Queerness und christliche Religion
Impulse für Fachkräfte zu einem spannungsreichen Themenfeld

In diesem Beitrag geht es um Queerness und christliche Religion. Die Inhalte dieses Artikels stammen aus dem zwölften "Queer Papier", das im Rahmen des LSVD⁺-Projektes im Kooperationsverbund „Selbstverständlich Vielfalt“ im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" entstanden ist. Die Papiere richten sich an Fachkräfte und Aktive in der Kinder- und Jugendarbeit sowie in Wohlfahrtsorganisationen.
Alle "Queer-Papiere" können Sie sowohl online als PDF herunterladen als auch in gedruckter Form kostenfrei bestellen unter: koordinierungsstelle@lsvd.de.
Inhaltsverzeichnis
- Religion, Glaube und Queersein: Das ist doch alles Privatsache – oder auch nicht!?
- Zwischen allen Stühlen? Was Queerness und Religion zu einem Spannungsfeld macht
- Perspektivwechsel: Warum Religion und Spiritualität auch Ressourcen für queere Menschen sein können
- Radikale Diversität gestalten: Handlungsempfehlungen für die Praxis
- Weitere Informationen
Dieses Queer-Papier thematisiert das Spannungsfeld zwischen Queerness und Religion mit einem Fokus auf das Christentum. Es verschafft einen Überblick über dieses komplexe Themenfeld und beschreibt, warum das Verhältnis in vielen Fällen so schwierig ist. Einige der gängigen Vorurteile und abwertenden Argumentationsmuster werden eingeordnet. Dass Religion und Spiritualität auch Ressourcen für queere Menschen darstellen können, ist ein weiterer Perspektivwechsel. Außerdem gibt es konkrete Anregungen dazu, wie Fachkräfte sich mit dem Themenfeld auseinandersetzen können und wie das Thema in der pädagogischen Arbeit aufgegriffen werden kann.

1. Religion, Glaube und Queersein: Das ist doch alles Privatsache – oder auch nicht!?
Gut 53 Prozent der deutschen Bevölkerung gehören (noch) einer Kirche oder religiösen Gemeinschaft an.[1] Für viele Menschen ist Religion also ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Religiöse Vielfalt prägt unsere plurale Gesellschaft ebenso wie die Entscheidung, ohne Religion oder Konfessionszugehörigkeit zu leben. Religiöse Institutionen gestalten außerdem das gesellschaftliche Leben maßgeblich mit. Pädagogische Fachkräfte sind herausgefordert, professionell mit dieser Vielfalt umzugehen. Sie brauchen daher eine reflektierte Position und entsprechende Haltungen, unabhängig von ihrer persönlichen Einstellung zu weltanschaulichen Fragen. Folgende Praxisbeispiele skizzieren exemplarisch die Herausforderungen:
- Arbeit mit Geflüchteten: Religionen können Halt geben und Ressourcen für Hoffnung, Beziehungen und Netzwerke bieten. Zugleich müssen die Rechte und Freiheiten aller Menschen selbstverständlich sein.
- Jugendhilfe: Junge Menschen aus unterschiedlichen Religionen nehmen oft gemeinsam an Projekten teil. Wichtige Unterschiede gilt es zu respektieren (z. B. Speisevorschriften, Gebetszeiten), gleichzeitig müssen Werte wie Gemeinschaft, Fairness und Respekt im Zentrum stehen.
- Kirchliche Einrichtungen: In kirchlich getragenen Einrichtungen kann es zu Spannungen kommen, wenn Mitarbeitende oder Klient*innen einer anderen oder keiner Religion angehören. Hier gilt es, den entsprechenden Auftrag ins Zentrum zu rücken und auf Augenhöhe für Teilhabe und Gerechtigkeit einzutreten.
