LSVD+ Hessen verurteilt Äußerungen des Fuldaer Pfarrers im Ruhestand Winfried Abel nach dem Anschlag auf den CSD Berlin
Distanzierung des Bistums Fulda ist richtig

Frankfurt am Main, 7. August 2026. Der LSVD⁺– Verband Queere Vielfalt Hessen verurteilt die Äußerungen des ehemaligen Fuldaer Pfarrers Winfried Abel aufs Schärfste. Den islamistischen Terroranschlag auf den Christopher Street Day in Berlin als ein „Signal des Himmels“ oder gar als göttlichen „Aufruf zur Besinnung und Umkehr“ zu deuten, verletzt die Würde der Opfer, verkehrt die Verantwortung von Täter und Betroffenen und trägt dazu bei, queerfeindliche Narrative zu legitimieren. Eine menschenfeindliche Instrumentalisierung des Anschlags durch religiöse Überzeugungen darf in einer demokratischen Gesellschaft keinen Platz haben.
„Religiöse Überzeugungen dürfen niemals dazu missbraucht werden, Gewalt gegen die queere Community zu rechtfertigen oder zu relativieren. Nach einem islamistischen und queerfeindlichen Anschlag brauchen die Opfer, ihre Angehörigen und die gesamte Community Solidarität, Mitgefühl und den entschiedenen Schutz unserer Demokratie. Menschenfeindliche religiöse Instrumentalisierung widerspricht den Grundwerten unseres Zusammenlebens ebenso wie den Werten vieler Religionsgemeinschaften, die sich für Menschenwürde und Vielfalt einsetzen“, erklärt Georgios Kazilas vom LSVD⁺ Hessen.
Gleichzeitig begrüßt der LSVD⁺ Hessen die klare Distanzierung des Bistums Fulda ausdrücklich. Das Bistum hat unmissverständlich klargestellt, dass die Äußerungen des ehemaligen Pfarrers nicht seine Position widerspiegeln, jede religiöse Deutung eines Terroranschlags zurückgewiesen und die unveräußerliche Würde aller Menschen – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität – bekräftigt.
Als Verband stehen wir für einen offenen und respektvollen Dialog mit allen Religionsgemeinschaften. Viele Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften engagieren sich seit Jahren für Menschenwürde, Vielfalt und den Schutz queerer Menschen. Den konstruktiven Austausch möchten wir weiter ausbauen. Gemeinsam müssen wir jeder Form von Menschenfeindlichkeit entschieden entgegentreten.
Gerade in Zeiten zunehmender queerfeindlicher Anfeindungen und Hasskriminalität braucht es eine starke Zivilgesellschaft. Der LSVD⁺ Hessen ermutigt deshalb queere Menschen und ihre Verbündeten, sich weiterhin sichtbar für Vielfalt, Demokratie und Menschenrechte einzusetzen. Einschüchterung und Hass dürfen nicht dazu führen, dass queere Menschen aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden. Die Christopher Street Days in Hessen sind Orte der Sichtbarkeit, der Solidarität und des demokratischen Miteinanders.
Hintergrund:
Seit vielen Jahren engagiert sich der LSVD⁺ Hessen gemeinsam mit hessischen Partner*innen für mehr Akzeptanz und gleiche Rechte. Der Verband hat die Entwicklung des Hessischen Aktionsplans für Akzeptanz und Vielfalt (APAV) sowie des kommunalen „Aktionsplan: Schutz, Akzeptanz und Vielfalt“ der Stadt Frankfurt am Main aktiv begleitet. Mit Informationsständen auf Christopher Street Days im ganzen Land leistet der LSVD⁺ Hessen Aufklärungsarbeit und steht queeren Menschen sowie ihren Angehörigen als Ansprechpartner zur Verfügung. Darüber hinaus unterstützt der Verband insbesondere neue und kleinere CSD-Initiativen. Ein aktuelles Beispiel sind die Vorbereitungen für den ersten Christopher Street Day in Offenbach am Main, der am 19. September 2026 stattfinden soll. Gerade solche Initiativen zeigen, dass Sichtbarkeit, Zusammenhalt und demokratisches Engagement die richtige Antwort auf Hass und Einschüchterung sind.
Die aktuellen Ereignisse machen zugleich deutlich, dass der Schutz queerer Menschen in Deutschland weiter gestärkt werden muss. Queerfeindlichkeit ist ein Phänomen, das bin in die Mitte der Gesellschaft reicht. Wer Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität angreift oder ihnen ihre Würde abspricht, greift die Grundwerte unseres demokratischen Zusammenlebens an. Das gilt ebenso für jede Form der menschenfeindlichen Instrumentalisierung religiöser Überzeugungen.
Der LSVD⁺ Hessen erneuert deshalb seine Forderung, den Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und der geschlechtlichen Identität ausdrücklich in Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes zu verankern. Eine entsprechende Ergänzung wäre ein klares verfassungsrechtliches Bekenntnis zu Menschenwürde, Gleichberechtigung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Angesichts der zunehmenden Anfeindungen gegen queere Menschen ist es an der Zeit, diesen Schutz auch im Grundgesetz ausdrücklich sichtbar zu machen.
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Pressesprecher*in Landesvorstand des LSVD⁺ Hessen
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