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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD⁺)

Factsheet Kooperationsverbund "Selbstverständlich Vielfalt"

Kooperationsverbund im Bundesprogramm „Demokratie leben!“

Die Mitarbeitenden in den Regelstrukturen des Staates und in anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen brauchen hier kompetente Ansprechpartner*innen, die überregional Expertise bündeln und bereitstellen und dafür sorgen, dass Erfahrungen aus der Praxis systematisch weitergegeben werden. Dafür wurden die bundesweit agierenden Kooperationsverbünde im Programm „Demokratie leben!“ ins Leben gerufen. 

Was steht aktuell auf dem Spiel?

Bildungs- und Familienministerin Prien hat angekündigt, das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ umzubauen. Rund 200 geförderte Projekte sollen zum Jahresende auslaufen. Die geplanten Umstrukturierungen und möglichen Kürzungen gefährden über Jahre aufgebaute Netzwerke, Kooperationen und Angebote und fügen der Präventionsarbeit langfristigen Schaden zu. Gleichzeitig binden Unsicherheiten Ressourcen, die eigentlich für die konkrete Arbeit benötigt werden. Demokratiebildung und Antidiskriminierungsarbeit benötigen Vertrauen, stabile Kooperationen und kontinuierliche Entwicklung. Zudem sind viele Projekte, die von den geplanten Änderungen betroffen sind, erst 2025 gestartet und auf vier oder acht Jahre angelegt. Wird jetzt gekürzt, verpufft die geleistete Aufbauarbeit, bevor sie überhaupt langfristig Wirkung zeigen konnte.

Warum braucht es den Kooperationsverbund?

Queerfeindlichkeit nimmt im öffentlichen und digitalen Raum stetig zu. Die Zahl der Übergriffe auf queere Menschen und Veranstaltungen wie die CSDs ist deutlich gestiegen. Allein die Zahl der polizeilich erfassten Straftaten im Bereich „Sexuelle Orientierung“ und „Geschlechtsbezogene Diversität“ hat sich seit 2010 nahezu verzehnfacht. Diese Entwicklung ist besorgniserregend und eine Gefahr für unser demokratisches Miteinander. Demokratie muss sich daran messen, wie sie mit ihren Minderheiten umgeht und ob sich Angehörige dieser Minderheiten angstfrei im öffentlichen Raum bewegen können. Sichtbarkeit schafft Bewusstsein! Nur was klar benannt wird, kann man schützen. Die Mitarbeitenden in den Regelstrukturen des Staates und in anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen brauchen hier kompetente Ansprechpartner*innen, die
überregional Expertise bündeln und bereitstellen und dafür sorgen, dass Erfahrungen aus der Praxis systematisch weitergegeben werden. Dafür wurden die bundesweit agierenden Kooperationsverbünde im Programm „Demokratie leben!“ ins Leben gerufen. 

Um wen geht es?

Die Arbeit des Kooperationsverbundes richtet sich an die gesamte Gesellschaft. Die Gruppen, mit denen wir arbeiten, kommen aus allen Bereichen: Schulen, Verwaltungen, Arbeitswelt, Freizeit, Ehrenamt. Ältere Lesben im Kommunalwesen, queere Jugendliche im Sportverein, LSBTIAQ*-Personen in ländlichen Räumen – sie alle sind Teil unserer Gesellschaft. Ziel ist es, Strukturen so zu stärken, dass sie alle Menschen erreichen. Der Abbau von Diskriminierung schützt nicht nur einzelne Gruppen, sondern fördert den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt, stärkt das Vertrauen in Institutionen und stabilisiert die Demokratie insgesamt.

Warum ist die Beteiligung der Zivilgesellschaft entscheidend?

Damit Programme zur Stärkung der Demokratie dauerhaft wirksam sind, braucht es die Expertise derjenigen, die über langjährige Erfahrung, gewachsene Netzwerke und enge Zugänge zu unterschiedlichen Zielgruppen verfügen. Selbstvertretungsorganisationen kennen die täglichen Realitäten der Betroffenen, sie bringen gesellschaftliche Bedarfe und wirksame Ansätze direkt
aus der Praxis ein. Ihre Perspektive ist unverzichtbar, sonst gehen Entscheidungen und Maßnahmen an den tatsächlichen Bedingungen und Herausforderungen der Menschen vorbei.

Stimmen zur Arbeit des Kooperationsverbundes

Bei unseren Schulungen für pädagogische Fachkräfte konnten wir die Materialien des LSVD als kostenfreie und offen zugängliche Quellen im Bereich Regenbogenfamilien und Umgang mit
Queerness weiterempfehlen. Dies ist besonders wertvoll, weil Pädagogen innen oft nur auf geringe finanzielle Mittel zurückgreifen können, gleichzeitig aber auf viele verschiedene Lebensrealitäten eingehen sollen. Danke für Ihre Arbeit!
Gemeinsame Diakonische Werke Rheinland-Süd

Die Exemplare die ich bislang erhalten habe, wurde mir nahezu aus den Händen gerissen. Natürlich mache ich als Schulsozialarbeit auch aufmerksam auf das Themengebiet, aber hier ist Bedarf. Mit zwei Lehrkräften bin ich darüber hinaus ins Gespräch gekommen und kann freudig mitteilen, dass wir das in den betreffenden Klassen als kleines Projekt gemeinsam starten. Schulsozialarbeiterin an einer Gemeinschaftsschule