- Diskriminierung: Menschen machen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit Diskriminierungserfahrungen, z. B. auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche, im Freizeit-Kontext in Vereinen etc. Es gibt aber auch den Fall, dass religiöse Menschen sich gegenüber Personen, die atheistisch bzw. weltanschaulich neutral sind, diskriminierend verhalten. In beiden Fällen ist es die Aufgabe von Fachkräften, klar Haltung zu beziehen und sich für demokratische Werte und Gleichwürdigkeit stark zu machen.[2]
Christliche Dominanz kritisch reflektieren
In der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft haben die christlichen Kirchen eine Sonderstellung zugewiesen bekommen. Das schließt viele Privilegien ein: In politischen und gesellschaftlichen Themen sind kirchliche Perspektiven als Beitrag zur Meinungsbildung gefragt. Als Träger sozialer Einrichtungen sind die Kirchen der zweitgrößte Arbeitgeber nach dem öffentlichen Dienst. Diese besondere Rolle der Kirchen wirft die Frage auf, welchen Beitrag Religionen für eine demokratische und zunehmend säkularisierte Gesellschaft leisten können. Der Staatsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde hat 1964 einen Grundsatz hierzu formuliert: "Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann."[3] Demnach ist die Demokratie darauf angewiesen, dass Menschen ethische Haltungen entwickeln, die auf Freiheit, Respekt und Solidarität gründen und dass sie diese auch im Alltag praktizieren. Freilich können nicht nur religiöse Gemeinschaften solche Werte und Haltungen begründen und stärken. "Auch weltanschauliche, politische oder soziale Bewegungen können den Gemeinsinn der Bevölkerung und die Bereitschaft fördern, nicht stets rücksichtslos nur auf den eigenen Vorteil zu schauen, vielmehr gemeinschaftsorientiert und solidarisch zu handeln."[4]
Religion, Demokratie und das Private als Politisches
Das Private hat also immer auch eine politische Dimension. So wie die Weltanschauung wird auch Queerness mit unter als reine "Privatsache" deklariert. Die gewachsene Sichtbarkeit und bereits errungene gesellschaftliche Fortschritte in der Akzeptanz queerer Rechte werden zunehmend in Frage gestellt. Doch so wie Religion und Glaube gesellschaftliche Wirkungen haben, ist auch Queersein politisch relevant. Es wirkt unmittelbar auf die demokratische Kultur und auf das Miteinander unserer Gesellschaft, ob LSBTIAQ*-Personen sichtbar leben können, ob Institutionen inklusiv arbeiten oder ob Diskriminierung stattfindet. Fachkräfte müssen sich daher nicht nur zu Religion und Weltanschauungen verhalten, sondern ebenso zu Geschlechter- und Diversitätsfragen. In beiden Feldern gilt: Es braucht eine reflektierte Haltung, die Privates nicht ins Unsichtbare verdrängt, sondern dessen gesellschaftliche Bedeutung erkennt und auf dieser Grundlage aktiv Teilhabe, Schutz vor Diskriminierung und demokratische Werte stärkt.
2. Zwischen allen Stühlen? Was Queerness und Religion zu einem Spannungsfeld macht
Die beiden Begriffe "queer" und "religiös" benennen zwei Identitätskriterien. Wenn Menschen sie in dieser Kombination für sich als Selbstbezeichnung nutzen, ist das keineswegs selbstverständlich. Eine queere Identität mit der eigenen religiösen Identität zu verbinden ist häufig das Ergebnis eines jahrelangen Prozesses und Ringens. Dabei sind die betroffenen Personen oft einem "doppelten Konflikt" ausgesetzt: In ihrer religiösen Gemeinschaft stoßen sie nicht selten auf Ablehnung oder sind einem (subtilen) Anpassungsdruck ausgesetzt. Gleichzeitig erleben sie in queeren Communities oft Unverständnis oder gar Ablehnung, weil Religion dort häufig mit Diskriminierungserfahrungen verbunden wird. In diesem Spannungsfeld geraten viele queere Personen in die Lage, sich verteidigen oder zwischen Zugehörigkeiten entscheiden zu müssen. Diese Spannung hat eine lange Geschichte, die tief im Menschenbild der Religionen wurzelt.

