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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)

Lesbische Sichtbarkeit in der Mädchen*arbeit

Handlungsempfehlungen und Beispiele guter Praxis

Ergebnisse des Webtalks mit Lisa Baumann und Andrea Mijares / Eike Bartheidel im Rahmen des 4. Regenbogenparlaments "Selbst.verständlich Vielfalt. LSBTIQ* gehören dazu".

4. Regenbogenparlament 2020_Webtalk_Lesbische_Sichtbarkeit_Mädchenarbeit

Stratgien und Handlungsempfehlungen des Webtalks mit Lisa Baumann (Fach- und Koordinierungsstelle Frauen für Frauen Leipzig) und Andrea Mijares / Eike Bartheidel (Mädchen*treff Bielefeld ) im Rahmen des 4. Regenbogenparlaments "Selbst.verständlich Vielfalt. LSBTIQ* gehören dazu" am 10. September 2020.

Das Regenbogenparlament hat sich seit seinem Auftakt an der Humboldt-Universität zu Berlin 2018 zum bundesweit einmaligen Leuchtturm-Forum zum Thema „Regenbogenkompetenz“ entwickelt. Das vierte Regenbogenparlament 2020 fand als virtuelle Veranstaltungsreihe "Rainbow-Week" zwischen dem 08. und 17. September statt.

Die Broschüre mit den Ergebnissen und Handlungsempfehlungen ist hier als Download verfügbar oder kann kostenfrei unter rene.mertens@lsvd.de als gedruckte Broschüre bestellt werden.

Lesbische Sichtbarkeit in der Mädchen*arbeit. Wie können lesbische Mädchen* und junge Frauen* in der Mädchen*arbeit gestärkt werden?

regenbogenparlament_maedchenarbeit_7_bikablo_tobias_wieland.pngLesbische Mädchen* und jungen Frauen* haben sich viel an persönlicher und gesellschaftlicher Freiheit erkämpft. Die feministische und heteronormativ-kritische Mädchen*arbeit vieler Träger*innen und Projekte hinterfragt heute offen die Prinzipien von Zweigeschlechtlichkeit und nimmt Themen wie sexuelle und geschlechtliche Vielfalt als Teil des professionellen Handelns auf. Die Mädchen*arbeit muss sich stetig weiterentwickeln und hat dennoch zentrale Kernpunkte wie Ungleichbehandlungen und Gewalt aufgrund des Geschlechts.

Zum Stand der lesbischen Sichtbarkeit in der Mädchen*arregenbogenparlament_maedchenarbeit_1_bikablo_tobias_wieland.pngbeit

Vor dem Hintergrund eines kurzen Abrisses der Geschichte von Mädchen*arbeit im Kontext der ersten bis dritten Frauenbewegung und des rechtlichen Rahmens für die aktuelle Mädchen*arbeit präzisierte Lisa Baumann die Zielgruppe: Mädchen*, junge Lesben und „Mint“ (Mädchen, die sich als intergeschlechtlich, nicht binär oder trans* definieren) unterschiedlicher Zugehörigkeiten z. B. in Nationalität oder Religion. Themen der heteronormativ-kritischen Arbeit sind u. a. Coming-out, Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen, Misgendering, Sexualität, (Un-)Sichtbarkeit und Partner*innenbeziehungen, eigene diskriminierende Anteile, selbstverletzendes Verhalten. Entsprechend notwendige Kompetenzen für Fachkräfte sind Akzeptanz, Wissen und Sprachsensibilität sowie die Fähigkeit, Identitätsangebote zu machen und Kontakte anzubahnen. Lisa Baumann betonte, dass der queere Fokus lesbische Mädchen* nicht in die Unsichtbarkeit drängt.

Praxisbeispiel Mädchentreff Bielefeld – Projekt “mosaik. zusammen_verschieden

Andrea Mijares und Eike Bartheidel stellten das Projekt mosaik. zusammen_verschieden vor. Sie beschrieben eine Entwicklung von lesbischer Mädchen*arbeit hin zu lesbisch_queerer Mädchen*arbeit in ihrer pädagogischen Praxis. In diesem Zusammenhang betonten sie, dass lesbisch_queere Mädchen*arbeit bedeutet, einen Empowermentraum für lesbisch_queere Mädchen* zu schaffen. Die Sichtbarkeit lesbisch_queerer Mädchen*arbeit ist in der alltäglichen Praxis der Offenen Mädchen*arbeit sehr wichtig. Sie hoben hervor, dass sich Inklusion nicht ausschließlich auf Menschen mit Behinderungen bezieht. Inklusion ist vielmehr – vor dem Hintergrund der Entwicklungen und Aufgaben im Arbeitsfeld – der zentrale Ansatz zur Ausrichtung der Mädchen*arbeit.

Erkenntnisse für die Förderung lesbischer und queerer Sichtbarkeit aus den Inputs der Referent*innen und den Beiträgen der Teilnehmenden:

  • Für einen unterstützenden und empowernden Umgang mit den Mädchen* ist die Haltung der Mitarbeiter*innen wichtiger als die eingesetzten Methoden.
  • Ein diverses bzw. vielfältiges Team ist bereichernd für alle Beteiligten und per se vorbildlich.
  • Eine der zentralen pädagogischen Herausforderungen besteht darin, bei z. B. homophoben oder trans*feindlichen Äußerungen innerhalb der eigenen Gruppen zur Auseinandersetzung aufzufordern, aber auch Grenzen aufzuzeigen und auf Akzeptanz zu bestehen.
  • Lesbische bzw. queere Sichtbarkeit ist auch innerhalb der eigenen Räume grundsätzlich eine Einladung – niemals Zwang. Niemand wird zum Coming-out gedrängt.regenbogenparlament_maedchenarbeit_5_bikablo_tobias_wieland.png
  • Sexismus und Rassismus sind die häufigsten Erfahrungen der Besucher*innen in den Mädchen*treffs. Auch von Fachkräften z. B. in Beratungsstellen erleben Mädchen* Diskriminierungen – häufig nicht beabsichtigt, sondern aufgrund von fehlendem Wissen
    beispielsweise bei der Schaffung von Schutzräumen oder Kontakt- und Gesprächsmöglichkeiten. Sensibilisierung und Weiterbildung sind in diesen Bereichen
    dringend notwendig.
  • Um für Mädchen* Zugänge zu schaffen, ist sprachliche Sensibilität bei Einladungen und Ausschreibungen wichtig und ebenso die Berücksichtigung der sozio-ökonomischen Herkunft (durch kostenlose Angebote, Staffelung von Beiträgen nach Selbsteinschätzung, Bildung von Spendenfonds zur Finanzierung von Fahrtkosten).
  • Kooperationen und Vernetzungen sind wichtige Strategien, um lesbische/queere Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit und auf der politischen Ebene
    zu erhöhen.
  • Es gibt einen großen Bedarf, bereits vorhandenes gutes Informations- und Arbeitsmaterial besser zubündeln und zugänglicher zu machen.

 

Das Regenbogenparlament ist Teil des LSVD-Projektes im Kompetenznetzwerk „Selbst.verständlich Vielfalt“

Ansprechpersonen für das Projekt des LSVD

Jürgen Rausch / René Mertens - koordinierungsstelle@lsvd.de

Das Kompetenznetzwerk "Selbst.verständlich Vielfalt" wird im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

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