Fragen und Antworten zur Öffnung der Ehe

Wir entkräftigen die häufigsten Vorurteile

Die Ehe ist nur für Mann und Frau, weil nur aus dieser Verbindung Kinder entstehen. Die Ehe ist durch das Grundgesetz geschützt! Und als nächstes dürfen dann auch Menschen ihren Hund heiraten? - Wir entkräftigen die häufigsten Vorurteile zur Ehe für alle

Warum ist es diskriminierend, dass Lesben und Schwule nicht heiraten dürfen?

Eine Diskriminierung ist eine Ungleichbehandlung ohne gerechtfertigte Begründung. Für das Eheverbot für Lesben und Schwule gibt es keine rationalen Argumente. Gleichzeitig macht das Eheverbot damit deutlich, dass man die Liebe und Partnerschaft zwischen zwei Männern bzw. zwei Frauen für weniger wert hält als die Liebe zwischen Mann und Frau. Das ist dann eindeutig eine Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung, sprich Homophobie.

Was unterscheidet die Liebe in hetero- und homosexuellen Partnerschaften jedoch voneinander? Unser Meinung nach: Nichts!

Die Ehe ist nur für Mann und Frau, weil nur aus dieser Verbindung Kinder entstehen.

Heiraten heterosexuelle Menschen nur, weil sie Kinder wollen? Die könnten sie doch auch unverheiratet bekommen? Vor allem: Was ist mit Heterosexuellen, die keine Kinder bekommen können oder wollen. Dürfen die dann konsequenterweise auch gar nicht heiraten. Sollten erstmal alle Paare ausführlich beweisen, ob sie auch wirklich Kinder zeugen möchten und können, bevor man ihnen erlaubt, zu heiraten? Verbieten wir es allen Frauen über 50 zu heiraten, da sie vermutlich eh keine Kinder mehr kriegen können?

Heterosexuelle heiraten doch vor allem aus Liebe und dem Wunsch, in guten wie in schlechten Zeiten füreinander einzustehen. Das ist bei Lesben und Schwulen nicht anders.

Die Ehe ist durch das Grundgesetz geschützt! Darum dürfen Lesben und Schwule nicht heiraten!

Auch das ist falsch. In Artikel 6 GG ist nicht definiert, was eine Ehe ist. Für die Eheöffnung ist daher auch keine Grundgesetzänderung notwendig, wie gern behauptet wird. Es genügt eine Klarstellung im Bürgerlichen Gesetzbuch (§1353 BGB), die im Bundestag mit einfacher Mehrheit beschlossen werden könnte.

Außerdem, warum sollte eine Eheöffnung der Ehe schaden? Heiraten weniger heterosexuelle Menschen, wenn auch lesbische und schwule Paare das dürfen? Wollen dann heterosexuelle Paare keine Kinder mehr bekommen, weil ja auch lesbische und schwule Paare heiraten? Was ändert sich für heterosexuelle Paare, wenn das Eheverbot für gleichgeschlechtliche Paare aufgehoben wird? Richtig – nichts!

Für niemanden wird sich irgendetwas ändern, außer für homosexuelle Paare. Die dürfen dann nämlich heiraten.

Die Ehe ist heilig. Die Ehe wird vor Gott geschlossen und schon in der Bibel …

Zu allererst geht es um die Ehe als zivilrechtliche Institution, d.h. die staatliche Ehe. Daneben gibt es noch das, was wir im Kirchenrecht unter Ehe verstehen. Man sollte also nicht das kirchliche Recht mit dem staatlichen vermischen.

Die Bedeutung und das Verständnis dafür, was unter eine Ehe zu verstehen ist, hat sich in der Geschichte immer verändert. Lange Zeit ging es bei der Heirat um Statussicherung, Friedenssicherung. Erst seit dem 18. Jh. wird eine Liebeshochzeit als romantisches und auch bürgerliches Ideal gesehen.

Immer mehr evangelische Landeskirchen kennen heutzutage die Partnerschaften von Lesben und Schwulen an. Die Landeskirchen in Hessen, Rheinland, Berlin-Brandenburg-Oberlausitz und in Baden machen keinen Unterschied mehr, sondern trauen auch homosexuelle Paare. Die meisten anderen Landeskirchen bieten zumindest Segnungen an.

Und als nächstes dürfen dann auch Menschen ihren Hund heiraten!

Genau – und ihre Katze, ihr Auto, ihren Garten oder ihren Einkauf. Das Argument ist ziemlich dumm. Nur weil man eine Sache erlaubt, bedeutet das nicht, dass man automatisch auch das, das, das und das erlaubt.

Bei einer Ehe heiraten zwei Menschen, meist aus Liebe und weil sie sich dazu entschieden haben. Ein Hund oder ein Auto können da wohl nicht einwilligen, keinen Heiratsantrag machen, keinen Heiratsantrag annehmen, keine Heiratsurkunde unterschreiben. 

Zudem ist es auch ziemlich unverschämt und beleidigend, wenn man Schwule oder Lesben die Menschlichkeit abspricht und mit Tieren oder Gegenständen vergleicht.

Aber die Mehrheit ist in Deutschland dagegen!

Auch das stimmt nicht. Laut einer repräsentativen Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes befürwortet eine überwältigende Mehrheit von 83 % der Menschen in Deutschland die Eheöffnung. Schon 2013 waren 74 %, d.h. 3/4 der Bundesbürger*innen für eine völlige Gleichstellung. Selbst etwa zwei Drittel der Unionswähler*innen (64 %) treten für eine völlige Gleichstellung ein.

Übrigens gäbe es auch eine parlamentarische Mehrheit im Bundestag. Grüne, Linke, SPD und einige Abgeordnete der Union sind dafür. Theoretisch könnten nach § 76 Bundestagsgeschäftsordnung auch 5% der Bundestagsabgeordneten (d.h. 32 Abgeordnete aus verschiedenen Fraktionen) gemeinsam einen Gesetzentwurf in den Bundestag einbringen. Die SPD hat 100 % Gleichstellung versprochen und könnte in der Koalition dafür werben, dass der Gesetzentwurf des Bundesrates aufgesetzt wird.

Um am Ende aber eine Mehrheit zu bekommen, müsste man dann freilich in der Koalition vereinbaren, dass man die Abstimmung freigibt, oder durch das Abstimmungsverhalten nicht gegen den Koalitionsvertrag (keine wechselnden Mehrheiten) verstößt. Wenn die Abstimmung im Bundestag freigegeben würde, sind wir uns sehr sicher, dass es eine Mehrheit dafür gäbe.

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