Heteronormativität und christliches Menschenbild
Religionen beziehen sich oft auf antike Quellen (Bibel, Koran u. a.). Ihre Glaubenslehren greifen Sinnfragen auf. Hinzu kommen spirituelle Praktiken und Rituale. Eine Ethik orientiert und regelt das Verhalten und Handeln der Gläubigen. In den meisten Religionen existiert ein breites Spektrum religiöser Vorstellungen und Praktiken. Die ethischen Prinzipien und Glaubenslehren sind von Menschen geprägt und gestaltet. Darum sind sie in der Regel auch veränderbar, z. B. wenn es neue Erkenntnisse oder bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen gibt. Wenn einzelne Überzeugungen als verbindlich definiert werden, ist das Ausdruck einer machtvollen Entscheidung, der ein Diskurs vorausgegangen ist: Diese Vorstellung konnte sich argumentativ durchsetzen, andere Perspektiven wurden verdrängt. Gegenteilige Positionen verschwinden deshalb jedoch nicht ohne Weiteres. Das Christentum gibt es darum nur im Plural unterschiedlicher Traditionen und Konfessionen. Entsprechend sind auch die Perspektiven auf Sexualität und Geschlechtlichkeit vielschichtig. Grob vereinfacht lässt sich feststellen: Über weite Strecken dominierte eine cis-heteronormative Perspektive, verbunden mit einer Abwertung von anderen Identitäten und von Erotik und Begehren insgesamt. Als Ideal gilt in vielen Konfessionen bis heute: Sexualität hat ihren legitimen Ort ausschließlich im Kontext einer heterosexuellen Ehe, zum Zweck der Zeugung von Nachkommenschaft. Begründet wird dies u. a. mit biblischen Texten, aus denen eine "natürliche Schöpfungsordnung" mit einer klaren Zweigeschlechtlichkeit abgeleitet wird. Religiöse Anthropologie orientiert sich oft an binären Kategorien, wie männlich/weiblich, hetero/homo, rein/unrein usw. Neben den Inhalten werden hier eher Machtfragen verhandelt, denn es geht um:
- Deutungshoheit: Wer legt fest, was "richtiger" Glaube ist?
- Macht über Körper und Begehren: Wer entscheidet, welche Körper "richtig" und welches Begehren und welche Beziehungen legitim sind?
- Regelung von Zugehörigkeit: Wer darf Teil der Gemeinschaft sein bzw. wer wird ausgeschlossen?
Diskriminierungsrealitäten und Dynamiken
Die Berufung auf eine vermeintlich göttliche Schöpfungsordnung legitimiert eine heteronormative Weltsicht, und das hat konkrete diskriminierende Folgen. Queere Menschen erleben in kirchlichen Kontexten vielfach strukturelle Benachteiligungen z. B. im kirchlichen Arbeitsrecht, beim Zugang zu kirchlichen Ämtern oder durch offene oder subtile Praktiken des Othering[5]. Exklusion aus religiösen Gemeinschaften, die Weigerung, queere Paare zu segnen oder die Missachtung nicht binärer Identitäten gehören u. a. zu den Erfahrungen, die viele LSBTIAQ*-Personen in religiösen Kontexten machen. Ebenso stellen Konversionsbehandlungen in manchen christlichen Religionsgemeinschaften nach wie vor eine Gefahr für queere Menschen dar.[6] Solche Diskriminierungserfahrungen sind keine Einzelfälle, sondern verweisen auf tief verwurzelte Machtstrukturen, die religiöse Normen und gesellschaftliche Ordnung miteinander verschränken. Neben dem individuellen diskriminierenden Verhalten muss darum auch die strukturelle Dimension von Diskriminierung reflektiert werden. Diese umfasst neben der individuellen auch eine kulturelle und eine institutionelle Ebene.[7]

Postkoloniale Perspektive
