LSVD⁺ unterstützt offenen Brief gegen IOC-Geschlechtstests
LSVD⁺ warnt vor Ausgrenzung, Intransparenz und Angriffen auf geschlechtliche Vielfalt im Sport

Berlin, 17.07.2026. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat am 26. März 2026 neue Regelungen vorgestellt, nach denen Athletinnen in der Frauenkategorie künftig per Geschlechtertest als „biologische Frauen“ eingestuft werden sollen. Diese sollen für die olympischen Spiele 2028 in Kraft treten. Gegen die neuen Vorgaben regt sich Widerstand bei deutschen Sportwissenschaftler*innen. In einem offenen Brief fordern sie eine kritische Auseinandersetzung mit den neuen Regularien. Der LSVD⁺ unterstützt den offenen Brief aus der Sportwissenschaft ausdrücklich und kritisiert die neue Policy als Schritt hin zu Ausgrenzung, Diskriminierung und einer transfeindlichen Regulierung des Sports.
In einer Stellungnahme (verlinken) betont auch die Deutsche Sporthochschule Köln, dass Geschlechtlichkeit komplex sei, die neue Regelung wissenschaftlich nicht ausreichend begründet werde und zentrale Transparenzstandards vermissen lasse. Besonders kritisiert wird, dass das IOC weder die zugrunde gelegten Studien noch die beteiligten Wissenschaftler*innen nachvollziehbar benennt. Die Geschlechtertests greifen tief in die informationelle Selbstbestimmung ein und berühren die Rechte sowie die Würde von Athletinnen. Zudem wird darauf verwiesen, dass die Forschungslage zur Leistungsfähigkeit und zur Validität solcher Tests nach aktuellem Stand eher gering und ambivalent ist.
Prof. Dr. Bettina Rulofs, Mitglied des Rektorats an der Deutschen Sporthochschule Köln: „Mit unserer Stellungnahme bekennen wir uns als Rektorat der Deutschen Sporthochschule Köln dazu, die Inklusion von geschlechtlicher Vielfalt im Sport zu fördern. Als Universität stehen wir für transparente wissenschaftliche Evidenz und eine differenzierte Betrachtung von komplexen Problemen. Diese Prinzipien kommen in der neuen IOC Policy zu kurz.“
Der offene Brief der Sportwissenschaft fordert deshalb einen offenen, differenzierten und evidenzbasierten Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt im Sport.
Dr. Karolin Heckemeyer, Sprecherin der dvs-Kommission Geschlechter- und Diversitätsforschung, sagt dazu: "Die neue IOC Policy führt zu einem rückschrittlichen Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt und verstärkt geschlechtsbezogene Diskriminierung im Sport – und dies nicht nur im Spitzensport. Die Regularien wirken sich auch auf den Breiten- und Schulsport aus. Im Fokus sollte für uns alle ein Sport für alle Geschlechter stehen!“
Julia Monro aus dem Bundesvorstand des LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt begrüßt diese Initiativen: „Sport soll Menschen zusammenbringen und nicht spalten. Die neue IOC-Policy ist kein Beitrag zu Fairness, sondern ein Instrument der Ausgrenzung. Sie reiht sich in eine globale Entwicklung ein, bei der Geschlechtlichkeit auf eine vermeintliche “binäre Biologie” reduziert werden soll. Aber diese Annahme ist längst wissenschaftlich widerlegt ist. Wir erkennen darin eine politische Agenda, die immer wieder unter dem Deckmantel von suggerierter Fairness und einem vermeintlichen Schutz von Frauen eine diskriminierende Logik verfestigen will. Dass diese Entwicklungen nun auch den Sport erreichen, obwohl dieser sich immer als “unpolitisch” darstellt, ist besorgniserregend. Wir begrüßen deshalb den offenen Brief ausdrücklich und rufen zur Unterstützung auf.”
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