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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD⁺)

Überdurchschnittliche Gewaltbetroffenheit von LSBTIQ*

Ergebnisse der Dunkelfeldstudie "Lebenssituation Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)"

Zusammenfassung der Ergebnisse der geschlechterübergreifenden Bevölkerungsbefragung zur Gewaltbetroffenheit in Deutschland. Die LeSuBiA-Studie zeigt auf Basis einer hohen Fallzahl, LSBTIQ* bei allen hier untersuchen Gewaltformen eine höhere Gewaltbetroffenheit aufweisen.

LeSuBiA ("Lebenssituation Sicherheit und Belastung im Alltag") ist die erste geschlechterübergreifende und repräsentative Studie zu Gewalt gegen Frauen und Männer innerhalb und außerhalb von Partner*innenschaften für Deutschland. Während die Polizeiliche Kriminalstatistik das Hellfeld abbildet – also die Taten, die den Ermittlungsbehörden bekannt geworden sind – fehlten bislang aktuelle, umfassende repräsentative und geschlechterübergreifende Dunkelfeldzahlen zu Gewalterfahrungen in Partner*innenschaften, sexualisierter und digitaler Gewalt in Deutschland. Verlässliche Daten, die Hinweise zum tatsächlichen Ausmaß und zur Schwere dieser Gewaltformen liefern, sind jedoch nötig, um effiziente und wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt zu entwickeln.

Sample: Schwerpunkte bei LeSuBiA bilden dabei Partner*innenschaftsgewalt, sexualisierte Gewalt und digitale Gewalt. Im Rahmen dieser Studie wurden in einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage 15.479 Personen in Deutschland zu ihren Gewalterfahrungen von Juli 2023 bis Januar 2025 befragt.

Inhaltsverzeichnis
1. Besondere Betroffenheit von LSBTIQ* und Frauen mit Migrationsgeschichte
2. Befunde zu verschiedenen Gewaltformen von Männern und Frauen
3. Gewaltbetroffenheit von LSBTIQ*
    Prävalenzen bei LSBTIQ*
    Gewalt inner- und außerhalb von LSBTIQ*-(Ex-)Partner*innenschaften

1. Besondere Betroffenheit von LSBTIQ* und Frauen mit Migrationsgeschichte

Die Studie LeSuBiA zeigt auf Basis einer hohen Fallzahl, dass lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und intergeschlechtliche sowie weitere queere Menschen (LSBTIQ*) bei allen hier untersuchen Gewaltformen eine höhere Gewaltbetroffenheit aufweisen. Hervorzuheben sind auch die Befunde zur Gewaltbetroffenheit von Personen mit Migrationsgeschichte. Die Ergebnisse zeigen, dass Personen mit Migrationsgeschichte über nahezu alle hier untersuchten Gewaltformen eine höhere Gewaltbetroffenheit aufweisen als Personen ohne Migrationshintergrund. Frauen mit Migrationsgeschichte sind hierbei teilweise besonders stark betroffen.

Es ist alarmierend, dass LSBTIQ* bei den meisten Gewaltformen überdurchschnittlich stark betroffen sind. Diese Ergebnisse bestätigen leider unsere Erfahrungen. Die LeSuBiA-Studie macht unmissverständlich klar: Gewalt ist Alltagserfahrung für zu viele Menschen. Die Studie zeigt, dass insgesamt weniger als zehn Prozent der Gewalterfahrungen überhaupt zur Anzeige gebracht werden. Den Sicherheitsbehörden und dem Justizssystem wird damit kaum Vertrauen geschenkt. Die Politik muss die Ergebnisse der LeSuBiA ernst nehmen! Die Studie liefert eine belastbare Grundlage, um Schutzräume auszubauen, Beratungsangebote intersektional zu stärken und gezielte Maßnahmen gegen frauen- und queerfeindliche Gewalt auf den Weg zu bringen. Das schließt auch eine Wiederaufnahme des Aktionsplans „Queer leben“, inklusive Sensibilisierung von Sicherheitsbehörden, sowie gezielte Präventionsprogramme klar mit ein. Hier stehen u.a. Alexander Dobrindt, Karen Prien und auch Lars Klingbeil in einer klaren Verantwortung.

2. Befunde zu verschiedenen Gewaltformen von Männern und Frauen

Innerhalb von (Ex-)Partner*innenschaften wurden psychische Gewalterfahrungen differenziert nach emotionaler, ökonomischer, kontrollierender oder bedrohender Gewalt sowie körperliche Gewalt und Falschbeschuldigung erfasst.

