Konsequenzen nach Terroranschlag auf Berliner CSD
LSVD⁺ fordert effektiven Schutz statt rassistischer Instrumentalisierung
Berlin, 27.07.2026. Nach dem tödlichen Vorfall auf den Berliner CSD vom Abend des 25. Juli 2026 gehen die Sicherheitsbehörden von einem islamistischen Terroranschlag aus. Eine Demonstrantin ist gestorben, viele weitere wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter, deutscher Staatsbürger, wurde am Folgetag von der Polizei beim Versuch der Festnahme erschossen. Inzwischen ist auch bekannt, dass er bereits in der Vergangenheit versucht hatte, sich dem sogenannten Islamischen Staat in Syrien anzuschließen. Alva Träbert aus dem Bundesvorstand des LSVD⁺ - Verband Queere Vielfalt kommentiert:
Der Schock in der queeren Community nach dem Berliner CSD, dem Tod einer Demonstrantin und den vielen Verletzten sitzt weiterhin tief. Viele von uns empfinden dabei eine Mischung aus Trauer, Angst und Wut. Inzwischen scheint klar, dass es sich bei dem tödlichen Attentat um einen islamistisch motivierten Anschlag handelte. Folge muss sein, dass der Staat konsequenter als bisher gegen queerfeindliche Hetze und Hassgewalt – ob nun von Rechtsaußen oder aus radikal-religiösen Milieus – durchgreifen muss. Es darf nicht sein, dass ein polizeibekannter Terrorist einen solchen Anschlag verüben kann. Es darf nicht weiter geduldet werden, dass der sogenannte Islamische Staat junge Menschen in Deutschland radikalisiert und gegen unsere Community aufhetzt. Der LSVD⁺ fordert daher: Gewaltprävention und effektiven Schutz für alle LSBTIAQ* statt rassistischer Instrumentalisierung.
Unsere Gedanken sind weiterhin bei den Opfern des Anschlags und ihren Angehörigen. Wir als Community, wir als liberale Gesellschaft sollten im Lichte dieses Angriff auf unsere Sichtbarkeit, Sicherheit und Freiheit enger denn je zusammenstehen. Wir müssen uns gemeinsam jeder Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegenstellen. Wie viele Stimmen aus der Community haben auch wir davor gewarnt, dass rechtspopulistische und rechtsradikale Parteien und Medien den Anschlag missbrauchen, um rassistischen Hass zu schüren. Genau das sehen wir jetzt vor allem von rechten bis rechtsextremen Akteur*innen. Gerade diejenigen, die sonst keine Gelegenheit auslassen, um uns LSBTIAQ* anzugreifen und den Einsatz für unsere Menschenrechte als Identitätspolitik zu diskreditieren, heucheln nun Solidarität. Gleichzeitig sind die Kommentarspalten voll von Häme – es habe immerhin die Richtigen getroffen. Die Erfahrung zeigt, dass Rechtsaußen hierdurch für seine menschenverachtenden Positionen in breiten Wähler*innenschichten Anschluss findet. Aber: Wir gehen der rassistischen Instrumentalisierung nicht auf den Leim.
Denn: Dieser Hass zersetzt unsere plurale Gesellschaft, er bedroht die Sicherheit aller Muslim*innen in Deutschland, und er gefährdet damit gerade queere Muslim*innen und queere People of Colour. Durch diese Hetze soll die Akzeptanz weiterer Verschärfungen der Migrations- und Asylpolitik in der Mitte der Gesellschaft verankert werden. Dabei werden Menschen, die bei uns vor Verfolgung Schutz suchen, allzu oft und systematisch allein gelassen. Erste Leidtragende sind gerade auch LSBTIAQ* Personen, die vor islamistisch motivierter Verfolgung fliehen müssen, und denen dann keine Fluchtwege mehr offen stehen. Wir lassen daher unseren Schmerz und unsere Angst nicht vereinnahmen von Akteur*innen, die sonst nicht an unserer Seite stehen und zeitgleich mit den Taliban über Abschiebungen verhandeln wollen. Wir brauchen wirksamen Schutz vor queerfeindlicher Gewalt und Diskriminierung, der nicht auf Kosten von Migrant*innen und People of Colour geht. Der LSVD⁺ wird in den nächsten Tagen einen Maßnahmenkatalog vorlegen.
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