Die enge Verknüpfung von Christentum und Heteronormativität hat auch eine Bedeutung im Kontext einer kolonialismuskritischen Perspektive. Als Teil europäischer Herrschaft wurde die christliche Sexualmoral des 19. Jahrhunderts in Länder des Globalen Südens exportiert. Inzwischen gibt es verschiedene Studien, die zeigen, dass präkoloniale Gesellschaften vielfach offener waren. Vielfältige Geschlechter- und Sexualitätskonzepte sowie diverse Beziehungsformen wurden durch missionarische Praxen oftmals verdrängt, abgewertet oder kriminalisiert. Das heutige Bild eines binären, heteronormativen Christentums ist daher auch ein Produkt kolonialer Machtverhältnisse.[8]
3. Perspektivwechsel: Warum Religion und Spiritualität auch Ressourcen für queere Menschen sein können
Queere Menschen müssen sich auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer marginalisierten Gruppe häufig mit ihrer Identität und ihrem Platz in der Gesellschaft auseinandersetzen. Ein Coming-out-Prozess berührt außerdem tiefliegende Fragen nach der eigenen Identität und Würde. Religion und Spiritualität können in diesen Prozessen Ressourcen sein, wenn sie in positiver Weise Sinn und Orientierung geben sowie Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft bieten. In vielen christlichen Konfessionen hat es in den vergangenen Jahren (und Jahrzehnten) Entwicklungen gegeben, die Kirchen zu einem inklusiveren und queerfreundlicheren Ort zu machen. Entsprechend gibt es zunehmend queersensible seelsorgliche Angebote oder Gottesdienste und Rituale für queere Menschen. Verbunden ist dies auch mit einer theologischen Weiterentwicklung.
Eine zeitgemäße Theologie wendet sich gegen eine verengte und vereinfachte Auslegung biblischer Texte. Eine historisch-kritische Lesart fragt z. B. nach kulturellen, sozialen und zeitbedingten Einflüssen auf die Entstehung antiker Texte. Ansätze wie feministische, queere oder postkoloniale Theologien beziehen außerdem die Erfahrungswelten der Texte und ihrer Protagonist*innen ein. Sie reflektieren und dekonstruieren u. a. die patriarchalen Muster, die in der christlichen Tradition wirksam sind. Die Vielfalt geschlechtlicher Identitäten und sexueller Orientierungen wird hier als Ausdruck der vielgestaltigen guten Schöpfung Gottes wahrgenommen.
Queere Perspektiven auf heilige Texte
Die Abwertung von Queerness wird im Christentum oft biblisch begründet. Ähnliche Dynamiken gibt es im Judentum bzw. im Islam mit Rückgriff auf den Koran. Einzelne Textabschnitte werden aus dem Kontext genommen und mitunter entgegen der eigentlichen Absicht gegen queere Identitäten gewendet. Dabei lassen sich auch in den heiligen Schriften durchaus queere Elemente identifizieren. Queere Theologie versucht diese übersehenen oder unterdrückten Perspektiven zu heben.[9] Exemplarisch lässt sich z. B. die Geschichte von David und Jonathan aus der hebräischen Bibel nennen. Beide verband eine sehr innige Beziehung, die eine reine Männerfreundschaft übersteigt und auch als Liebesbeziehung wahrgenommen werden kann. Und die Apostelgeschichte im Neuen Testament berichtet über den Missionar Philippus, der einen Eunuchen taufte. Hierbei handelt es sich um eine heidnische Person, die mit binären Vorstellungen von Geschlecht bricht. Es ist die erste Person, die getauft und damit Christ*in wird. In den Anfängen des Christentums wurden gesellschaftliche Status-Unterschiede überwunden. Die Gleichwürdigkeit aller Menschen ist hier der zentrale Wert. Hierfür finden sich in der christlichen Tradition weitere Anknüpfungspunkte, wie z. B. die Gemeinderegel, die der Apostel Paulus formulierte: "Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus." (Gal 3, 28) Die ersten christlichen Gemeinden bezogen ihre Attraktivität u. a. aus dieser inkludierenden Praxis. Entgegen gesellschaftlich geltender Statusunterschiede und Normen, schufen sie neue Kategorien von Zugehörigkeit. Eine Haltung, die mit Blick auf Queerness in vielen christlichen Kirchen eher noch ein Desiderat ist.

