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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)

Transfeindliche Hetze bei Welt-Online

Axel-Springer-Verlag bietet pseudowissenschaftlichem Unfug ein Forum

Pressemitteilung vom 02.06.2022

Berlin. 02. Juni 2022. Gestern erschien im Online-Portal der Zeitung Die Welt der Meinungsartikel „Wie ARD und ZDF Kinder sexualisieren und umerziehen“ (aktuell geändert in: Wie ARD und ZDF unsere Kinder indoktrinieren) von Rieke Hümpel, Uwe Steinhoff, Antje Galuschka, Alexander Korte und Marie Vollbrecht. Die Autor*innen skandalisieren in dem Aufruf „Schluss mit der Falschberichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks!“ den unaufgeregten Umgang mit Themen der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt in den öffentlich-rechtlichen Medien und befördern damit die anhaltende Diskriminierung geschlechtlicher Minderheiten in Deutschland. Dazu erklärt Alfonso Pantisano aus dem LSVD-Bundesvorstand:

Dass die Welt und der Axel-Springer-Verlag zum Auftakt des Pride Month den gefährlichen Falschaussagen zahlreicher Akademiker*innen eine Plattform bieten und es ermöglichen, dass mit Begriffen wie „Transgender-Ideologie“, „Umerziehung“ und „Sexualisierung“ gegen trans*, intergeschlechtliche und nicht-binäre Menschen gehetzt wird, ist erschreckend. Unter dem Mantel einer vermeintlichen Objektivität und akademischen Seriosität werden Falschbehauptungen gestreut, und ein offenes, diskriminierungsfreies und wertschätzendes Verständnis für die Verschiedenheit und Vielfalt der partnerschaftlichen Beziehungen, sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten wird dämonisiert.

„Transgender-Ideologie“ ist ein zentraler Kampfbegriff, der vor allem von rechtspopulistischen, rechtskonservativen oder rechtsreligiösen Akteur*innen benutzt wird. Damit sollen die Rechte, Anerkennung und Gleichbehandlung von trans* Personen, Gleichstellungspolitik oder sexuelle und reproduktive Rechte abgewehrt werden. Die Initiator*innen und Unterzeichner*innen des Aufrufs treiben mit Vorurteilen und Diffamierungen ein gefährliches Spiel, das auch Kindern und Jugendlichen schadet, anstatt sie vor Anfeindung und Ausgrenzung zu schützen. All das unterstützt der Axel-Springer-Verlag mit der Veröffentlichung des Beitrages auf dem Welt-Onlineportal.

Auf dem Berliner CSD will der Verlag dann aber mit einem Wagen teilnehmen. Wenige Wochen vorher gibt er kruden und gefährlichen Thesen von Gleichstellungsgegner*innen noch einen Platz und unterstützt somit deren Verbreitung. Wie gefährlich diese Hetze gegen geschlechtliche Minderheiten ist, kann man an den steigenden transfeindlichen Hassgewaltdelikten ablesen.

Es ist wichtig, dass sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in den Formaten der öffentlich-rechtlichen Sender einen Platz hat. Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans* und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI*) sind Teil gesellschaftlicher Selbstverständlichkeit. Der unaufgeregte Umgang mit vielfältigen Lebensweisen und Identitäten stärkt alle Kinder und Jugendlichen und wirkt gegen die vergiftete Ideologie von Gleichstellungsgegner*innen.

Geschlecht ist vielfältig und nicht allein über biologische Merkmale zu bestimmen. Dieser wissenschaftlichen Erkenntnis folgt auch das Bundesverfassungsgericht in mehreren Urteilen. Danach wird die Geschlechtszugehörigkeit einer Person nicht allein durch körperliche Geschlechtsmerkmale bestimmt, sondern wesentlich auch durch die geschlechtliche Identität. Und auch die Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen empfahl bereits im September 2019 der UN-Generalversammlung, die bisher im Völkerrecht verankerten Definitionen „weiblich“ und „männlich“ zu streichen und befürwortete stattdessen das Verständnis des Begriffs „Geschlecht“ als „sozial konstruiert“.

Die Anerkennung der Geschlechtsidentität gehört zu den Grundrechten. Anders als mitunter behauptet, geht es trans* Personen weder darum, Geschlecht abzuschaffen, noch Biologie oder Körper zu negieren. Die Existenz von trans* Personen zeigt aber, dass bestimmte, als Geschlechtsmerkmale definierte körperliche Merkmale nicht automatisch zu einer bestimmten Geschlechtsidentität und damit Geschlechtszugehörigkeit führen müssen.

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