„Wir sind hier, wir sind Teil dieser Gesellschaft“
Regenbogenfamilienkonferenz 2026 fordert endlich rechtliche Gleichstellung

Mannheim/Berlin, 21.10.2026. Unter dem Motto „Starke Familien - Familien stärken“ fand vom 9. bis 11. Oktober in der Mannheimer Jugendherberge wieder unsere Regenbogenfamilienkonferenz (RBFK) statt. Mehr als 300 Erwachsene, Jugendliche und Kinder kamen zusammen für drei Tage Workshops, Gemeinschaft und Empowerment in einem Safe Space. Schirmperson war in diesem Jahr Oliver Hildenbrand, baden-württembergischer Minister für Soziales, Arbeit und Gesundheit.
Tausende Kinder wachsen in Regenbogenfamilien auf, d.h. Familien, in denen mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, intergeschlechtlich, nonbinär, agender ist oder sich sonst irgendwie der LSBTIAQ*-Community zugehörig fühlt. Die Vielfalt an gelebten Familienformen ist groß: Zwei-Mütter-Familien, Zwei-Väter-Familien, Mehrelternfamilien oder Familien mit trans- und intergeschlechtlichen Eltern, hetero-queere Patchworkfamilien oder noch mal ganz andere Konstellationen unter dem Regenbogen. Diese Familienvielfalt zeigte sich auch bei der RBFK. Queere Familien setzten ein gelebtes Zeichen und transportieren nach außen: Wir sind hier, wir sind Teil dieser Gesellschaft!
Die Regenbogenfamilienkonferenz reicht dabei als Bildungs- und Empowerment‑Veranstaltung für queere Familien weit über Baden-Württemberg hinaus. Unser zentrales Ziel ist es, Familien in ihrer Vielfalt durch Bildung und Vernetzung zu stärken. 2023 kamen Regenbogenfamilien aus ganz Deutschland nach Mannheim, in diesem Jahr aus ganz Süddeutschland sowie Berlin, Leipzig und Nordrhein-Westfalen. Eltern wie Kinder fuhren mit strahlenden Gesichtern am Ende wieder nach Hause.
Regenbogenfamilien sind sichtbarer geworden, ihre Belange und Nöte nicht
„Regenbogenfamilien sind in Öffentlichkeit und Gesellschaft zwar sichtbarer geworden, ihre Belange und Nöte aber leider nicht. Wir waren Ende 2024 so knapp vor einer Reform des Abstammungsrechts und sind jetzt wieder um Jahre zurückgefallen. Regenbogenfamilien müssen endlich rechtlich abgesichert werden“, sagt Brigitte Aichele-Frölich, Vorständin im LSVD⁺ BW.
Dazu ergänzt Christian Gladel aus dem Bundesvorstand des LSVD⁺ - Verband Queere Vielfalt: „Bei der Regenbogenfamilienkonferenz ging es um die Familien, die jeden Tag leben, lieben, füreinander Verantwortung übernehmen und füreinander da sind - unabhängig davon, ob das Recht ihre Familienrealität bereits anerkennt. Die Konferenz hat gezeigt, wie groß der Bedarf in der rechtlichen Anerkennung von Regenbogenfamilien vor allem durch eine umfassende Reform des Abstammungsrechts ist. Trotz und gerade wegen der aktuellen politischen Lage ist diese Konferenz, organisiert von unserem Landesverband Baden-Württemberg, als sicherer Raum für Regenbogenfamilien und ihre Verbündeten wichtiger denn je.“
Die dreitägige RBFK endete am Sonntag mit einem großen Familienfest, bei dem die Kinder aus den Musik- und Zirkus-Workshops in Aufführungen zeigten, was sie am Wochenende erarbeitet hatten. Außerdem gaben die Musikerinnen Suli Puschban aus Berlin und Nica Neulich aus Karlsruhe ein kleines Konzert.
Familie verdient Schutz – jede Familie
Schirmperson Oliver Hildenbrand zeigte sich begeistert. „Familie ist überall dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Und wenn wir von der gesellschaftlichen Realität ausgehen, ist klar: Familie ist vielfältig. Nach dem Anschlag beim Berliner CSD ist zudem klar: Queere Strukturen sind bedrohter denn je, in all ihren Bereichen, auch Familien. Wir werden alles dafür tun, damit queere Menschen, damit alle Familien sicher, friedlich und selbstbestimmt leben können.“
Auch Thorsten Riehle, Bürgermeister für Wirtschaft, Arbeit, Soziales und Kultur in Mannheim, betonte in seinem Grußwort, dass queeres Leben in den jetzigen rauen Zeiten besonderen Schutz verdient. Dafür stehe die Stadt Mannheim und sei stolz, bereits zum zweiten Mal Konferenzort der RBFK gewesen zu sein. Dafür stehe die Stadtverwaltung auch gesellschaftlich und politisch ein. Alle Teilnehmenden lud er ein, Mannheim jederzeit wieder zu besuchen.
Von den teilnehmenden Familien gingen ebenfalls Impulse aus. So wünschen sie sich ein regelmäßiges Angebot wie die Regenbogenfamilienkonferenz, gerne auch in anderen Bundesländern, den Ausbau von Beratungsstrukturen und Treffpunkten und ausreichend finanzielle Absicherung und Unterstützung dafür von der Politik. Kinder und Jugendliche möchten mehr Möglichkeiten für gemeinsame Erlebnisse, sei es in Workshops bei Veranstaltungen oder mit neuen, auf sie zugeschnittenen Angeboten. In einem Buch teilten sie ihre Wünsche und Erwartungen mit. Es wurde Minister Hildenbrand beim Abschluss der Konferenz überreicht.
Bereits die 4. Regenbogenfamilienkonferenz in Baden-Württemberg
Die Regenbogenfamilienkonferenz fand bereits das sechste Mal in Baden-Württemberg statt und zum zweiten Mal in Mannheim. Organisiert wurde die RBFK von rund 20 ehrenamtlichen Menschen aus dem Lesben- und Schwulenverband - Queere Vielfalt Baden-Württemberg e.V. (kurz: LSVD⁺ BW) und verschiedenen ILSE-Gruppen (Initiative Regenbogenfamilien) aus Baden-Württemberg und darüber hinaus sowie Mitarbeitenden der Beratungsstelle BerTA für Regenbogenfamilien und alle, die es werden wollen (in Trägerschaft des LSVD⁺ BW).
Wir danken unserem Förderer, dem Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit sowie der Stadt Mannheim, der Queerbeauftragung der Stadt Mannheim, der Mannem Vorne GmbH, dm, der MVV Energie AG, dem Queeren Zentrum Mannheim und der Firma Blanc & Fischer für die großzügige Spende. Außerdem danken wir dem LSVD⁺-Bundesverband und den LSVD⁺-Landesverbänden Berlin-Brandenburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen/Bremen für ihre Unterstützung.
LSVD⁺ Baden-Württemberg
Pressekontakt
Pressesprecher*in Kerstin Rudat
Lesben- und Schwulenverband - Queere Vielfalt Baden-Württemberg e.V. (LSVD+ BW) Lange Str. 18 70174 StuttgartE-Mail: kerstin.rudat@lsvd.de