Psychische Gewalt in einer (Ex-)Partner*innenschaft erleb(t)en 48,7 % der Frauen und 40,0 % der Männer mindestens einmal in ihrem Leben. Emotionale Gewalt mit einer Lebenszeitprävalenz von 37,8 % und einer 5-Jahresprävalenz von 19,1 % machen dabei den größten Teil der in LeSuBiA erfassten psychischen Gewaltformen aus. Betrachtungen der gesamten Lebensspanne von psychischer Gewalt zeigen bei Frauen höhere Prävalenzen. Diese Geschlechterunterschiede verschwinden jedoch bei der 5-Jahresprävalenz. Hier ist zu erkennen, dass auch Männer eine starke Betroffenheit aufweisen und vergleichsweise häufig Opfer von kontrollierender Gewalt sind. Höhe und Ausmaß der Inzidenz und Schwere der psychischen Gewalt bestätigen bisherige Befunde der Gewaltforschung. Über alle psychischen Gewaltformen hinweg weisen Frauen eine (deutlich) höhere Inzidenz auf. Zudem haben Frauen in den phychischen und körperlichen Gewaltsituationen mehr Angst und schätzen die Situation als schwerwiegender ein als Männer. Die Anzeigequoten liegen bei den meisten psychischen Gewaltformen unter 3 %.

16,1 % haben in ihrem Leben körperliche Gewalt durch den*die (Ex-)Partner*in erfahren. Innerhalb der letzten fünf Jahre waren es 5,7 %. Während die Lebenszeitprävalenz bei den Frauen mit 18,0 % im Vergleich zu 14,0 % bei den Männern höher ist, fällt die 5-Jahresprävalenz bei den Männern mit 6,1 % etwas höher aus als bei den Frauen mit 5,2 %. Die Geschlechterunterschiede sind jedoch nicht signifikant. Körperliche Gewalt wird etwas häufiger angezeigt als psychische Gewalt. Die Anzeigequote liegt unter Frauen bei 2,7 % und unter Männern bei 3,5 %.

3,2 % der Menschen, die in einer Partner*innenschaft gelebt haben, wurden bereits durch eine*n (Ex-)Partner*in im Leben schon mal an einer offiziellen Stelle falsch beschuldigt. Innerhalb der letzten fünf Jahre waren es 1,2 %, wobei Männer hier mit 1,4 % etwas höhere Prävalenzen aufweisen als Frauen (0,9 %). Auffällig hierbei ist, dass Falschbeschuldigungen selten in aktuellen Beziehungen stattfinden, sondern verstärkt in Beziehungen, die zum Tatzeitpunkt bereits beendet waren oder die zum Tatzeitpunkt noch bestanden haben, inzwischen jedoch beendet wurden. Beachtenswert ist zudem, dass Männer am häufigsten nach Ende der Partner*innenschaft falsch beschuldigt wurden und Frauen zu einem Zeitpunkt, als die Partnerschaft*innen noch bestand.

Gewaltformen, die sowohl inner- als auch außerhalb von (Ex-)Partner*innenschaften erhoben wurden, waren sexualisierter Übergriff, sexuelle Belästigung (mit und ohne Körperkontakt), Stalking, sonstige digitale Gewaltformen sowie K.O.-Tropfen.

Sexuelle Belästigung hat fast jede zweite Person (45,8 %) in ihrem Leben erfahren. In-
nerhalb der letzten fünf Jahre gaben über ein Viertel (26,5 %) an, von sexueller Belästigung betroffen gewesen zu sein. Dabei zeigt sich, dass der überwiegende Anteil durch sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt betroffen ist (Lebenszeit: 40,4 %; 5-Jahre: 24,8 %); der Anteil an sexueller Belästigung mit Körperkontakt liegt deutlich niedriger (Lebenszeit: 26,8 %; 5 Jahre: 9,7 %). Auffallend sind die großen geschlechtsspezifischen Unterschiede: Frauen sind mit einer 5-Jahresprävalenz von 36,3 % deutlich häufiger von sexueller Belästigung betroffen als Männer mit 16,3 %. Innerhalb des Lebens hat jeder 4. Mann (23,5 %) und jede 2. Frau (56,7 %) sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt erfahren. Sexuelle Belästigung mit Körperkontakt haben 40,8 % der Frauen und 12,3 % der Männer bereits erlebt.

