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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)

LSVD Berlin-Brandenburg begrüßt stärkere Berücksichtigung von LSBTI* bei der Unterbringung wohnungsloser und geflüchteter Menschen

11. September – Bundesweiter Tag der Wohnungslosen

Pressemitteilung vom 11.09.2021

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Berlin-Brandenburg begrüßt, dass LSBTI* im Projekt Gesamtstädtische Steuerung der Unterbringung (GStU) berücksichtig werden sollen. Ziel der federführend von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales erarbeiteten GStU ist die Gewährleistung einer qualitätsgesicherten und bedarfsgerechten Unterbringung aller von Wohnungslosigkeit bedrohten oder betroffenen Personen, unabhängig von ihren staatsangehörigkeits- und aufenthaltsrechtlichen Verhältnissen. Wie aus dem Zwischenbericht des Senats hervorgeht, sollen bei der Umsetzung der GStU auch Unterkünfte und Beratungsangebote für Lesben, Schwule, Bisexuelle sowie trans- und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI*) einbezogen werden.

Der AWO Kreisverband Berlin Spree-Wuhle und das Zentrum für Migrant:innen, Lesben und Schwule (MILES) des LSVD Berlin-Brandenburg stellen mit der LSBTI*-Krisenwohnung bereits seit Oktober 2019 eine anonyme und temporäre Zufluchtsmöglichkeit zur Verfügung. Diese richtet sich an erwachsene LSBTI*-Personen aus Berlin, die sich durch angedrohte oder bereits vollzogene Zwangsverheiratung, Gewalt im Namen der Ehre, häusliche Gewalt und Gewalt aufgrund ihrer sexuellen und/oder geschlechtlichen Identität in Gefahrenlage befinden. Die Erfahrung aus dem Kooperationsprojekt zeigt, dass ein großer Bedarf für die Unterstützung wohnungsloser LSBTI* existiert. Näheres ist der gemeinsamen Stellungnahme von AWO Spree-Wuhle und LSVD Berlin-Brandenburg zu entnehmen.

Leider erfüllen die meisten wohnungslosen oder von Wohnungslosigkeit bedrohten Personen, die das Angebot der LSBTI*-Krisenwohnung wahrnehmen möchten, nicht die genannten Aufnahmekriterien. Es ist daher umso notwendiger, die Bedürfnisse von LSBTI* in der Wohnungslosenhilfe zu berücksichtigen. Unabdingbar ist auch, dass Mitarbeiter:innen der sozialen Wohnhilfen im Rahmen des geplanten Schulungs- und Fortbildungskonzeptes der GStU für den Umgang mit LSBTI* geschult und sensibilisiert werden.

Anlässlich des heutigen bundesweiten Tags der Wohnungslosen macht Ayfer Schultz, Projektkoordinatorin von MILES, auf die derzeit noch bestehenden Probleme im Unterbringungsangebot für wohnungslose LSBTI* aufmerksam: „Die Lebens- und Problemlagen von LSBTI* werden in den Berliner Unterkünften bisher leider nicht richtig berücksichtig. Insbesondere trans* Personen werden diskriminiert und erfahren häufig Gewalt und Ausgrenzung durch andere Bewohner:innen. Nur wenige Frauenhäuser sind bereit oder entsprechend eingerichtet, um von Gewalt betroffene trans* Frauen aufzunehmen. Trans* Männer dagegen haben kaum eine Möglichkeit, einen Schutzort zu finden. In den Wohnungslosenunterkünften einen Platz zu finden ist sehr schwierig und da sie nur für Übernachtungen geöffnet sind, bieten sie tagsüber keinen Schutz. Personen, die sich in der Transition befinden, haben zusätzlich einen hohen medizinischen Versorgungsbedarf. Daher ist es dringend notwendig für wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohe LSBTI* sichere Orte einzurichten und entsprechend auf ihre Bedürfnisse einzugehen.“

LSVD Berlin-Brandenburg

Pressekontakt

Pressesprecher*in Christopher Schreiber

Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) Berlin-Brandenburg e.V.
Kleiststraße 35
10787 Berlin

Tel.: 030 – 22 50 22 15
Fax: 030 – 22 50 22 21
E-Mail: christopher.schreiber@lsvd.de