4. Radikale Diversität gestalten: Handlungsempfehlungen für die Praxis
Die Ausführungen zeigen, dass Queerness und Religion keine Gegensätze sein müssen, aber zueinander in Spannung stehen. Dies gilt für viele andere Identitätskriterien ebenso. Eine plurale Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass komplexe Identitäten und Mehrfachzugehörigkeiten selbstverständlich sind. Soziale Arbeit muss dazu beitragen, diese Pluralität sichtbar zu machen, zu fördern und zu schützen, denn:
"Es gibt keine Orte und keine Zeiten, die uns zwingen (dürfen), die tiefste Anerkennung der radikalen Verschiedenheit von Menschen (Diversity) und die Bejahung einer demokratisch-pluralen Gesellschaft aufzugeben. Und es gibt keine Orte und keine Zeiten, die uns zwingen (dürfen), das eigenständig-kritische Denken aufzugeben. Die Unverletzlichkeit und Würde eines jeden Menschen sind der Referenzrahmen."[10] Für die Praxis kann das u. a. bedeuten:
Empowerment und Schutzräume
- Fachkräfte können dazu beitragen, dass queere religiöse Menschen positive Räume der Zugehörigkeit erleben: durch Peer-Gruppen, geschützte Begegnungsräume oder symbolische Sichtbarkeit (z. B. queersensible Aushänge in Einrichtungen, thematische Projekttage).
- Ambiguitätstoleranz: Es geht darum, Mehrdeutigkeit zu respektieren und Vereinfachung und Spaltung zu überwinden. Fachkräfte können in Konflikten (z. B. zwischen Familien und Jugendlichen) vermittelnd auftreten, indem sie unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und gleichzeitig klar für die Rechte des Kindes oder Jugendlichen eintreten.
Praktische Handlungsebenen
Basiswissen erweitern:
- Regelmäßige Fortbildungen zu Themen von Religion und Weltanschauungen, ebenso wie zu geschlechtlicher, sexueller und romantischer Vielfalt. Nutzung von Fachstellen und Beratungsnetzwerken.
Reflexion von Haltung und Rolle:
- Eigene Biografiearbeit und Vergewisserung: Wie prägt mein Hintergrund (religiös/areligiös, cis-hetero/queer) meine Arbeit/mein ehrenamtliches Engagement?
- Rollenklarheit: Wo muss ich neutral moderieren, wo klar Position gegen Diskriminierung beziehen?
Team- und Organisationsentwicklung:
- Verankerung von Diversity-Leitlinien in der Einrichtung mit entsprechenden Handlungsoptionen
- Kooperation mit religiösen wie queeren Organisationen, um gemeinsam inklusivere Angebote zu schaffen
- Einrichtung interner Austauschformate, in denen Kolleg*innen ihre Perspektiven und Unsicherheiten teilen können. Dabei können u. a. folgende Fragen gemeinsam besprochen werden:– Welche Bedeutung hat für mich/für uns die Vielfalt von Identitäten und Weltanschauungen in einer pluralen Gesellschaft?– Wie wirken diese Themen in unserer Einrichtung: z. B. bei unseren Klient*innen, Kooperationspartnern, Trägern etc.? – Was brauchen wir, um in unserer beruflichen/ehrenamtlichen Rolle handlungsfähig zu sein?– Wie trägt unsere Arbeit zum Schutz vor Diskriminierung bei und stärkt demokratische Werte?
Abschließende Gedanken
Soziale Arbeit ist immer auch Arbeit am gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wer Räume für radikale Diversität eröffnet, stärkt Demokratie, Teilhabe und die Würde des Menschen. Fachkräfte sind dabei in einer Schlüsselrolle: Sie können das "und" zwischen Queerness und Religion verteidigen und sich engagieren für eine Gesellschaft, in der Vielfalt nicht als Problem, sondern als Ressource verstanden wird.