Dieser Geschlechterunterschied ist auch bei der Häufigkeit und Schwere der Gewalt zu beobachten. Die Inzidenz ist bei Frauen bei sexueller Belästigung ohne Körperkontakt dreimal und bei sexueller Belästigung mit Körperkontakt viermal so hoch wie bei Männern. In den Gewaltsituationen empfinden die Frauen auch mehr Angst als Männer und schätzen die Situation für schwerwiegender ein. Täter*innen sind überwiegend fremde und flüchtig bekannte Personen. Die Betroffenen sind vergleichsweise jung: Über 80 % der 16- bis 24-jährigen Frauen haben in den letzten fünf Jahren Erfahrung mit sexueller Belästigung ohne Körperkontakt gemacht (Männer dieser Altersgruppe: circa ein Drittel). Die Anzeigequote von sexueller Belästigung fällt niedrig aus. Dabei ist festzustellen, dass Männer etwas häufiger Fälle von sexueller Belästigung anzeigen: So liegt die Anzeigequote unter Männern bei sexueller Belästigung ohne Körperkontakt bei 2,0 % (Frauen: 1,3 %) und bei sexueller Belästigung mit Körperkontakt bei 5,8 % (Frauen: 2,1 %).

Jede zehnte Person hat innerhalb ihres Lebens einen sexalisierten Übergriff, d.h. eine sexuelle Handlung gegen den Willen der betroffenen Person, erfahren (11,2 %). Innerhalb der letzten fünf Jahre beläuft sich die Prävalenz auf 2,7 %. Auch hier sind deutlich höhere Prävalenzen bei den Frauen zu beobachten (4,0 %) im Vergleich zu den Männern (1,4 %). Der*die (Ex-)Partner*in ist bei Frauen am häufigsten Täter*in (46,5 %). Bei Männern ist häufigste*r Täter*in eine flüchtig bekannte Person (33,3 %), gefolgt von Freund*innenen, Bekannten und Nachbar*innen (27,1 %). Unabhängig davon, ob der sexualisierte Übergriff innerhalb oder außerhalb von (Ex-)Partner*innenschaften passiert: Die Inzidenz und Schwere der Gewalt ist auch beim sexualisierten Übergriff bei Frauen deutlich höher bzw. stärker ausgeprägt als bei Männern. Die Inzidenz ist innerhalb von (Ex-)Partner*innenschaften bei Frauen neunmal so groß und außerhalb um das 2,6-fache. In den Situationen haben Frauen deutlich mehr Angst und bewerten die Situation als deutlich schlimmer als Männer. Frauen schätzen die Lebensgefahr in den Situationen mit 16,4 % deutlich höher ein als Männer (5,1 %). In 31,0 % der Situation trugen Frauen körperliche Folgen davon; bei den Männern war dies in 11,9 % der Situationen der Fall. Die Anzeigequote bei sexalisierten Übergriffen liegt unter Frauen bei 3,0 % und unter Männern bei 14,5 %.

Mehr als jede fünfte Person hat in ihrem Leben schon einmal Stalking erlebt (21,2 %); innerhalb der letzten fünf Jahre waren es 9,0 %. Auch hier sind etwas höhere Prävalenzen bei Frauen zu beobachten. 10,6 % der Frauen und 7,0 % der Männer haben innerhalb der letzten fünf Jahre Stalking erfahren. Stalking geht bei Frauen mit mehr Angst einher und sie bewerten die Situation auch als schlimmer als Männer. Stalking findet auch außerhalb von (Ex-)Partner*innenschaften statt. Als Täter*in werden am häufigsten flüchtig bekannte Personen und (Ex)-Partner*innen. Stalking wird selten angezeigt. Die Anzeigequote unter Frauen liegt bei 9,2 % und unter Männern bei 4,2 %.

Digitale Gewalt wurde in LeSuBiA sowohl im engeren als auch im weiteren Sinne erfasst. Während bei digitaler Gewalt im engeren Sinne (i.e.S.) nur Formen von Gewalt subsumiert wurden, die ausschließlich im digitalen Raum stattfinden können (z. B. Identitätsdiebstahl,
Doxxing, …), umfasst digitale Gewalt im weiteren Sinne (i.w.S.) zusätzlich die Gewaltformen
psychische Gewalt, sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt sowie Stalking, sofern diese digital erlebt wurden.

Digitale Gewalt i.e.S. haben innerhalb ihres Lebens 9,9 % und in den letzten fünf Jahren 6,2 % der Bevölkerung erlebt. Bei digitaler Gewalt i.w.S. lag die 5-Jahresprävalenz bei 17,1 %. Während die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der digitalen Gewalt i.e.S. moderat ausfallen, weisen Frauen höhere Prävalenzen bei digitaler Gewalt i.w.S. auf. Jede fünfte Frau (20,0 %) und jeder siebte Mann (13,9 %) waren in den letzten fünf Jahren von digitaler Gewalt i.w.S. betroffen. Bei digitaler Gewalt i.e.S. zeigen sich erneut geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich Inzidenz und Schwere. Frauen erleben digitale Gewalt häufiger und bewerten diese als schwerer als Männer.

