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Dokumentation

Pressemeldung von LSVD-Pressedienst

04. Juli 2005

Gleichberechtigung für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender

Rede von LSVD-Bundessprecher Philipp Braun beim Kölner CSD


Hallo Liebe Freundinnen und Freunde!

Am 18. September werden voraussichtlich Bundestagswahlen sein.

Dabei geht es auch um unsere Rechte!!

Der Lesben- und Schwulenverband fordert in seinen Wahlprüfsteinen Gleichberechtigung für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender.

Das vom Bundestag verabschiedete Antidiskriminierungsgesetz garantiert  Alten, Behinderten, Frauen, ethnischen Minderheiten, Juden oder Muslimen  und Lesben- und Schwulen den diskriminierungsfreien Zugang zur Arbeitswelt und insbesondere Schutz vor Diskriminierung im Zivilrecht.

Wenn das ADG von Merkel und Westerwelle im Bundesrat ausgebremst wird, bleibt es weiter legal in Deutschland, Behinderte aus Restaurants zu verweisen, einer türkischen Familie keine Wohnung zu vermieten und Schwulen eine Lebensversicherung zu verweigern.

Beim Kölner CSD unter dem Motto „Lebenslang Liebes:würdig“ fordern wir von CDU und FDP im Bundesrat das Antidiskriminierungsgesetz nicht zu blockieren – damit auch in Köln Alte und Lesben und Schwule vor Diskriminierung geschützt werden.

Wir fordern, dass Lebenspartner mit Eheleuten bei den Rechten gleichgestellt werden - Nur das ist fair!!

Die gleichen Pflichten haben Sie ja schon.

Aber wir machen auch klar: langfristig fordern wir die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule – und damit die vollständige Gleichstellung.

Das haben uns Kanada und Spanien diese Woche eindrucksvoll demonstriert!!

Viva Espana! Viva Zapatero!

Der LSVD schaut aber auch über den deutschen Tellerrand hinaus.

Wir fordern in unseren Wahlprüfsteinen die Parteien auf, sich für die Bürger- und Menschenrechte von Lesben und Schwulen in Europa und in der ganzen Welt einzusetzen.

Mit Bestürzung haben wir vom Verbot des CSD in Warschau gehört und auch von den Schüssen auf eine Vertreterin der Kampagne gegen Homophobie in Katowice.

Vor drei Wochen wurde in Warschau der CSD gefeiert, als verbotene Demonstration. Ein machtbesessener profilneurotischer Bürgermeister, der Präsident werden möchte, ist sich nicht zu schade, die Verfassung zu brechen und dann noch die polnischen Polizisten anzugreifen, die die friedlichen Teilnehmer der Demonstration vor Steinewerfern schützten.

Wir bitten Euch alle: Unterstützt Gay Solidarnosc im  Kampf für die Demonstrationsfreiheit – Infos dazu findet ihr auf unserer Webseite www.lsvd.de!

Am letzten Donnerstag wurden beim CSD in Jerusalem drei TeilnehmerInnen durch einen fundamentalistischen Messerstecher verletzt. Die Fundamentalisten schleuderten auch Exkremente auf die Demonstranten!!

Lesben und Schwule und unsere Freunde in Deutschland sind hier zur Solidarität aufgerufen.

Die klaren Worte von Oberbürgermeister Schramma gestern zu Warschau haben uns sehr gefreut.

Der LSVD arbeitet in der „International Lesbian and Gay Association“ mit Gruppen aus 90 Ländern zusammen.

Wir freuen uns heute hier zwei mutige und visionäre Vertreter von ILGA Mitgliedsorganisationen vorstellen zu können.

Sie sind mit freundlicher Unterstützung von Puma diese Woche in Deutschland zu Gast.

Maxim Anmeghichean kommt aus Moldawien – dem ärmsten Land Europas zwischen Rumänien und der Ukraine. Er hat dort die Gruppe GenderDoc aufgebaut.

Maxim wird ab September für ILGA-Europe hauptamtlich darin mitwirken, dass es in der gesamten ehemaligen Sowjetunion starke schwullesbische Gruppen gibt.

 

Maxim Anmeghichean:

Hello to everyone from sunny Moldova!

The lesbian and gay community of my country lives in fear. Discrimination, hatred and violence are not abstract words for Moldovan LGBT people, it became our lifestyle.

Someone said that fighting for homosexual rights is like being at war, and at the war people get wounded, at war people die.

