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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)

Menschenrechte für Alle

LSVD Bayern zum internationalen Tag der Menschenrechte

Die Realität sieht leider in sehr vielen Ländern anders aus. Lesben und Schwule, Bisexuelle, trans* und inter* Personen sind in vielen Ländern auch 72 Jahre nach der Erklärung der Menschenrechte noch immer von Diskriminierung, Verfolgung und sogar in ihrem Leben bedroht

«Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren», heißt es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, und: «Jeder Mensch hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeine Unterscheidung.» Sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität als Teil der Würde und des Wesens eines jeden Menschen dürften demnach nie als Grund für Diskriminierung, Gewalt oder Misshandlungen dienen. Das Ausleben der eigenen sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität ausleben, ist dieser Logik zufolge ein Menschenrecht. Nur: Die Realität sieht leider in sehr vielen Ländern anders aus. Lesben und Schwule, Bisexuelle, trans* und inter* Personen sind in vielen Ländern auch 72 Jahre nach der Erklärung der Menschenrechte noch immer von Diskriminierung, Verfolgung und sogar in ihrem Leben bedroht.

Ein paar aktuelle Beispiele aus dem Jahr 2020:

  • Mira, eine 42 jährige trans* Frau wurde im April 2020 in Jakarta (Indonesien) auf offener Straße verbrannt, Strafen haben die Täter kaum zu befürchten
  • ein Gericht in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat 26 Männer zu jeweils fünf Jahren Haft verurteilt, nachdem diese von Polizisten bei den angeblichen Vorbereitungen zur Hochzeit eines homosexuellen Paares aufgegriffen wurden
  • die EU-Mitgliedsländer Polen und Ungarn haben 2020 Einschränkung der Rechte von LGBTIQ* verstärkt und nehmen dazu auch den Konflikt mit den EU-Institutionen in Kauf. So sollen z.B. in Ungarn durch Verfassungsänderungen die Rechte von trans* Menschen und Regenbogenfamilien eingeschränkt bis unmöglich gemacht werden, in Polen werden LGBTIQ*-Aktivist*innen bedroht, eingeschüchtert, in ihrer Arbeit behindert und mehr als 100 polnische Städte haben sich zu „LGBT-freien Zonen“ erklärt.
  • Und auch in Deutschland sind Hass, Gewalt und Aggressionen gegen LGBTIQ* gesellschaftlich fest verankert, wie man einem aktuellen Monitoring-Bericht zu trans*- und homofeindlicher Gewalt nachlesen konnte. Erst im Oktober wurde ein Homosexueller in Dresden auf offener Straße ermordet. Und auch von der Blutspende sind Homosexuelle in Deutschland, trotz des großen Mangels an Blutkonserven, noch immer weitestgehend ausgeschlossen.

All diese Beispiele zeigen, wie wichtig und notwendig es ist, sich auch weiterhin für die Rechte von LGBTIQ* weltweit einzusetzen.

Und trotz aller negativen Entwicklungen und Rückschläge auf dem Weg zu Gleichstellung und Akzeptanz gibt es auch positive Nachrichten. So hat die Europäische Kommission im November 2020 erstmals eine EU-Strategie zur Gleichstellung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender-, nichtbinären, intersexuellen und queeren Personen vorgestellt. Denn wenngleich in der EU in den letzten Jahren Fortschritte bei der Gleichstellung von LGBTIQ* erzielt wurden, erfahren LGBTIQ*-Personen nach wie Diskriminierung an ihrem Arbeitsplatz oder in der Öffentlichkeit. Das Strategiepapier sieht u.a. in den nächsten 5 Jahren eine Reihe gezielter Maßnahmen (einschließlich rechtlicher und finanzieller Art) vor, durch die die Diskriminierung von LGBTIQ* beendet und ihre Sicherheit gewährleistet werden soll, die Rechte der Regenbogenfamilien ausgebaut und geschützt werden und auch die Gleichstellung von LGBTIQ* in der Welt weiter verbessert werden sollen.

Unabhängig davon hat der LSVD auf seinem Bundesverbandstag im Oktober 2020 unter dem Titel „Frei und sicher leben: homophobe und transfeindliche Hasskriminalität entschieden bekämpfen“ einen Forderungskatalog an Politik und Gesellschaft beschlossen, durch den aktiv Maßnahmen ergriffen werden sollen, um LGBTIQ*-Hassverbrechen sichtbar zu machen, überhaupt zu erfassen, zu verhindern, zu verfolgen und zu sanktionieren. Denn auch in Sicherheit leben zu können ist ein Menschenrecht.

Darum schweigt nicht, wenn ihr mitbekommt, dass Menschen in ihren Rechten beschnitten werden, zeigt Euch solidarisch, engagiert Euch und lasst uns gemeinsam für unsere Rechte, aber auch für die Rechte aller Menschen kämpfen. 365 Tage im Jahr, nicht nur am Tag der Menschenrechte.

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