Wir hatten eine sehr gute Fortbildung mit und von den Mitarbeitenden aus Ihrem Projekt für unsere Jugendverbandsarbeit.
Bund deutscher katholischer Jugend

Nach dem Referendariat wollte ich nicht direkt in die Schule, da ich den Eindruck hatte, dass es für nicht-binäre Lehrkräfte dort keinen Platz gibt. Ich hatte Sorgen, auf Unverständnis und Widerstände zu stoßen und damit alleine dazustehen. Der Austausch mit anderen queeren Lehrkräften hat mir Mut gemacht, wieder in den Schuldienst zu gehen. Ohne dieses Angebot hätte möglicherweise einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen.
Teilnehmer*in im Lehrkräfte-Onlineaustausch

Was ist der Kooperationsverbund?

Der Kooperationsverbund „Selbstverständlich Vielfalt“ ist ein Zusammenschluss mehrerer Selbstvertretungs- und Bildungsorganisationen, die sich gemeinsam für den Abbau von LSBTIAQ*-feindlichen Einstellungen einsetzen und die Akzeptanz von sexueller, romanti
scher und geschlechtlicher Selbstbestimmung in unserer Demokratie fördern. Jede der Organisationen bringt ihre spezifische Expertise ein, so dass diese sich in der gemeinsamen Arbeit ergänzt.

Was genau macht der Kooperationsverbund?

Der Kooperationsverbund sorgt für den Transfer von Wissen und Aufklärung in die Gesellschaft. Konkretes Ziel ist es, das friedliche und respektvolle Miteinan der durch Informationen zu vielfältigen Lebensweisen und Identitäten zu stärken. Wir bieten bundesweite Fortbildungen für Fachkräfte, Multiplikator*innen und ehrenamtlich Engagierte aus Kontexten wie Schulen, Sportvereinen, Verwaltung, Jugendorganisationen, Wohlfahrtsverbänden, der Sozialen Arbeit etc. an. In Online-Fachtagungen und Webtalks werden sie für den Umgang mit verschiedenen Lebensrealitäten wie beispielsweise Regenbogenfamilien oder queeren Identitäten sensibilisiert. Der Kooperationsverbund ist außerdem Anlaufstelle für alle gesellschaftlichen Verbände und Institutionen, die sich über LSBTIAQ* Belange informieren wollen und steht bei Projekten gegen Queerfeindlichkeit beratend zur Seite. So unterstützen wir die Arbeit vor Ort und tragen dazu bei, dass Maßnahmen nachhaltig wirken.

Wer bildet den Kooperationsverbund?

Der Fachverband Queere Bildung e. V. stärkt bundesweit queere Bildungsarbeit, indem er lokale Initiativen qualifiziert, vernetzt und in ihrer Weiterentwicklung unterstützt. Im Fokus stehen Multiplikator*innen, die Bildungsangebote zu sexueller, romantischer und geschlechtlicher Vielfalt umsetzen. Durch Qualifizierung, Austauschformate und Materialien trägt der Verband dazu bei, Angebotslücken zu schließen, neue Zielgruppen zu erreichen und die Qualität queerer Bildungsarbeit nachhaltig zu sichern.

Der LSVD+ entwickelt praxisnahe Bildungs- und Qualifizierungsangebote zur sexuellen, romantischen und geschlechtlichen Vielfalt. Im Mittelpunkt steht die Stärkung von Fachkräften und Organisationen im kompetenten Umgang mit LSBTIAQ*-Themen. Durch Workshops und Mate
rialien unterstützt der Verband dabei, diskriminierungssensibel zu handeln und Vielfalt in unter
schiedlichen Arbeitskontexten nachhaltig zu berücksichtigen. Hierbei kooperiert der LSVD+ mit
Intergeschlechtliche Menschen e. V. (IMeV), um intergeschlechtliche Perspektiven systematisch in Bildungsangeboten und Materialien sichtbar zu machen.

Der Bundesverband Trans* e.V. setzt sich bundesweit für die Rechte, Selbstbestimmung und
gesellschaftliche Teilhabe von trans* und nicht-binären Personen ein. Als zentraler Zusammenschluss von Einzelpersonen, Gruppen, Vereinen und Initiativen auf Regional-, Landes- und Bundesebene vernetzt der BVT* die Community und qualifiziert Fachkräfte. Die Angebote umfassen Fortbildungen für Beratungsstellen, Webtalks / Fragen und Antworten zu aktuellen Themen, Fachveranstaltungen, Vernetzungstreffen und Publikationen.

Die Akademie Waldschlösschen ist eine bundesweit tätige Bildungseinrichtung und Heimvolkshochschule mit langjähriger Erfahrung zu sexueller, geschlechtlicher und romantischer Vielfalt. Als Ort des gemeinsamen Lebens und Lernens unter einem Dach verbindet sie formale Bildungsangebote mit informellen Begegnungen – ein Ansatz, der Erfahrungslernen ermöglicht und durch die bewusste Begegnung heterogener Gruppen Vorurteile abbaut. Mit ca. 200 Veranstaltungen jährlich qualifiziert die Akademie Multiplikator*innen aus unterschiedlichen Praxisfeldern und stärkt zugleich Selbsthilfe  und Vernetzung der LSBTIAQ* Community.

Hier das Factsheet als PDF aufrufen.