Sexuelle Belästigung, Stalking und psychische Partner*innenschaftsgewalt (vor allem emotionale Gewalt und Bedrohung) finden häufig auch im digitalen Raum statt. Jüngere Menschen sind besonders häufiger von digitaler Gewalt im engeren und weiteren Sinne betroffen. Frauen mit Migrationsgeschichte sind überdurchschnittlich stark betroffen.

Als Täter*in von digitaler Gewalt i.e.S. werden von Frauen sowie von Männern am häufigsten Fremde genannt (Frauen: 33,9 %; Männer: 51,1 %). Frauen erfahren digitale Gewalt am zweithäufigsten durch Freund*innen, Bekannte und Nachbar*innen und am dritthäufigsten durch (Ex-)Partner*innen bzw. Geliebte. Männer erfahren digitale Gewalt dagegen am zweithäufigsten durch flüchtig bekannte Personen und am dritthäufigsten durch Freund*innen, Bekannte und Nachbar*innen. Angezeigt wird digitale Gewalt i.e.S. selten. Die Anzeigequote liegt unter Frauen bei 2,4 % und unter Männern bei 0,9 %.

Schließlich vermuten 5,2 % der Bevölkerung mindestens einmal im Leben K.O.-Tropfen untergemischt bekommen zu haben (5-Jahresprävalenz: 1,3 %). Auffallend ist auch hier, dass Frauen in deutlich stärkerem Maße betroffen sind.

Zusammenfassend sind die eindeutigsten geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Gewaltformen sexualisierter Übergriff, sexuelle Belästigung, digitale Gewalt und K.O.-Tropfen zu beobachten. Bei allen vier Gewaltformen fällt die Betroffenheit in allen Referenzzeiträumen bei den Frauen höher aus – sei es innerhalb des bisherigen Lebens oder den letzten fünf Jahren. Besonders hoch fallen die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Lebenszeitprävalenz bei diesen Gewaltformen aus. Bei psychischer und körperlicher Gewalt in (Ex-)Partner*innenschaften zeigen sich bei der 5-Jahresprävalenz dagegen kaum Unterschiede zwischen Frauen und Männern.

3. Gewaltbetroffenheit von LSBTIQ*

Bisherige Befunde aus den USA deuten auf eine stärkere Gewaltbetroffenheit von LSBTIQ*-Personen hin. So zeigt eine Untersuchung auf Basis des US-amerikanischen National Crime Victimization Survey (NCVS) aus den Jahren 2022 und 2023, dass Personen aus der LSBT-Gruppe eine fünfmal höhere Wahrscheinlichkeit haben Betroffene von Gewalt zu werden als Personen, die sich nicht der LSBT-Gruppe zuordnen. Zudem sind Personen aus der LSBT-Gruppe häufiger von schweren Formen der Gewalt und von gewaltbezogener Hasskriminalität betroffen (Meyer und Flores 2025). Eine Studie auf Basis des NCVS berichtet für die Jahre 2017 bis 2019, dass LSBT-Personen 6,6 gewaltsame Hassverbrechen pro 1.000 Personen erlebt haben, verglichen mit 0,6 Viktimisierungen pro 1.000 Personen bei Nicht-LSBT-Personen (Flores et al. 2022). Die Forschenden weisen darauf hin, dass die Viktimisierungsraten je nach Klassifizierung von Hasskriminalität höher ausfallen können (siehe Flores et al. 2022). Erkenntnisse für Deutschland liefert der Lagebericht zur kriminalitätsbezogenen Sicherheit von LSBTIQ*, in welchem auch der Mangel an repräsentativen Dunkelfeldbefragungen thematisiert wird (BMI und BKA 2024).

In LeSuBiA erfolgte eine Identifikation von Personen der LSBTIQ*-Gruppe anhand spezifischer Fragen hinsichtlich des Geschlechtseintrags im Geburtenregister, der Selbstzuordnung zu (k)einem Geschlecht und der sexuellen Orientierung. Personen, die bei der Geschlechterabfrage nach Personenstand und der Selbstzuschreibung voneinander abweichende Angaben gemacht haben oder eine gleichgeschlechtliche, bisexuelle oder asexuelle Orientierung angegeben haben, wurden der LSBTIQ*- Gruppe zugeordnet. In der LeSuBiA-Stichprobe können somit 16,7 % der Befragten der LSBTIQ*-Gruppe zugeordnet werden. Dieser Anteil fällt etwas höher aus als in anderen Studien (IPSOS 2025).

