Offener Brief an Ministerpräsident Söder fordert Ausbau queerer Bildung in Bayern
Internationaler Tag gegen Queerfeindlichkeit (IDAHOBITA*)

Queerfeindlichkeit nimmt zu – auch in Bayern. 2025 wurden 180 queerfeindliche Straftaten polizeilich erfasst. Die durch das Bundeskriminalamt erhobenen Zahlen queerfeindlicher Hasskriminalität haben sich zwischen 2014 und 2024 verzehnfacht. Und das bei einem geschätzten Dunkelfeld von bis zu 90 Prozent. Gleichzeitig erreichen Mobilisierungen gegen Christopher-Street-Days (CSDs), gezielte Einschüchterungen und Gewalt neue Ausmaße, ebenso wie Hassrede und Desinformation in digitalen Räumen.
Frühzeitige Aufklärung kann Diskriminierung und Gewalt verhindern. Leider zeigt sich dabei seit Jahren ein massives strukturelles Problem: Queere Bildungsarbeit in Bayern wird überwiegend ehrenamtlich getragen. Projekte in Städten wie München, Nürnberg oder Würzburg leisten vor Ort wichtige Arbeit, verfügen aber oftmals weder über hauptamtliches Personal noch über ausreichende Mittel für Materialien, Koordination oder flächendeckende Angebote. Sie erhalten regelmäßig Anfragen aus Regionen weit außerhalb ihrer kommunalen Zuständigkeiten und müssen Anfragen, beispielsweise aus Schulen, ablehnen, obwohl keine lokalen Alternativangebote zur Verfügung stehen.
Queerfeindlichkeit ist inzwischen ein wesentlicher Teil strategischer Angriffe auf unsere Demokratie. Gerade Schulen stehen dabei zunehmend unter Druck und werden Ziel von Bedrohungen und Desinformationskampagnen. Viele Schüler*innen erleben tagtäglich Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität. Auch queere Lehrkräfte verzichten aus Angst bewusst darauf, offen über ihr Leben zu sprechen. Wenn Schulen da-gegen aktiv werden wollen, sind sie zunehmend Anfeindungen ausgesetzt. Oft von außen orchestriert und eingebettet in rechtsextreme und religiös-fundamentalistische Strukturen. In Bayern existieren zudem Angebote, die queerfeindliche Narrative und wissenschaftlich widerlegte Behauptungen verbreiten – ohne dass Schulen ausreichend Schutz, Orientierung oder Unterstützung erhalten.
Schulen dürfen damit nicht länger allein gelassen werden! Deshalb bitten wir Sie:
- Finanzieren Sie hauptamtliche und langfristig abgesicherte Strukturen für queere Bildungsprojekte in allen Regierungsbezirken, die nach anerkannten Qualitätsstandards arbeiten.
- Unterstützen Sie uns finanziell beim Aufbau einer Landeskoordination für queere Bildungsarbeit in Bayern.
- Sorgen Sie für verbindliche Fortbildungen für Lehrkräfte, Schulsozialarbeit und Schulleitungen, queerinklusive Lehr- und Bildungsmaterialien, sowie für politischen Rückhalt und Schutz für Schulen, Lehrkräfte und Schüler*innen, die sich für Vielfalt und Demokratie einsetzen.
All diese Maßnahmen sind seit Langem fachlich ausgearbeitet. Der zivilgesellschaftliche Maßnahmenkatalog für einen "Bayerischen Aktionsplan Queer" von 2023 und der Dokumentationsband des Beteiligungsverfahrens von 2025 bündelt die Expertise zahlreicher Organisationen und zeigt konkrete Wege für eine wirksame Bildungs-, Präventions- und Antidiskriminierungspolitik auf. Ein solcher Aktionsplan darf kein symbolisches Papier bleiben. Er muss zügig final mit Fachorganisationen abgestimmt und politisch verabschiedet werden - mit einer ausreichenden Finanzierung und der strukturellen Einbindung zivilgesellschaftlicher Expertise bei der Umsetzung und Steuerung.
Wer Queerfeindlichkeit wirksam bekämpfen will, muss verhindern, dass sie entsteht. Die Stärkung queerer Bildungsarbeit ist eine Investition in Demokratie, Sicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und der Schutz vor Queerfeindlichkeit ist staatliche Pflicht.
Wir fordern die Bayerische Staatsregierung auf, jetzt zu handeln. Für ein Bayern, in dem alle Menschen frei, sicher und sichtbar leben können.
LSVD⁺ Bayern
Pressekontakt
Pressesprecher*in Markus Apel
LSVD⁺ Bayern e.V. c/o Sub e.V. Müllerstraße 14 80469 MünchenE-Mail: bayern[at]lsvd.de

