Solidarität mit der LSBTI-Gemeinschaft in Ruanda in Zeiten von Covid-19

Spendenaufruf für die ruandische LSBTI-Organisation Other Sheep Rwanda

Other Sheep Rwanda tritt dafür ein, dass religiöse LSBTI-Communities ihren Glauben ausüben und ein Leben ohne Stigma und Gewalt leben können. Kürzlich schickte uns ihr Gründer Jean Elie Gasana einen Hilferuf: COVID-19 stellt das arme Ruanda und seine Menschen vor enorme Herausforderungen.

Other Sheep Rwanda ist eine Organisation, die dafür eintritt, dass religiöse LSBTI-Communities ihren Glauben ausüben und ein Leben ohne Stigma und Gewalt leben können. Zudem will Other Sheep Rwanda die Menschenrechte für alle und insbesondere von LGBTI in Ruanda und im Osten der Demokratischen Republik Kongo stärken. Kürzlich schickte uns der Gründer der Organisation Jean Elie Gasana einen Hilferuf, denn COVID-19 stellt das arme Ruanda und seine Menschen vor enorme Herausforderungen. Hier veröffentlichen wir seinen aufwühlenden Bericht, der von Klaus Jetz, dem Geschäftsführer der Hirschfeld-Eddy-Stiftung, übersetzt wurde. Unter dem Stichwort "Ruanda" sammelt die Menschenrechtsstiftung des LSVD Spenden.

Bericht von Other Sheep Rwanda zu COVID-19

Angesichts der globalen Pandemie COVID-19 wollen wir Solidarität üben und Mut zeigen. Wir stehen in Liebe zu allen LGBTI-Gemeinschaften auf der ganzen Welt.

Wir wissen, dass Ihr, wie die meisten von uns, bereits unzählige Informationen zu COVID-19 erhalten habt, die wir nicht zu ergänzen beabsichtigen. Stattdessen erkennen wir an, dass die von uns allen geforderte soziale Distanzierung direkte und negative Auswirkungen auf diejenigen in unserer Gemeinschaft haben, deren Lebensunterhalt von physischer Interaktion, Verhandlungen und dem Aufbau von Intimität abhängt. Unsere Gedanken sind auch bei denen, die kein Dach über dem Kopf und keinen Ort haben, den sie ihr Zuhause nennen können, und wo sie sich sicher in Quarantäne begeben können.

Wir hoffen auf Solidarität, wollen uns auch damit Mut machen, dass wir als Volk, als Kontinent / Land und als Gemeinschaft hoffentlich nicht nur dadurch definiert werden, wie schlimm unsere Situation war oder ist, sondern durch die Beharrlichkeit, Solidarität und Macht, die wir in dunklen Zeiten wie diesen bewiesen haben und beweisen. Gnade, Liebe und Mut haben uns schon oft durch schwere Zeiten geführt, und in dieser Pandemie wird es nicht anders sein.

Die ruandische LSBTI-Gemeinschaft ist von der COVID-19-Pandemie stark betroffen. Auch wenn die Krankheit sich hier wie in anderen Regionen ausbreitet, wollen wir dennoch das Beste hoffen und uns zugleich auf das Schlimmste vorbereiten. Vor allem angesichts der Tatsache, dass unsere Gemeinschaft weiterhin kriminalisiert und sozial diskriminiert wird und kaum Zugang zu sozialen Einrichtungen und Hilfe hat.

Wir bei Other Sheep Rwanda ergreifen Maßnahmen wie Tele-Arbeit, um sicher und gesund zu bleiben. Wir pochen weiterhin darauf, dass bei finanzieller Unterstützung unserer Arbeit Flexibilität und rasche Reaktionsfähigkeit unabdingbar sind, um unsere Partner durch die Pandemie begleiten zu können. Unserer Community in Ruanda wollen wir darlegen, wie wir gemeinsam diese Pandemie überwinden können.

Solidarität mit der LSBTI-Gemeinschaft in Ruanda

Im März informierte die Regierung Ruandas die ruandische Bevölkerung über COVID-19. Damals begann der Lockdown. Das arme Ruanda verfolgte eine Politik der Abriegelung, ungeachtet des geringen Lebensstandards der ruandischen Bevölkerung, insbesondere von LGBTI. Als LSBTI und LSBTI-Organisationen sehen wir uns während dieser COVID-19-Pandemie mit folgenden Herausforderungen konfrontiert:

1) Fehlen eines Notfallfonds zur Unterstützung von LSBTI in dieser COVID-19-Pandemie. Einige LGBTI hielten sich mit informellen Jobs über Wasser (sie arbeiteten in Bars, Restaurants, Schönheitssalons, Schneidereien usw.), doch jetzt stehen sie ohne Arbeit dar.

2) Fehlende Ausbildung (Schulungen), um auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu sein, insbesondere während dieser Pandemie.

3) Wir als LSBTI-Gemeinschaft suchen nach kleinen Projekten, die uns unterstützen können, z.B. bei der Finanzierung von Medikamenten, insbesondere für HIV/STD-Infizierte, bei der Bezahlung von Lebensmitteln, der Miete und anderen Bedürfnissen. LGBTI könnten im Rahmen eines kleinen Projektes von anderen qualifizierten LGBTI geschult werden, damit sie selbstständig und unabhängig werden. Hilfe zur Selbsthilfe

4) Kürzlich wurde drei schwulen Männern der Zutritt zu ihrem gemieteten Haus verweigert, das sie verschlossen vorfanden. Sie erhalten keine Unterstützung. Auch HIV-Infizierten und Bisexuellen fehlt es an Arbeit, Nahrungsmitteln und Unterkünften.

5) Wir würden gerne kleine Projekte wie eine kleine Schweine- oder Hühnerzucht, ein Schneidereiprojekt, Bäckereiprojekt oder andere Projekte organisieren, aber für solche Projekte fehlen uns die finanziellen Mittel.

6) In dieser COVID-19-Pandemie haben unsere Leute nicht einmal die Mittel, um die Krankenversicherung zu bezahlen.

Hirschfeld-Eddy-Stiftung sammelt Spenden

Die Hirschfeld-Eddy-Stiftung sammelt Spenden, um Other Sheep Rwanda in diesen dramatischen Zeiten zu unterstützen. Wir leiten diese eins zu eins weiter.

IBAN: DE64 3702 0500 0005 0100 00
Stichwort: Ruanda

oder jetzt online spenden

Wir kennen Jean Elie Gasana seit dem Herbst 2013. Damals nahm er an unserer LGBTI-Aktivist*innenreise zum Thema Homosexualität und Religion in Afrika teil. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes konnten wir damals zwölf Kolleg*innen aus Subsahara für ein intensives Wochenprogramm mit Workshops und Gesprächsterminen nach Berlin einladen. Jean Elie berichtete damals von der Notlage geflüchteter LGBTI aus Uganda, die in Ruanda Zuflucht vor der Repression in ihrer Heimat gefunden hatten.

Bei der Konferenz „Pride & Prejudice. Homosexualität und Religion in Subsahara-Afrika“, die wir im Auswärtigen Amt durchführten, hatte er Gelegenheit, umfassend über die Situation von LGBTI in Ruanda und über seine Arbeit zu berichten. Er berichtete von gesellschaftlicher Ausgrenzung und der enormen Tabuisierung von Sexualität, von der tief verwurzelten religiös motivierten Homo- und Transphobie in seiner Heimat.

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