht tradiert. Wir entstehen eben nicht alle aus der gleichen Art Familie.“

Claudia Friedrich: „Ich denke, das wird auch immer vor dem Hintergrund einer Geschlechterstereotypie gesehen. In so einem Moment wird dann gesagt, also es ist der Vater und es ist die Mutter - die müssen einfach da sein.

Dabei gibt es so viele Bezugspersonen. Es gibt männliche Bezugspersonen in den lesbischen Beziehungen. Oftmals haben die viel häufiger die männlichen Bezugspersonen bei sich, z.B. die Onkel, die Brüder oder was weiß ich, als tatsächlich in heterosexuellen Familien, wo der Vater eigentlich ständig abwesend ist. In heterosexuellen Familien werden Kinder sehr oft fast ausschließlich mit den Müttern groß.“

Hans W. Geißendörfer: „Darf ich dazu ganz kurz mal was sagen? Also ich selbst bin vaterlos aufgewachsen, bin nur von Frauen erzogen worden. Ich hab in meinem eigenen Leben kapiert, dass die Bezugsperson wichtig ist, aber es ist völlig ‚wurscht’, welchen Verwandtschaftsgrad sie zu dir hat. Und zwei Lesben, zwei Frauen, die brauchen natürlich Bezugspersonen außerhalb ihrer Beziehung - Freunde, wie sie das gerade auch schon gesagt hat.

Aber die Idiotie, dass Vater und Mutter - nur Vater und Mutter - die heile Familie bilden können, die ist längst überlebt und das Gegenteil ist bewiesen.


Sie können mit drei Frauen einen wunderbaren Kindergarten machen und haben eine tolle Familie zuhause und sie können das mit drei Männern. Wichtig ist, dass die Kinder geöffnet werden, dass sie die Freunde, die gegengeschlechtlichen Beziehungen woanders finden, dass man es ihnen nicht verbietet, dass man keinen Machtanspruch ausübt.

Aber Vater und Mutter als ‚Mann und Frau’ sind meines Erachtens nun wirklich ein alter Zopf.“

Margot Weber: „Hierzu noch eine kleine Ergänzung, weil ich bei der Recherche bei schwulen und lesbischen Familien immer gefragt habe, verstehen Sie sich als Familie? Was ist Familie für Sie? Was bedeutet Familie? Und daraufhin sagte eine Mutter einen sehr schönen Satz. Sie sagte:

’Familie ist da, wo Kinder sind und es ist vollkommen egal, ob das nun zwei Frauen oder zwei Männer sind oder ne Heterobeziehung.


Sondern durch die Kinder ist die Familie als Familie definiert.’ Das fand ich die absolut passende Definition dafür.“

Valentin Thurn: „Da scheinen wir uns ja alle einig zu sein. Ich habe allerdings festgestellt, dass diese Frage ‚fehlt da nicht der Vater oder die Mutter’ bei ganz vielen im Hinterkopf steckt. Und ich hatte da ein schönes Erlebnis gerade mit Guido und Thomas, die hier vor mir stehen, bei der Lehrerin, vielleicht könnt ihr Euch erinnern. Die Lehrerin, die sich nicht traut zu sagen, da fehlt die weibliche Bezugsperson’ und dann so ein bisschen verschämt sagte, ’na, ja, vielleicht kann ich das ja ein bisschen sein’, woraufhin die beiden zurecht in die Luft gingen und sagten: ’Glauben Sie, wir haben keinen weiblichen Umgang für das Kind?’ Das ist etwas worüber sich der ‚Mann auf der Strasse’ Gedanken macht bzw. diese Vorstellung hat und meine Erfahrung bestätigt genau das Gegenteil: Lesbische Mütter und schwule Väter achten verstärkt darauf, Bezugspersonen des anderen Geschlechts im sozialen Umfeld zu haben.“

Jan Feddersen: „Zum Abschlussstatement: Was glaubt Ihr, wie es mit dem Thema weitergehen wird? Wird das Thema ‚Regenbogenfamilien’ sich weiter in den Medien halten können? Und werden eurer Meinung nach Schwule und Lesben weniger als Partiegemeinschaft und mehr als Familien in den Medien wahrgenommen werden?