Gays and lesbians in Moldova are wounded as well: beaten up and thrown out of the house by their parents. Blackmailed, beaten up and even raped by the police. Intimidated by the state, which actively promotes homophobia in Moldovan society.

Moldovan parliamentarians openly declare that homosexuals are worse than animals and fallen before the face of God and the society at large.

Moldovan newspapers ignore the subject of gay and lesbian rights, Moldovan public authorities refuse us the right to have a parade.

Over 15 gays and lesbians in Moldova were killed in the past 10 years because of their sexual orientation. And these are only known cases.

But we are not alone in our struggle, when we are supported by European Union countries, such as Germany. Although under the European Union Neighbourhood Action Plan Moldova has undertaken the obligation to implement anti-discrimination legislation for minorities, this obligation is not reflected in governments actions.

International pressure can remind Moldova of its obligations. You can make our voices heard!

I would like to mention, that in Europe exists an organisation that unites LGBT movements from over 40 European countries – ILGA-Europe.

To fight against violence and discrimination ILGA-Europe is working on networking LGBT groups in over 40 states in Europe. It tries to put LGBT rights on the agenda of the European Union, Council of Europe and the Organisation for Security and Cooperation in Europe (OSCE).

After Buttiglione´s withdrawal from the EU Commission we were promised by Barrosso to put human rights and equality at the heart of EU policy. We now need the support of national governments, like the government in Berlin and elsewhere to make this a reality.

 

Philipp Braun:

Danke Maxim!!

Und nun zu unserem zweiten Gast: Ghassan Makarem kommt von der Gruppe Helem in Beirut. Helem bedeutet Traum auf Arabisch. Helem ist die ERSTE schwullesbische Gruppe in der arabischen Welt.

Ihr Mut gibt mir in dieser schwierigen Zeit Hoffnung!!!

 

Ghassan Makarem:

It is wonderful being here.

Seeing all of you gives me hope that we can fight the discrimination we are facing in Lebanon. Discrimination in our law number 534 that prohibits homosexual relations. We are fighting to have annulled in the upcoming penal reform.

And open discrimination by religious authorities, such as the Maronite Catholic Patriarchy that has actually intervened to keep a number of men in jail in the city of Tripoli, knowing that they are being tortured by the police. The same patriarchy encourages parents to send their lesbian or gay teenagers to psychiatric therapy in order to “cure” them.

But not everything happening in Lebanon is negative. We have seen our organization grow from 5 to 70 members in a few years. We are able to provide many services for the community: HIV prevention. Coming out support, legal support and we have the first Arabic language lesbian and gay magazine ever.

Helem has also marched with the Rainbow flag in peace demonstrations since 2002. This was possible because of the hard work we did but also because of support from different friends such as the Heinrich Boell foundation and LSVD.

I would also like to take this opportunity to thank the German Foreign Office and Foreign Minister Fischer for their strong support for the last two years – including financial support of lesbian, gay, bisexual and transgender activists who went to the United Nations last April and demanded that our voices be heard. Fischer was among the first foreign ministers to strongly speak up for non-discrimination in Geneva – including for transgender people who face violence throughout the world.

Finally, I promise to take some of this energy back with me and hopefully see some of it, and some of you, at a pride celebration in Beirut in the near future.

 

Philipp Braun:

Danke Ghassan!!

Deutschland hat eine besondere historische Verantwortung: Es ist eine Geschichte mit Licht und viel Schatten. In Berlin hat Magnus Hirschfeld 1897 die erste schwule Bürgerrechtsorganisation in der Welt gegründet. Unter den Nazis hat der Hass auf Schwule in Deutschland besonders grausame Konsequenzen gehabt. Diese Verfolgungsgeschichte sollte uns eine Lehre sein.

Die Weltgemeinschaft ist aufgefordert, die Strafgesetze gegen Homosexuelle in über 80 Staaten – die laut UN-Urteilen gegen die Menschenrechte verstoßen – endlich abzuschaffen.

In mindestens neun Staaten droht immer noch die Todesstrafe: Afghanistan, Iran, Jemen, Nigeria, Mauretanien, Pakistan, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Sudan.

Wir fordern die Bundesregierung hiermit auf, verstärkten Druck auszuüben.

Wir haben den Parteien unsere Wahlprüfsteine vorgelegt und werden ihre Antworten auf unsere Fragen auswerten und in der Community verbreiten.

Wir bitten Euch alle, sie zu lesen und mit Verstand zu wählen.

Erkennen wir unsere Macht als Wählerinnen und Wähler und wählen wir:

Gleiche Rechte in Deutschland und Menschenrechte für alle.