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Dokumentation

Pressemeldung von

29. November 2005

Der Vatikan - Weisung fehlt es an Weisheit

Gemeinsame Pressemitteilung der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) und des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD)


Der Vatikan setzt ein weiteres fatales Zeichen in seinem Kampf gegen die Akzeptanz von Homosexuellen. Es betrifft die Priesteranwärter, zielt aber auf alle Homosexuellen. Bekannt sind die früheren Versuche des Vatikans, durch Druck auf katholische Politiker die Gleichstellung von Homosexuellen im staatlichen Bereich zu verhindern. Jetzt wird auch gegen Homosexuelle in den eigenen Reihen vorgegangen. Dass Homosexuelle nicht zum Priesteramt zugelassen werden sollen, stellt ein Signal dar, dem deutlich widersprochen werden muss. Dies ist nötig, auch wenn die Betroffenen „nur“ eine kleine Gruppe sind, im Verhältnis zur Gesellschaft im Ganzen oder auch zu den Gemeinden insgesamt.

Die Weisung widerspricht sogar der eigenen Forderung „Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen“ (Weltkatechismus, 1994). Das Papier verlangt von Priesteramtskandidaten, dass sie keine „tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen“ haben. Dies wird dazu führen, dass schwule Kandidaten, selbst wenn sie wie gefordert zölibatär leben, ihre Identität verleugnen und versuchen werden, sich eine heterosexuelle Persönlichkeit zuzulegen. Kontakte, auch seelsorgerlicher Art, zu Schwulen werden sie unterlassen, um sich keinem Verdacht auszusetzen. Vergleichbare Forderungen, die weit über den allgemeinen Pflichtzölibat hinausgehen, werden an heterosexuelle Kandidaten nicht gestellt.

Mit Ignorieren heutiger Erkenntnisse der Humanwissenschaften und mit Verboten setzt der Vatikan auf die Dominanz einer einseitig auf Fortpflanzung gerichteten Sexualmoral. Der Weisung fehlt es an Weisheit. Es ist zu fürchten, dass die Forderungen zu einem Klima der Einschüchterung und des Versteckens führen. Weder der Allgemeinheit noch der römisch-katholischen Kirche selbst wäre damit gedient.

Dr. Reinhold Weicker, Pressesprecher der HuK, 05251/66018, presse@huk.org

Renate H. Rampf, Pressesprecherin des LSVD, 030/78954778, presse@lsvd.de