Wie wäre das z.B. für euch in der Lindenstraße, wenn Schwul-Lesbisches alltäglicher würde. Das würde etwas von dem Dramatischen aus eurer Sendung nehmen, oder?“ 

Hans W. Geißendörfer: „Wir haben schon gedacht, dass das ’Alltäglichwerden’ stärker würde vielleicht auch auf dem Hintergrund der liberalen Regierung. Aber bei der Entwicklungen im Moment - bin ich da nicht so sicher.

Ich weiß nur, dass bei uns in der Lindenstraße vom ersten Tag an Schwule ‚ganz normal anders’ dabei waren. Und so wie ich nicht anders kann, wird das auch so bleiben. Und auch unsere Lesben werden ganz normale Kinder bekommen und sie mit großer Besorgnis und Sorgfalt aufziehen.


Und ich kann mir auch vorstellen, dass homosexuelle Paare mit ihren Kindern zärtlicher und sorgfältiger umgehen aufgrund der Vorbehalte ’das wird doch nie was’ als es bei vielen heterosexuellen Eltern der Fall ist.

Ich kann nur sagen, hier in der Linderstrasse: ‚Wir machen so weiter!’ Und es war ein tolles Erlebnis, das zu drehen, wie Tanja mit dem dicken Ballon schwanger war. Also gedreht haben wir schon und was das dann wird, oder nicht wird, das wird sich dann zeigen.“  

Sybille Waury: „Ja, ich kann mich da nur anschließen. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass es ein ganz normaler Weg werden kann, Kinder zu kriegen und mit Kindern umzugehen und Kinder aufzuziehen. Ich freue mich da sehr drauf.“

Jan Feddersen: „Und die schreibende Zunft, wie sieht es da aus?“

Claudia Friedrich: „Beide Seiten bei Lesben und Schwulen - sowohl die Partiekultur als auch die Familien - werden wohl Thema in den Medien sein.

Hier in der Hand halte ich einen kleinen Artikel, da heißt es: Ein Kind hat im Kindergarten einen Regenbogen gemalt. Da waren die Mütter hoch besorgt und das Kindergartenpersonal hat zugesagt, dass sie die Stifte, d.h. die Stiftfarben reduzieren - weil dass ja homosexuell ist. So lange wird Schwul-Lesbisches Thema sein, solange das jemand aufregt.“


Jan Feddersen: „Könnte ’Regenbogenfamilien’ auch ein Schwerpunkt sein von schwul-lesbischem Leben, der dann auch den Weg in die FAZ einmal findet?“

Peter-Philipp Schmitt: „Natürlich kann ich mir vorstellen, dass das Thema irgendwann von der FAZ aufgegriffen wird. Obwohl ich im Moment eher den Eindruck habe, das ‚Schwule oder Lesben’ als Thema weniger realisierbar sind, ganz einfach, weil es so zur Normalität wird, dass es das Exotische, Schrille, Schräge und das Bunte verliert.“

Valentin Thurn: „Ob das so zur Normalität wird, da bin ich mir nicht so sicher. Es würde sicher in den Medien viel Aufmerksamkeit erhalten, wenn z.B. eine neue andere Regierung dazu führen würde, dass die rechtlichen Veränderungen zur Gleichberechtigung von Homosexuellen - das Lebenspartnerschaftsgesetz – wieder rückgängig gemacht würden.“

Hans W. Geißendörfer: „Na, das trauen die sich nicht.“

Jan Feddersen: „Ja, das trauen die sich nicht. Lassen wir das einfach mal so stehen.

Ich danke allen auf und vor dem Podium, dass sie sich heute die Zeit genommen haben hierher zu kommen und wünsche allen einen schönen Kölner CSD.“