Prävalenzen

Tabelle 19 zeigt die Lebenszeit-, 5-Jahres- und 1-Jahresprävalenzen differenziert für Personen der LSBTIQ*-Gruppe und Personen, die nicht der Gruppe zugeordnet wurden. Bei der Betrachtung der Prävalenzen im Überblick lässt sich beobachten, dass Angehörige der LSBTIQ*-Gruppe in jedem Phänomenbereich häufiger von Gewalt betroffen sind als Personen, die der Gruppe nicht angehören. Im oberen Bereich der Tabelle werden die Gewaltformen psychische Gewalt und körperliche Gewalt dargestellt. Diese wurden in LeSuBiA ausschließlich innerhalb von (Ex-)Partner*innenschaften erhoben. Es lässt sich feststellen, dass LSBTIQ*-Personen höhere Prävalenzen aufweisen als andere Personen. Der untere Teil der Tabelle fasst die Prävalenzen inner- und außerhalb von (Ex-)Partner*innenschaften für die Gewaltformen sexualisierter Übergriff, sexuelle Belästigung, Stalking, digitale Gewalt i.e.S. und K.O.-Tropfen zusammen. Besonders deutliche Unterschiede zeigen sich bei körperlicher Gewalt, sexualisierter Gewalt, Stalking und digitaler Gewalt i.e.S.: Mit 58,9 % hat die Mehrheit der LSBTIQ*-Personen bereits Erfahrungen mit sexueller Belästigung gemacht, 38,5 % davon mit Körperkontakt.

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39,7 % waren in den letzten fünf Jahren von sexueller Belästigung betroffen. Personen außerhalb der LSBTIQ*-Gruppe weisen im Vergleich dazu eine Betroffenheit von 24,5 % in den letzten fünf Jahren auf. Auch beim sexualisierten Übergriff ist eine deutlich höhere Betroffenheit von LSBTIQ* zu verzeichnen. Während die Lebenszeitprävalenz von LSBTIQ*-Personen bei 19,5 % liegt, und somit fast jede bzw. jeder Fünfte von einem sexalisierten Übergriff betroffen ist, ist dies mit 9,8 % bei deutlich weniger Personen in der restlichen Bevölkerung zu beobachten. Über alle drei Referenzzeiträume hinweg ist unter der LSBTIQ*-Gruppe auch eine fast doppelt so hohe Betroffenheit von digitaler Gewalt i.e.S. zu verzeichnen.

Auch die Betroffenheit von psychischer und körperlicher Gewalt innerhalb von (Ex-)Partner*innenschaften ist höher, allerdings sind die Unterschiede hier weniger deutlich als bei sexuellem Übergriff, Stalking und digitaler Gewalt insgesamt. Über die Hälfte (50,7 %) der LSBTIQ*-Personen sind in ihrem Leben bereits von psychischer Gewalt betroffen gewesen. Sowohl bei Angehörigen der LSBTIQ*-Gruppe als auch bei Nicht-Angehörigen war emotionale Gewalt die am häufigsten genannte Gewaltform, gefolgt von kontrollierender Gewalt. Ökonomische Gewalt ist die am seltensten genannte psychische Gewaltform. Auch bei Falschbeschuldigungen und körperlicher Gewalt war die LSBTIQ*-Gruppe häufiger betroffen.

Gewalt inner- und außerhalb von (Ex-)Partner*innenschaften

Bei sexualisiertem Übergriff, sexueller Belästigung, Stalking und digitaler Gewalt i.e.S. wurde zusätzlich erhoben, wer innerhalb der letzten 5 Jahre Täter*in war. Dadurch war eine Differenzierung von Gewalt inner- und außerhalb von (Ex-)Partner*innenschaften möglich. Die Tabelle [20] zeigt ein ähnliches Bild wie bei den Gesamtprävalenzen: LSBTIQ*-Personen haben sowohl inner- als auch außerhalb von (Ex-)Partner*innenschaften eine höhere Gewaltbetroffenheit. So waren prozentual gesehen doppelt so viele Personen aus der LSBTIQ*-Gruppe (12,7 %) von Stalking außerhalb von (Ex-)Beziehungen betroffen wie in der restlichen Bevölkerung (6,0 %). Gleiches gilt für digitale Gewalt i.e.S. (9,3 % vs. 4,9 %).

Weniger stark, aber ebenfalls deutlich, zeigen sich diese Befunde auch bei der sexuellen Belästigung: 37,6 % der LSBTIQ*-Zugehörigen sind von sexueller Belästigung betroffen (Nicht-LSBTIQ*: 23,1 %).

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