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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD⁺)

Nachlese Internationale Begegnungen Hamburg – Tallinn

Aus Sicht einer Teilnehmerin – „Fachkräfteaustausch im Juni 2026“

Das Programm der Woche bestand aus Treffen mit „Q-Space“ – gegründet von ehemaligen Bok-o-Bok/Side-by-Side-Organisatorinnen, die vormals in St. Petersburg lebten – und anderen LGBTIQ+-Organisationen sowie der Teilnahme am Baltic Pride 2026, der vom 2. bis 6. Juni in Tallinn stattfand.

Das Programm der Woche bestand aus Treffen mit „Q-Space“ – gegründet von ehemaligen Bok-o-Bok/Side-by-Side-Organisatorinnen, die vormals in St. Petersburg lebten – und anderen LGBTIQ+-Organisationen sowie der Teilnahme am Baltic Pride 2026, der vom 2. bis 6. Juni in Tallinn stattfand.

Wir nahmen an der Pride-Eröffnungsfeier im Fotografiska, an einem Filmscreening mit anschließender Diskussion im Kino Artis mit Aktivistinnen aus den drei baltischen Staaten sowie an der abschließenden Pride Parade am Samstag teil. Darüber hinaus trafen wir uns mit Vertreterinnen der deutschen Botschaft und des estnischen Wirtschaftsministeriums, in dem das Referat für Gleichstellung angesiedelt ist.

So habe ich einen direkten Einblick in die politische Arbeit vor Ort erhalten und aus deutscher und estnischer Perspektive mehr über die Möglichkeiten, aber auch über die Schwierigkeiten erfahren, queere Interessen auf lokaler und internationaler Ebene umzusetzen.

Durch die Gespräche mit Vertreterinnen lokaler queerer Projekte wie „Q-Space“, „Bearty“ und der Aktivistinnengruppe „Feministeerium“ konnte ich auch einen persönlichen Einblick in deren Arbeit in Tallinn gewinnen. Besonders interessant war dabei der Austausch über queere Kultur und Film. Auch wenn in Tallinn derzeit kein jährliches queeres Filmfestival stattfinden kann, gab es einen regen Austausch zu queeren Filmen und Empfehlungen dazu – sowohl mit „Q-Space“ als auch mit „Bearty“, die regelmäßig queere Filmscreenings in der Stadt organisieren.

In den Gesprächen wurde immer wieder betont, dass es noch viel zu tun gibt und es wichtig ist, beständig am Ball zu bleiben, um gleiche Rechte für queere Menschen durchzusetzen. Dies gilt auch dann, wenn die estnische Gesellschaft allgemein als liberal gilt.

Die Menschen, die wir im Rahmen des Austauschs treffen durften, sind uns mit Freundlichkeit, Offenheit und großem Interesse entgegengetreten. Gerade dieser persönliche Austausch hat die Begegnungen für mich besonders wertvoll gemacht. Durch die hervorragende Organisation, auch durch den LSVD+ Hamburg, war die Woche in Tallinn nicht nur bereichernd, sondern auch sehr angenehm. Ich bin dankbar, an einem solchen Programm teilgenommen haben zu dürfen.

Ich danke auch der Stadt Hamburg für die Unterstützung, ohne die dieses Programm nicht möglich gewesen wäre.

Aus Sicht eines Teilnehmers zum CSD in Hamburg 2026

Während des Programms hatten wir zudem die Möglichkeit, wieder Kontakt zu Menschen und Organisationen aufzunehmen, die wir bereits beim vorherigen Austausch kennengelernt hatten. Dazu gehörten unter anderem Vertreter*innen der Aidshilfe Hamburg und des Internationalen Queer-Filmfestivals.

Es war besonders bereichernd zu sehen, dass einige der beim vorherigen Programm geknüpften Kontakte im Laufe der Zeit fortbestehen und sich weiterentwickeln konnten. So wurde deutlich, dass ein solcher Austausch nicht mit dem Ende einer Reise abgeschlossen ist, sondern auch darüber hinaus neue Begegnungen und Verbindungen entstehen können.

Das Programm selbst bot eine gute Mischung aus strukturierten Aktivitäten, fachlichen Treffen, kulturellen Erlebnissen und der Teilnahme an der Pride. Wir besuchten und trafen uns mit Organisationen, die in verschiedenen Bereichen der queeren Community tätig sind, darunter die Aidshilfe Hamburg, das Queer Film Festival und das Magnus-Hirschfeld-Centrum.

Außerdem nahmen wir am Dyke March, an der Hamburg-Pride-Demonstration und am Straßenfest teil, wo wir den Q-Space-Informationsstand unterstützten. Diese unterschiedlichen Aktivitäten zeigten erneut, dass queerer Aktivismus viele Formen annehmen kann: von Interessenvertretung und gemeinnütziger Arbeit über Kultur und Bildung bis hin zu öffentlicher Sichtbarkeit und der Schaffung von Räumen, in denen sich Menschen treffen und gemeinsam feiern können.

Der für mich vielleicht bedeutendste Aspekt des Austauschs ist nach wie vor das Erleben queerer Freude in ihren vielen verschiedenen Formen. Während der Reise habe ich sie durch Aktivismus, politische und Gemeinschaftsarbeit, Freundschaft, Feiern, Nachtleben, kulturelle Veranstaltungen und gegenseitige Unterstützung erlebt.

Es passiert leicht, dass sich queerer Aktivismus ausschließlich auf die Probleme konzentriert, mit denen wir konfrontiert sind. Austauschprogramme wie dieses erinnern uns aber auch daran, warum wir uns überhaupt organisieren: um Gemeinschaft zu schaffen, uns gegenseitig zu unterstützen und Räume für queere Menschen zu schaffen, in denen sie offen und freudvoll leben können.

Insgesamt betrachte ich den Austausch als eine sehr wertvolle Erfahrung. Er hat bestehende Beziehungen zwischen Q-Space und unseren deutschen Partnern gestärkt, neue Verbindungen geschaffen und den Teilnehmenden die Möglichkeit gegeben, queere Gemeinschaft über Grenzen hinweg zu erleben.

Ich bedanke mich beim LSVD⁺ für die hervorragende Organisation und bei der Stadt Hamburg für die Unterstützung.

Wir freuen uns auf eine neue Begegnung im Jahr 2027.

Wolfgang Preussner LSVD⁺ Hamburg