Autor: Jens Ehebrecht-Zumsande
5. Weitere Informationen
Über das Kompetenznetzwerk
Wir gestalten die offene Gesellschaft und stärken ein respektvolles Miteinander. Dafür fördert der LSVD+ – Verband Queere Vielfalt die Regenbogenkompetenz von Fachkräften. Als Teil des Kooperationsverbunds „Selbstverständlich Vielfalt“ entwickeln wir Bildungsformate, um LSBTIAQ*-Feindlichkeit wirksam zu begegnen.
Wenn Sie mehr über das LSVD-Projekt und unsere Angebote erfahren wollen, besuchen Sie die Website: https://www.selbstverstaendlich-vielfalt.de/
Fußnoten
1 Siehe die aktuellen Zahlen der Forschungsgruppe Weltanschauungen für 2024: https://fowid.de/meldung/religionszugehoerigkeiten-2024 , zuletzt abgerufen: 14.09.2025.
2 Siehe hierzu u. a. auch die Informationen bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes:
https://www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/ueber-diskriminierung/diskriminierungsmerkmale/religion-weltanschauung/religion-weltanschauung-node.html , zuletzt abgerufen: 14.09.2025.
3 Siehe: https://verfassungsblog.de/das-boeckenfoerde-diktum/ , zuletzt abgerufen: 14.09.2025.
4 So Böckenförde 2009 in einem Interview mit der TAZ, siehe: https://taz.de/Freiheit-ist-ansteckend/!576006/ , zuletzt abgerufen: 14.09.2025.
5 Othering ist ein Mechanismus von Diskriminierung. Einzelpersonen oder Gruppen werden zu Anderen gemacht, oft basierend auf Stereotypen oder Projektionen.
Dieser Mechanismus zieht eine Grenze zwischen einem „Wir“ und einem „die Anderen“. „Die Anderen“ sind diejenigen, die von einer gesetzten Norm abweichen.
6 Es gibt seit 24. Juni 2020 ein Gesetz zum Schutz vor Konversionsbehandlungen. Nach § 1 Abs. 1 KonvBehSchG gilt das Gesetz für alle am Menschen durchgeführten
Behandlungen, die auf die Veränderung oder Unterdrückung der sexuellen Orientierung oder der selbstempfundenen geschlechtlichen Identität gerichtet sind
(Konversionsbehandlung). Weitere Informationen:
https://www.liebesleben.de/presse/themen/medien-und-massnahmen-im-bereich-vielfalt-und-schutz-vor-konversionsbehandlungen/ , zuletzt abgerufen: 10.11.2025.
7 Siehe hierzu: Czollek, L., Perko, G., Kaszner, C., Czollek, M. (2019). Praxishandbuch Social Justice und Diversity. Theorien, Training, Methoden, Übungen
(2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage), Weinheim/ Basel.
8 Die Hirschfeld-Eddy-Stiftung hat über mehrere Jahre durch verschiedene Projekte das Spannungsfeld von Religions- und Weltanschauungsfreiheit und dem Schutz
von LSBTIQ* Personen vor Gewalt und Diskriminierung zum Thema gemacht. Hierzu ist verschiedenes Material entstanden. Siehe das Poster „We believe in Change“,
insb. These 6, https://www.hirschfeld-eddy-stiftung.de/schriften/poster-we-believe-in-change , zuletzt abgerufen: 14.09.2025.
9 Siehe hierzu z. B.: https://www.evangelisch.de/blogs/kreuz-queer/181895/03-02-2021 , zuletzt abgerufen: 14.09.2025.
10 Czollek, L., Perko, G., Kaszner, C., Czollek, M. (2019). Praxishandbuch Social Justice und Diversity. Theorien, Training, Methoden, Übungen
(2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage), Weinheim/ Basel, S. 9.

