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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)

Vielfalt in der Kita

Strategien und Methoden für den KiTa-Fachkräfte

Wie können vielfältige Lebensweisen und Identitäten in der KiTa thematisiert werden und wie können Pädagog*innen reagieren, wenn das eigene professionelle Handeln angegriffen wird?

Stratgien und Handlungsempfehlungen des Webtalks mit Joachim Schulte (Projekt Familienvielfalt - QueerNet Rheinland-Pfalz) und Eva Prausner (Projekt ElternStärken.Fortbildung, Vernetzung, Beratung zum Thema Familie & Rechtsextremismus)
im Rahmen des 4. Regenbogenparlaments "Selbst.verständlich Vielfalt. LSBTIQ* gehören dazu" am 16. September 2020.

Das Regenbogenparlament hat sich seit seinem Auftakt an der Humboldt-Universität zu Berlin 2018 zum bundesweit einmaligen Leuchtturm-Forum zum Thema „Regenbogenkompetenz“ entwickelt. Das vierte Regenbogenparlament 2020 fand als virtuelle Veranstaltungsreihe "Rainbow-Week" zwischen dem 08. und 17. September statt.

Die Broschüre mit den Ergebnissen und Handlungsempfehlungen ist hier als Download verfügbar oder kann kostenfrei unter rene.mertens@lsvd.de als gedruckte Broschüre bestellt werden.

„Gender-Gaga“ & „Besorgte Eltern“ - Vielfalt in der Kita. Wie können Pädagog*innen reagieren, wenn das eigene professionelle Handeln angegriffen wird?

2020_regenbogenparlament_webtalk_vielfalt_in_der_kita_5_bikablo.com_tobias_wieland.pngGeschlechtliche und sexuelle Vielfalt ist ein Thema für jede Kita. Im Kita-Alltag gib es Kinder, die sich nicht als „typische“ Jungs oder „typische“ Mädchen verhalten oder trans* sind. Die Vielfalt von Geschlechterrollen und Familienmodellen muss als Teil der frühkindlichen Bildung auch von Fachkräften in Kitas wahrgenommen und als Teil der kindlichen Identität akzeptiert werden. Viele Fachkräfte und Träger*innen haben das mittlerweile in ihre Arbeit und in ihren
pädagogischen Handlungsrahmen integriert. Wie können Fachkräfte, Träger*innen und Verwaltungen jedoch reagieren, wenn das Eintreten für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt angegriffen wird und sich Fachkräfte Agitationen ausgesetzt sehen?

Praxisbeispiel - Der Kita Koffer "Familien- und Lebensvielfalt"2020_regenbogenparlament_webtalk_vielfalt_in_der_kita_4_bikablo.com_tobias_wieland.png

Joachim Schulte berät Fachkräfte zu geschlechtlicher und sexueller Vielfalt. LSBTIQ*-Kinder in der Kita gab es schon immer – ihre Sichtbarkeit nimmt jedoch zu. Mit dieser Sichtbarkeit steigt jedoch auch der Wunsch vieler Fachkräfte sich zum Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt zu informieren. Um diesem Bedarf und den damit zusammenhängenden Unsicherheiten von pädagogischen Fachkräften zu begegnen, hat das Projekt „Familienvielfalt“ den Kita-Koffer entwickelt. Dieser Koffer enthält kindgerechtes Material – nominell Bücher und Spiele – zu den drei Themen Familienvielfalt, Geschlechterrollen und ‚Anders sein‘. Eine Begleitmappe für die Erzieher*innen ist ebenfalls Gegenstand des Koffers. Auf diese Weise eröffnen die Projekttage den Dialog über gesellschaftliche Vielfalt ganz im Sinne des Ansatzes, dass alle Formen von Familie, Freundschaft und Liebe vollkommen in Ordnung sind.

Mit welchen Angriffen sehen sich KiTa-Fachkräfte konfrontiert, wenn das Thema „sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ im Rahmen der pädagogischen Konzepte umgesetzt werden soll?

2020_regenbogenparlament_webtalk_vielfalt_in_der_kita_2_bikablo.com_tobias_wieland.pngEva Prausner bietet mit ihrem Projekt Beratung, Fortbildung und Vernetzung zum Thema Familie und Rechtsextremismus an. Überall wo Eltern auf LSBTIQ* treffen, müssen Fachkräfte damit umgehen, dass Eltern mit ihnen dazugehörige Fragen und Widerstreite verhandeln. Oft handelt es sich um Ressentiments, leitkulturelle Überlegungen, Machtinteressen und (familiäre) Tradierungen und damit verbundene Normalitäts- und Homogenitätsvorstellungen. Dies kann zur Ablehnung von Vielfaltsthemen im Kindergarten führen. Für Fachkräfte empfiehlt es sich, dass sie ihre eigene Werteorientierung (wie die Würde und die Gleichwertigkeit des Menschen) vertreten und transparent machen. Diese lassen sich etwa mit den Paradigmen des Grundgesetzes und weiterer verbindlicher Gesetzesgrundlagen legitimieren und sind der Handlungsrahmen und anzustrebender Konsens für die Praxis.

Die Kommunikation mit Eltern kann in diesen Situationen herausforder2020_regenbogenparlament_webtalk_vielfalt_in_der_kita_6_bikablo.com_tobias_wieland.pngnd sein. Hier ist zu beachten, dass die Positionierung oft auch unbeteiligte Dritte erreicht und so normensetzend wirkt. Wird diskriminierenden Äußerungen nicht widersprochen, wird signalisiert, dass es erlaubt ist oder ganz normal ist, so zu reden. Fachkräfte haben die Verantwortung, abwertende Botschaften zu erkennen und sich deutlich gegen Ausgrenzung zu positionieren. Ebenfalls ist zu beachten, dass die weitere Kommunikation einer Vertagung bedarf und nicht unbedingt in einer „Tür und Angel“- Situation ausgetragen werden sollte. Wir haben es hier mit einem Dilemma zu tun: einerseits den eigenen menschenrechtsorientierten Standpunkt zu vertreten und andererseits die Kooperation zu den Eltern zum Wohle des Kindes zu erhalten und zu festigen. Als Unterstützungsmöglichkeiten für Fachkräfte hat die Fachstelle Kinderwelten sehr konkrete, lebenspraktische und kindgerechte Konzepte dazu entwickelt.

Wie ist mit Eltern in der Beziehung zu bleiben, wenn sich Grundpositionen nicht übereinbringen lassen?

2020_regenbogenparlament_webtalk_vielfalt_in_der_kita_1_bikablo.com_tobias_wieland.pngWenn Eltern sich nicht für die moralische Grundposition der Kita gewinnen lassen, kann es auch helfen, den Eltern anzutragen, dass alle in der Kita beteiligten Personen verpflichtet sind, die Kinderrechte zu achten. Diese gebieten freie Entfaltung der Persönlichkeit und das Recht des Kindes auf eine eigene Meinung. Erzieher*innen sind zu ermutigen, ihren demokratischen Erziehungsauftrag auf zu nehmen. Grundlage dieses Auftrags ist der Respekt vor jeder Persönlichkeit, gleichwohl wie sie ist. Der Fokus der Gespräche mit den Eltern ist dabei immer das Wohl des Kindes und die Frage, inwiefern Ungleichwertigkeitsvorstellungen der Eltern Einfluss nehmen und Entwicklungsbedürfnisse von Kindern einschränken. Entscheidend ist darüber hinaus die Sichtbarmachung der Werte als Bestandteil der professionellen Haltung, für die die Kita steht (etwa durch Aushänge, Statements auf der Homepage etc.).

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